"Gesagt - getan!" Aber hallo! Da wird bei seinem heutigen Auftritt in der Donauhalle (19 Uhr) auch Ministerpräsident Winfried Kretschmann aufhorchen und hinschauen. Die siebenköpfige Fraktion der Grünen im Ulmer Gemeinderat - Birgit Schäfer-Oelmayer, Dr. Richard Böker, Annette Weinreich, Ulrike Lambrecht, Michael Joukov, Konstantinos Kontzinos, Sigrid Räkel-Rehner - beansprucht für sich, nach besagtem Prinzip zu handeln.

Dies dokumentiert die Fraktion in einem von Selbstbewusstsein strotzenden, an manchen Stellen auch in Selbstgefälligkeit verfallenden Rechenschaftsbericht dieses Titels. Er ist knapp zwei Jahre vor der Kommunalwahl im Juni 2014 erschienen, umfasst die vergangenen drei Jahre der Ratsarbeit und zeichnet sich durch eine außergewöhnliche Machart aus: zwölf Seiten dick, 45 Gramm schwer, im großen Format von 32 mal 25 Zentimetern.

Nach eigenen Angaben hat sich die Fraktion das von regionalen Firmen in Ulm, Neu-Ulm, Weißenhorn und Senden auf speziellem Umweltpapier hergestellte Druckprodukt 26 000 Euro kosten lassen, das sei die Hälfte des Budgets der Fraktion für Öffentlichkeitsarbeit.

Der Rechenschaftsbericht ist in erster Linie ein Werk der Fraktionsgeschäftsführerin Annette Weinreich. Die gelernte Architektin kämpft im Rat für Strategien, um zu mehr bezahlbarem Wohnraum zu kommen. Generell formulieren die Grünen das Ziel einer "ökosozialen Stadtentwicklung". Daran müssten die Bürger dahingehend besser beteiligt werden, als die Menschen "nicht erst am Schluss eines Planungsprozesses zu informieren sind, sondern von Anfang an".

Der Rechenschaftsbericht ist ansonsten eine Tour quer durch alle Themen der Lokalpolitik in jüngerer Vergangenheit. In vielen Fällen beanspruchen die Grünen für sich, Vorreiter für oder Wegbereiter von Entwicklungen gewesen zu sein: ob gentechnikfreie Zone, Erhalt des Gratistickets für Erstsemester oder den als größten Erfolg bezeichneten Ausstieg aus dem Cross-Border-Leasing. Und die Niederlage bei der S-21-Volksabstimmung wird offensiv ein Stück weit umgekehrt: "Grüne akzeptieren das Votum des Volkes, sie fordern aber all das ein, womit das Projekt schmackhaft gemacht wurde: mehr Regionalverkehr und mehr Fernzüge."