Umwelt Linie 2: Neue Bäume und Wiese entlang der Gleise

Ulm / Carolin Stüwe 05.12.2018
Insgesamt 474 Bäume wurden und werden entlang der Linie 2 gepflanzt. Im Sommer soll abschnittsweise Rasen zwischen den Schienen wachsen.

Spätestens nächsten Sommer dürfte in manchen Bereichen Gras über die Straßenbahn-Baustellen gewachsen sein. Doch schon jetzt laufen die Baumpflanzungen auf Hochtouren, „denn wir wollen vor dem Start am Montag ein gutes Bild abgeben“, sagt Ralf Gummersbach, Projektleiter der Linie 2 bei den Stadtwerken Ulm/Neu-Ulm, SWU Verkehr. Zwei dicke Ordner füllt das entsprechende Planfeststellungsverfahren. Damit werden die Verantwortlichen verpflichtet, auszugleichen, was an Grün dem Trassenbau weichen musste wie Bäume und Sträucher und was an Flächen versiegelt wurde. Aber genauso haben die Gutachter an Fledermäuse, Vögel und blühende Wiesen für Insekten gedacht.

Bäume

64 Einzelbäume mussten für den Trassenbau in der kleinen Ehinger Anlage beim Hans-und-Sophie-Scholl-Gymnasium sowie 105 auf der restlichen Strecke der Linie 2 gefällt werden. Das sind zusammen 169 Bäume, überwiegend Laubbäume von jung bis alt. Geplant ist, insgesamt 474 Bäume neu zu pflanzen.

Das werden am Kuhberg hauptsächlich Stadtbirnen (94 Stück) sein, weil diese Art stadtklimafest ist, nur zehn bis 15 Meter hoch wird und keinen so großen Kronendurchmesser erreicht. „Denn die Bäume stehen dicht an der Trasse“, sagt Grünflächenchef Christian Giers, dessen Team die Begrünung fachlich begleitet. Die Stadtbirne ist eine Zierbirne, sie blüht „schön weiß“, trägt aber nur ein Zentimeter große Früchte, denn Mostobst macht sich nicht so gut auf dem Gleisbett. Bei einer Bürgerbeteiligung waren zudem Winterlinden gewünscht worden, die in der Wendeschleife am Schulzentrum genug Platz finden mit ihren ausladenden Kronen.

Am Eselsberg werden derzeit in der Albert-Einstein-Allee ebenfalls schmalkronige Laubbäume gepflanzt: Säulen-Hainbuchen mit dem schönen Namen Carpinus betulus Frans Fontaine. Sie haben analog zu ihrem geringen Kronen- auch einen kleinen Wurzelballen-Durchmesser. Denn sie müssen auskommen mit dem knappen Erdreich zwischen Trasse und Straße. Auch in der Stadt wird an der Linie 2 gepflanzt: In der Neutorstraße soll der Amerikanische Amberbaum wachsen, der bis zu 30 Meter hoch werden kann. Er hat Blätter, die an den Ahorn erinnern, und „eine markante Herbstfärbung“, schwärmt Giers. Vor dem Theater, wo massiv gerodet wurde, werden nun sieben Japanische Schnurbäume gepflanzt. Dies sind Schmetterlingsblütler, die gerne von Honigbienen angeflogen werden.

Artenschutz

Da in den Ehinger Anlagen und am Waldrand gegenüber der Uni West auch alte Bäume gefällt werden mussten, in denen Fledermausquartiere festgestellt wurden, sollen zum Ausgleich an geeigneten Stellen künstliche Fledermaushöhlen aufgehängt werden. Mitglieder des BUND wollen die Höhlen in den nächsten zehn Jahren pflegen. Zudem müssen Experten auf dem Unigelände nach einer Ersatzfläche für Eidechsen suchen. Für höhlenbrütende Vögel werden in den Grünanlagen Saarlandstraße, Fort Unterer Kuhberg und Grimmelfinger/Egginger Weg mindestens sieben Nisthilfen angebracht. Von den Baumfällungen seien übrigens nur ungefährdete Vogelarten betroffen gewesen, betont Gummersbach.

Grünflächen

Das so genannte Rasengleis, das sich bereits an der Linie 1 in Böfingen bewährt hat, ist am Kuhberg vom Rewe-Markt bis zur Wendeschleife geplant. Das ergibt eine Grünfläche von rund 10.000 Quadratmetern. Am Eselsberg kommen weitere 22.000 Quadratmeter hinzu. Dazu wird auf den Gleisschotter der Samen von Landschaftsrasen eingesät und die Fläche zweimal im Jahr gemäht. So sieht man später auf einem Niveau den Rasen und die Schienen. Bewässert wird dort nicht, aber die Gräser dürfen blühen, und die Fläche darf verkrauten. Gummersbach: „Wir wollen ja keinen Golfrasen.“

An nach Süden exponierten Böschungen wird versucht, Magerwiesen im Trassenbereich entstehen zu lassen. Das Saatgut nennt sich Heudruschsaat, denn es wurde auf einer vorbildlichen Magerwiese des Botanischen Gartens gewonnen. Eine Wiese, auf der vereinzelt standortheimische Laubbäume stehen, ist auf der Wendeschleife am Schulzentrum geplant.

Ausgleich

Auf dem Oberen Eselsberg wird ebenfalls zum ökologischen Ausgleich ein Nutzwald mit alten Eichen in Naturwald umgewandelt. Das heißt: Auf 33.000 Quadratmetern wird dann nur noch gepflegt, nicht mehr holzwirtschaftlich geerntet. Zudem werden am Mähringer Weg zwei Fuß- und Radwege, für die es schon Ersatz gibt, entsiegelt und zum Forstweg umgewidmet.

Aber: Weil die Stadt gar nicht genug Flächen zur Verfügung hat zum Ausgleich für die beiden versiegelten Trassen der Linie 2, „müssen wir auch noch was zahlen“, sagt Gummersbach. Wie hoch der Betrag für die Ausgleichszahlung ist, steht noch nicht fest. Immerhin werden alle neu gepflanzten Bäume von den beauftragten Firmen noch zwei Jahre lang gepflegt, bis sie genug Wurzelmasse haben. Schlechtes Pflanzgut muss die beauftragte Firma gleich austauschen.

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Vor drei Jahren schon 19 Eichen umgetopft

Bagger-Biss Vor den Linie 2-Bauarbeiten wurden aber nicht nur Bäume gefällt. Sondern vor drei Jahren hat bereits die Spezialfirma „Cornel Wilde“ aus Gerlingen an der Albert-Einstein-Allee auf dem Oberen Eselsberg 19 etwa 25 Jahre alte und bereits zehn Meter hohe Eichen „umgetopft“.  Sie wurden mit einer Rundspatenmaschine ausgegraben und mit diesem „Bagger-Biss“ per Laster zum neuen Standort in der Junginger Albstraße, vis-à-vis der Müller-Verwaltung, transportiert und dort in die Pflanzlöcher gesetzt.

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