Großes Talent vor handverlesenem Publikum

Startete die Reihe "Lied:Gut": Sebastian Hackel. Foto: Matthias Kessler
Startete die Reihe "Lied:Gut": Sebastian Hackel. Foto: Matthias Kessler
GOTTFRIED LOTHAR 17.01.2012
"Lied:Gut!" heißt eine neue Reihe im Roxy, in der Singer-Songwriter vorgestellt werden. Den Anfang machte jetzt Sebastian Hackel.

Sebastian Hackel ist ein 22-jähriger Schlacks mit Dreadlocks, Schlabbershirt, der barfuß auf die Bühne kommt, Teelichter entzündet, sich auf seinen Klappstuhl mit zerfranster Lehne setzt und dann einfach loslegt. Wer nun im Roxy einen Reggae-Abend erwartet hatte, wurde enttäuscht. Wer gar nichts erwartet hatte, wurde über die Maßen beschenkt mit neuen Liedern, die in einer Ernsthaftigkeit vorgetragen wurden, die man einem so jungen Menschen normalerweise nicht zutraut.

Hackel schreibt seine Texte und Musik selber. Eigentlich beginnen alle Lieder in einer tief melancholischen Stimmung. Ein persönliches Erlebnis kann den Anstoß für den Text gegeben haben, der sich dann gegen Ende doch zumeist zu einem hoffnungsvollen Ausblick hin entwickelt wie "Ich mal mit Kreide jedem Menschen eine Blume in die Hand". Manchmal folgen die Verse einem einfachen Reimschema, manchmal springen sie jedoch über ein Zeilenende hinweg und verschachteln sich komplizierter. Man muss genau zuhören, um den Gedanken folgen zu können und um die positive Wendung nicht zu verpassen.

Auch in der Musik verfährt Hackel ähnlich. Während die Begleitung auf der Gitarre eher einfach daherkommt, wagt die Melodie mit großen Intervallen oft interessante Sprünge, die Hackels Stimme ins unangestrengte Falsett führt, bevor sie schlicht zum Ende kommt. Manchmal baut er auch eine Art Bibbern in seinen Gesang ein, der dem Text dann etwas zusätzlich Flatterhaftes gibt. Diese Art zu singen erinnert an die gebürtige Ulmerin Hildegard Knef, die ihre Chansons mit ähnlicher Technik bereicherte.

Das Konzert im Roxy war nicht gut besucht, Wohnzimmeratmosphäre herrschte. das Programm war nach einer Stunde schon vorbei. Mit der Unbekümmertheit des Neulings erzählte Hackel, dass er keine weiteren Songs als Zugabe habe, bis er zum Abschluss dann doch Teile eines ganz neuen Liedes präsentierte. "Wem auch immer du gefällst, sei du selbst". Von diesem großen Talent wird man noch viel zu hören bekommen. Hoffentlich!

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