Beflügelt von der Leidenschaft zu tanzen – das ist der gemeinsame Nenner von zehn Tänzern  aus neun Nationen, die seit Herbst  die neu zusammengestellte Compagnie am Theater Ulm bilden. Mit Tanztheaterchef Reiner Feistels „Gesichter der Großstadt“ starteten sie im Herbst furios und vielversprechend durch – und melden sich schon jetzt, früher als zunächst geplant, als ideenreiche Choreografen eindrucksvoll zurück. Mit der ebenfalls umjubelten Auftaktvorstellung der neuen Veranstaltungsreihe „Company in Motion“ im oberen Foyer des Theaters. Wobei die unmittelbare Nähe zwischen  Akteuren und  Zuschauern, für die zur Premiere am Samstag noch zusätzlich bestuhlt werden musste, besonderen Reiz hat.

Sechs  eigenständig  erarbeitete Choreografie-Miniaturen (Assistenz: Ana Presta) in verschiedenen Mitwirkenden-Konstellationen ohne  zu viel Kostüm-Tamtam, reduziert aufs Wesentliche  gebündelt. Erhellend von Feistel moderiert, gelang in 70 Minuten  ein großer Wurf aus  Tanzkunst auf hohem Niveau voller Spannung und Energie, Präsenz und Präzision.

Zu Texten aus dem Off, etwa von  Albert Einstein beim faszinierenden Auftakt mit Gabriel Mathéo Bellucci und Yoh Ebihara in Luca Scadutos männlichem Pas de deux „Mira“, und eingespielten Musik-Collagen aus Klassik und Pop stand im Mittelpunkt moderner Ausdruckstanz mit Gesten und Posen, Mimik und Bewegung im teils artistischen Parcours aus Pirouetten, Sprüngen, Körperpyramiden,  Hebe- und Stemmfiguren. Expressiv und emotionalisierend ließen Beziehungsgeflechte in Lucien Zumofens „Habibi“ und Alba Pérez González’ „Franks“ Raum für Fantasie und Assoziationen.

    Die klassische Ausrichtung mit Spitzentanz blieb die Ausnahme. Obwohl in dieser Disziplin  Raphaëlle Polidors Choreografie „Possibilités“ mit einer Idealbesetzung glänzen konnte: In schön getanzter Zweisamkeit wurden der Römer Bellucci und die auf Spitze schwebende Maya Mayzel lautstark gefeiert. Die  Russin legte auch im „Burnout“-Drama, einer ihr von Marijana Popovic auf den Leib geschriebenen Choreografie, ein großartiges Modern-Dance-Solo hin.

„Es war einmal“  nannte die Bulgarin Nora Paneva, erstmals in Ulm tanzend zu Gast beim Donaufest 2016, ihre Märchen­-Tanzperformance. Um  Schneewittchen, verkörpert von der schönen Spanierin González, begeisterte das komplette Ensemble mit den bereits Genannten sowie Seungah Park und Edoardo Neviani voller Magie und Poesie – Riesenbeifall.

Info „Company in Motion“ im oberen Foyer des Theaters gibt es wieder am 21. Januar, 21 Uhr, und  3. Februar, 16 Uhr.