Ulm Großer Andrang beim Kostümverkauf im Theater Ulm

Ulm / LENA HERRMANN 21.01.2013
Diese bunt ausgestattete, prächtige Inszenierung fand nicht auf der Bühne statt: Das Theater Ulm verkaufte rund 250 Kostüme aus dem Fundus. Die zahlreichen Besucher hatten auch Spaß am Verkleiden.

Im bodenlangen weißen Brautkleid rauscht eine Frau durchs Foyer. Ein Mann kommt in einem Häschenkostüm angehoppelt. Auch ein barocker Edelmann spaziert gut gelaunt in Pumphosen durch die Gegend. Vor einem Spiegel dreht und wendet sich eine Dame in einem mit Blumen besetzten Rock. Den hat sie von einem der zahlreichen Kleiderständer erbeutet, die im Erdgeschoss des Theaters aufgebaut sind. Dort türmen sich die Kostüme in allen Farben des Regenbogens. Ein Faschingsball am Samstagnachmittag im Theater Ulm? Nein, es ist Kostümverkauf.

Ein Besucherandrang herrscht wie bei einer mit Spannung erwarteten Premiere. Zum Verkauf stehen sowohl uralte, im überfüllten Fundus verwahrte Klamotten als auch neue Kostüme, die für spezielle Bühnenproduktionen zugeschnitten wurden und jetzt keine Verwendung mehr finden.

Bei jedem der Kostüme handelt es sich um ein Unikat, das Ruth Hauser und ihr Team am Theater von Hand angefertigt haben. In manchem Kleid stecken bis zu 120 Stunden Arbeit. "An den Kostümen hängt jede Menge Herzblut", sagt die Gewandmeisterin und Leiterin der Kostümabteilung. Natürlich mache es sie ein wenig traurig, diese alle aus der Hand zu geben. "Aber es ist viel schöner, wenn sie wieder getragen werden und nicht nur im Fundus herumhängen", findet Ruth Hauser.

Rund 250 Kostüme hat das Theater bei diesem besonderen Räumungsverkauf im Angebot. Manche Teile gibt es schon ab zehn Euro. So freut sich auch die 70-jährige Ilse Dietz aus Ulm über ein besonders günstiges, mit Federn und Fell besetztes Gewand: "Es gibt sogar eine passende Krone dazu, damit bin ich ein echter Ganovenkönig."

Einen absoluten Glücksgriff hat auch Jörg Hasenmaier gemacht: "Ich habe ein richtig tolles Hasenkostüm entdeckt", sagt der 42-jährige Ulmer begeistert und hält eine grasgrüne Jacke mit aufgenähten Mohrrüben hoch: "Ein Hase für den Hasenmaier."

An den Kleiderständern hängen Ausstattungsteile verschiedener Märchenproduktionen des Theaters, aber auch aus den großen Opern-Produktionen: ein knallroter Zweiteiler aus der "Zauberflöte", ein kunterbuntes Stoffkleid aus "Alice im Wunderland" oder ein mit Tüll besetztes Tutu aus der "Rocky Horror Show". Manche Kostüme sind schon gut zehn Jahre alt und haben so manche Premiere, manchen Schauspieler oder Sänger erlebt. Hinter jedem der Teile steckt eine eigene Geschichte, aber die Kostüme sind teils mehrfach verwendet worden, so dass auch Ruth Hauser sie nicht mehr alle genau zu den Aufführungen zuordnen kann.

Auch an Accessoires mangelt es nicht: Mit Federn besetzte Hüte, elegante Turbane, goldene Haarreifen - wie aus 1001 Nacht. Viel Aufmerksamkeit findet ein langer, schwarzer Lackmantel, der aussieht, als hätte ihn mal ein richtiger Bösewicht getragen. Ansonsten freuen sich die Frauen vor allem über die prunkvollen historischen Roben und die Männer über die edlen, glitzernden Jacken und Westen.

Die 14-jährige Johanna Mehlich aus Ulm hat sich für eines der aufwendig bestickten Kleider entschieden: "Ich habe auch noch einen Gehrock gefunden", sagt sie, "darin fühlt man sich wie Fräulein Rottenmeier aus Heidi." Ihre Mutter ist in der Zwischenzeit auf einen riesigen Elefantenkopf aus Pappmaschee gestoßen. "Den bringe ich meiner Theatergruppe mit", freut sich Elisabeth Mehlich.

Die Besucher reißen sich um die besten Teile, kaum einer gibt sich mit leeren Händen geschlagen. Diese besondere Veranstaltung des Theaters in der fünften Jahreszeit ist ein voller Erfolg: Bereits eine Stunde nach Beginn sind die Stangen leer geräumt und die meisten Kostüme verkauft. Die Mitarbeiterinnen des Theaters können ihr Glück kaum fassen. "Das ist unser erster richtiger Kostümverkauf. Besser kann es nicht laufen", sagt Ruth Hauser. Auch ihr Lieblingskostüm ist weg: ein rosarotes Puppenkleid.

Alles Theater? Keine Frage, das Theater Ulm bespielt in den nächsten Wochen auch so manchen Faschingsball.