Ulm / cmy

So voll war es bei der Eröffnung des Kaufhauses „Siegle“ im Ulmer Westen, dass sich die Menschen am frühen Donnerstagabend bis auf die Straße drängelten. Eigentlich überraschend. Denn neue oder auf Hochglanz gestylte Konsumartikel gibt es dort nicht. Das „Kaufhaus der Dinge“ ist ein Projekt der AG West, jenes Vereins, der sich für den Stadtteil engagiert und auch schon das nur wenige Meter entfernt liegende Café Canapé auf den Weg gebracht hat.

Auf rund 270 Quadratmetern Verkaufsfläche des ehemaligen Schuhhauses Siegle findet man verteilt auf zwei Stockwerke alle möglichen, Gebrauchtwaren, die Bürger dort abgegeben haben – und weiterhin abgeben können. Tabu sind lediglich größere Möbelstücke, Bücher, Schuhe und Altkleider. Angeboten werden Geschirr, Töpfe, Pfannen, Gesellschaftsspiele, CDs, Elektroartikel, aber auch regionale Produkte aus dem Ulmer Weltladen, Handtaschen, Rucksäcke ...

Für Baubürgermeister Tim von Winning, der zur Eröffnungsfeier in die Söflinger Straße gekommen war, ist die Einrichtung denn auch mehr als ein bloßes Kaufhaus. „Es ist ein Ort, an dem man sich trifft und an dem man auf verschiedene Formen von Nachhaltigkeit trifft.“ Zudem adressiere das Geschäft ein Publikum, „das sonst vielleicht Schwierigkeiten hätte, sich solche Dinge zu leisten“. In der Tat sind die meisten Sachen für wenige Euro zu haben. Winning: „Unsere Quartiere leiden daran, dass wir von Orten wie diesen so wenige haben.“

Unter den etwa 30 ehrenamtlichen Mitarbeitern, die den Laden gemeinsam stemmen, ist Karin Pfalzer gewissermaßen die Frontfrau. „Ich bin hier die hauptamtliche Ehrenamtliche“, scherzt sie, um dann ein wenig über die Philosophie des Kaufhauses zu plaudern. So sei geplant, immer wieder die Themen zu wechseln. Momentan liege der Schwerpunkt auf den Bereichen Film und Musik (also Schallplatten, DVDs, Instrumente und Co.) im Frühjahr komme das Thema „Garten“ dran, danach gehe es um Mode.

Vor allem das Thema Upcycling liegt Pfalzer am Herzen, also die Idee, aus Altem durch ein paar geschickte Handgriffe und kreativen Spirit Neues zu gestalten. So werden ausgediente Kletterseile zu Schlüsselanhängern, alte Schallplatten zu Uhren oder ausrangierte Blechdosen zu  schmucken Behältern, nennt sie einige Beispiele.

Ob aus dem Kaufhaus der Dinge ein dauerhaftes Projekt wird, ist noch nicht ausgemacht. Zunächst einmal läuft der Mietvertrag über zwei Jahre. „Wir sehen das als Testphase“, sagt Pfalzer. Dank der mehr als moderaten Miete, die die Eigentümer verlangen, sei das Risiko überschaubar.

Ideenwerkstatt im Stadtteil

Öffnungszeiten Das Kaufhaus „Siegle“ ist mittwochs, donnerstags und freitags von 14 bis 19 Uhr, samstags von 11 bis 15 Uhr geöffnet. Die Initiatoren sind offen für Vorschläge und Veranstaltungen. Interessenten melden sich einfach beim Siegle-Team.