Bisher stand die Ulmer Neustadt stets im Windschatten der Stadtplanung. Das Positive daran: Das von Neutorstraße, Bahnlinie, Altem Friedhof und Olgastraße eingegrenzte Quartier hat seinen ursprünglichen Charme behalten, die Mieten sind relativ günstig. Daran soll sich nach dem Wunsch von Bewohnern und Verwaltung auch in den kommenden zehn, zwanzig Jahren nichts ändern. Baulich jedoch wird sich in dem multikulturell geprägten, gut 5000 Einwohner zählenden Viertel demnächst eine Menge tun. Das wurde auf einer Veranstaltung der Regionalen Planungsgruppe (RPG) Mitte-Ost im Bürgerhaus Mitte deutlich, auf der Stadtplaner Helmut Kalupa den "Städtebaulichen Rahmenplan Neustadt" vorstellte.

Festgezurrt ist in diesem Rahmenplan allerdings noch nichts, sagte Kalupa. Er ist lediglich das Resultat eines Workshops vom Oktober 2011. Damals hatten sich Vertreter von RPG, Arbeitskreis Neustadt, Verwaltung, Kirchen und Polizei an einen Tisch gesetzt und Ziele formuliert, wie sich die Neustadt entwickeln soll. Herausgekommen sind Eckpunkte, die im nächsten Jahr bei weiteren Veranstaltungen diskutiert werden. Die wichtigsten Ziele sind:

Sicherung und Ausbau des Angebots an preiswerten Wohnungen

Erhalt der Mischung aus Gewerbe, Handel und Gastronomie

Aufwertung des öffentlichen Raums inklusive der Grünanlagen

Ausbau privater Freiflächen wie etwa (begrünte) Innenhöfe

Ordnen der Parkierung

Stärkung der Integration aller Bewohner.

Wichtigstes Vorhaben zum Ausbau des Wohnangebotes, mit dem man insbesondere junge Familien ins Quartier locken will, dürfte die Umnutzung der derzeit noch von der DB genutzten (Abstell-)Gleisanlagen nördlich der Wilhelmstraße in ein Wohngebiet sein. Im Zuge des Projekts Stuttgart 21 gebe die Bahn den Standort auf, sagte Kalupa. "Wir wollen dort ein bunt gemischtes Stadtquartier entwickeln."

Aufgeschoben, aber nicht aufgehoben ist der Ausbau der Karlstraße zu einer Allee. 2014 soll es losgehen. Breite Bürgersteige mit Parkbuchten und Bäumen sowie nur noch zwei Fahrspuren (plus eine flexible Mittelspur) sollen den Verkehr entschleunigen und die Durchgangsstraße schöner machen. Warum man in Verzug ist? Die Verlegung der Haltestelle in der Neutorstraße im Zuge des Tram-Ausbaus habe Priorität, sagte Kalupa. Deshalb sei auch ein Hotelneubau in der Neutorstraße auf dem Grundstück gegenüber den SWU einstweilen zurückgestellt. "Wir wollen nicht zu viele Baustellen auf einmal."

Die Tage der Tankstellen-Brache an der Karlstraße sind dagegen gezählt: Die Realgrund baut auf dem Grundstück ein sechsgeschossiges Wohnhaus mit mehr als 50 Eigentumswohnungen inklusive einer Tiefgarage. Baubeginn ist 2013 (wir berichteten). Ebenfalls beschlossene Sache: Der Abriss des Justizhochhauses an der Olgastraße für einen entsprechenden Gerichts-Neubau sowie der Bau einer Dreifach-Turnhalle für Kepler- und Humboldt-Gymnasium mit Baustart im nächsten Jahr.

Mit einer Entzerrung der Parksituation in der von Bewohnern als zugeparkt beschriebenen Neustadt ist dagegen nicht zu rechnen. Denn in dem überschaubaren Stadtteil gibt es 10 000 Arbeitsplätze, eine Zahl, die Kalupa beim erstmaligen Lesen selbst kaum glauben konnte, wie er sagte. Doch bei der Auflistung der ansässigen Betriebe, Firmen und Institutionen kommt einiges zusammen: Staatsanwaltschaft, Gerichte, IHK, Gymnasien, Stadtwerke, Altenwohnheime, Brauerei, Feuerwehr, Medienhaus . . . Kalupa: "Es wird weiter eng zugehen."