Große Musik vor kleiner Kulisse

SUSANNE RUDOLPH 22.10.2013
Erneut war der jährliche "Klassikherbst" im Museum Villa Rot in Burgrieden tief beeindruckend - leider aber beschämend schlecht besucht.

Der Vergleich drängt sich geradezu auf: Mit ihren elitären Interpreten und ihrem idyllischen Ambiente mutet die Konzertreihe im Museum Villa Rot in Burgrieden wie eine Miniaturausgabe der Schubertiade Schwarzenberg an. Darauf angesprochen, bekennt der Künstlerische Leiter und Mäzen Walter Mauermann freimütig: "Ja, da möcht" ich hin!" Also sucht er nach "weiteren Örtlichkeiten und größeren Räumlichkeiten", der erste Schritt mit dem Stuttgarter Kammerorchester im  Kulturhaus Laupheim  im Februar ist bereits getan.

Mutig, mutig, mag man denken angesichts der knapp 40 Besucher, die sich beim diesjährigen "Klassikherbst" zu solch international renommierten, großartigen Musikern wie dem Cellisten Julian Steckel und Paul Rivinius (Klavier) oder zu der Sopranistin Christiane Karg und ihrem Pianisten Gerold Huber eingefunden haben. Nur bei der Klaviermatinee mit der viel gerühmten Olga Scheps war der kleine Saal mit seinen 90 Plätzen ausverkauft.

Doch Mauermann brennt für die Musik und seine Konzerte, und an Geld scheint es nicht zu fehlen. Der zumindest bei zwei Konzerten stürmische Beifall für die Musiker wird den ehemaligen Laupheimer Frauenarzt bestätigt haben. In der Tat: Wie Christiane Karg auf ihrer musikalischen Reise ihre Stimme in den Liedern von Wolf bis Barber klug und farbenreich einsetzte, wie sie je nach nationaler Eigenart emotional differenzierte Charaktere schuf und ihre komödiantischen Fähigkeiten ausspielte, aber auch die Sehnsuchtssteigerungen in Wolfs viertem Mignon-Lied ergreifend drängend gestaltete: Das war meisterhaft.

Und Gerold Huber, der hochsensible Hauspianist von Christian Gerhaher, ist ohnehin ein Magier, der es versteht, den Klaviersatz bis ins letzte Detail auszuleuchten.

Leuchtende Klänge und ausgefeilte Nuancen gab es auch bei Olga Scheps zu bewundern. Die große Stärke der zierlichen 27-jährigen Pianistin liegt im Poetischen und in ihrer Kunst des Erzählens. Atmosphärisch wunderbar dicht beschwor sie in Tschaikowskys schumannesken "Jahreszeiten"-Zyklus die Lebensgefühle und Naturstimmungen herauf, die zu den einzelnen Monaten gehören.

Schuberts enorm schwierige Wandererfantasie bewältigte sie nicht nur donnernd virtuos, sondern auch herrlich frei und strömend. Und in der stockend tastenden Überleitung zum Adagio wie auch im wehmütig singenden Mittelteil des Presto entdeckte sie Schubertsche Abgründe. Am Ende lauter glückliche Gesichter. "Schubertiade"-like!