Ulm Großaufgebot in der Ulmer Pauluskirche

Großes Aufgebot: Petruskirchen-Kantor Oliver Scheffels dirigierte Mendelssohns Oratorium "Paulus" in der Ulmer Pauluskirche.
Großes Aufgebot: Petruskirchen-Kantor Oliver Scheffels dirigierte Mendelssohns Oratorium "Paulus" in der Ulmer Pauluskirche. © Foto: Maria Müssig
Ulm / PETRA LEHMANN 20.10.2015
Das war eine beeindruckende Demonstration: Oliver Scheffels dirigierte in der Pauluskirche Felix Mendelssohn Bartholdys Oratorium "Paulus".

Nur mit viel Aufwand ist ein der-artig imposantes, knapp zweieinhalbstündiges Werk auf die Bühne zu bringen: Der Neu-Ulmer Kantor Oliver Scheffels hat mit seinem Petrus-Chor in Zusammenarbeit mit der Kantorei der Dreifaltigkeitskirche Kaufbeuren und ihrem Leiter Traugott Mayr, der Kammerphilharmonie Bodensee-Oberschwaben und fünf Solisten in beeindruckender Weise gezeigt, wie dies möglich wird. Aus Platzgründen fand das Konzert nicht in der Petruskirche, sondern in der Pauluskirche statt.

Das Oratorium beschreibt den Werdegang und die Wandlung des Saulus zum Apostel Paulus und ist auch musikalisch ein Gang durch die Musikgeschichte. Einerseits lehnt sich Felix Mendelssohn Bartholdy stark an seine barocken Vorbilder Händel und Bach an - besonders an dessen Matthäus-Passion. Andererseits zieht der Komponist immer wieder alle Register des ihm zur Verfügung stehenden romantischen Orchesterapparats.

Das ermöglicht eine Vielfalt an Ausdrucksmöglichkeiten, die so-wohl die Solisten als auch der stets aufmerksame Chor und das ausgewogen klingende Orchester hervorragend umzusetzen vermochten. Mal romantisch anrührend wie in der von Tenor Markus Zeitler gesungenen und vom Solocello begleiteten Cavatina. Dann wieder dramatisch aufbrausend wie beispielsweise in einigen Chorsätzen, wenn das Volk Paulus' Tod fordert.

Mit dieser Wandlungsfähigkeit überzeugte auch Johannes Mooser (Bass), der in der Partie des Paulus sämtliche Nuancen, von lyrisch bis kämpferisch, seiner Stimme entlockte. Ein weiterer, bedeutender Solopart entfiel auf Sopranistin Andrea Chudak, die im Wechsel mit Markus Zeitler in den Rezitativen die Handlung vorantrieb und in zwei Arien ihre lyrischen Qualitäten präsentierte. Klangschön und ausdrucksstark sang sie ihren anstrengenden Part. Die Altistin Theresa Holzhauser hatte ebenso wie der zweite Bass Hannes Wahler zwar wesentlich weniger zu tun. Beide harmonierten aber bei ihren Auftritten bestens mit den anderen Solisten.

Die kunstvoll komponierten Fugen verwendet Mendelssohn in seinem Oratorium, um textliche und musikalische Aussagen zu intensivieren. Dies umzusetzen, gelang dem Chor und Orchester in beeindruckender Weise. Besonders erwähnenswert sei hierbei die fünfstimmige, im Motettenstil komponierte Fuge über den Glaubensbekenntnis-Choral "Wir glauben alle an einen Gott" von Martin Luther, die dann in den fulminanten Schluss des "Paulus" mündet.

Hoffentlich schafft es dieses Oratorium, das einst zu den beliebtesten Kirchenmusikwerken des 19. Jahrhunderts gehörte, trotz der schwierigen Umsetzung wieder zu alter Popularität zurückzufinden. In Ulm jedenfalls gab es tosenden Beifall und Standing Ovations.

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