Ulm/Neu-Ulm Grippewelle verläuft bisher glimpflich

CHRISTOPH MAYER 26.02.2013
Die Grippe grassiert im Süden Deutschlands. Auch im Raum Ulm steigen die Erkrankungszahlen, aber nicht so stark wie in den Ballungszentren.

Wie viele Menschen in der Region vom Grippe-Virus befallen sind? Das lässt sich nicht ermitteln, sagt Dr. Theodor Gonser, Leiter des Gesundheitsamtes Alb-Donau/Ulm. Denn beileibe nicht jeder Kranke gehe zum Arzt, und selbst dann werde nur selten ein Abstrich oder eine Blutuntersuchung veranlasst, um den Grippe-Erreger nachweisen zu können. Die den Gesundheitsämtern beidseits der Donau gemeldeten Fälle seien somit nur die "Spitze des Eisbergs".

Gleichwohl geben sie Aufschluss über den Trend. Der ist eindeutig. Während dem Ulmer Gesundheitsamt im gesamten Jahr 2012 lediglich 43 Fälle von Influenza gemeldet wurden, waren es in den ersten sieben Wochen des laufenden Jahres bereits 73. Täglich kommen etwa 5 hinzu, sagt Gonser. Ähnlich sieht es im Landkreis Neu-Ulm aus. Seit 11. Februar wurden dem Gesundheitsamt dort 10 Grippe-Fälle gemeldet. Das seien zwar mehr als im Vorjahr, jedoch sei der Anstieg nicht dramatisch, berichtet Dr. Martin Küfer, Leiter des Gesundheitsamtes in Neu-Ulm.

Schlimmer sieht es in den westlichen und nördlichen Landesteilen aus. Rund 2500 Grippemeldungen für Baden-Württemberg verzeichnet das Robert-Koch-Institut seit Jahresbeginn; im Vorjahr waren es bis Ende Mitte nur 150. Vor allem in den Ballungszentren an Rhein und Neckar grassiert das Virus derart, dass zahlreiche Betriebe von Personalausfall geplagt sind.

Ob Ulm/Neu-Ulm glimpflich davon kommt oder die Grippewelle die Region verzögert heimsuchen wird, ist offen, auch wenn Gonser sagt: "Erfahrungsgemäß flacht die Welle Anfang März ab." Der Grund für den bundesweiten Influenza-Anstieg könne mit dem trüben Winter zusammenhängen, so der Mediziner. Keine 100 Stunden Sonnenschein gab es seit Anfang Dezember in Deutschland - Rekord seit 42 Jahren. Die Folge für den Menschen: Vitamin-D-Mangel und eine damit verbundene Schwächung des Immunsystems.

Freilich ist nicht jede Infektionskrankheit mit Husten, Halsweh, Kopfschmerz und Fieber Grippe. So berichtet der Ulmer Hausarzt Dr. Norbert Fischer von derzeit täglich 30 Patienten, die mit Erkältungskrankheiten zu ihm in die Praxis kommen. Nur drei bis fünf seien Verdachtsfälle auf echte Grippe.