Ulm Grillen: Ordnungsdienst kontrolliert in der Friedrichsau

Bei schönem Wetter genießen viele junge Menschen die Idylle in der Friedrichsau. Der kommunale Ordnungsdienst hat künftig ein Auge auf die Griller.
Bei schönem Wetter genießen viele junge Menschen die Idylle in der Friedrichsau. Der kommunale Ordnungsdienst hat künftig ein Auge auf die Griller. © Foto: Volkmar Könneke
Ulm / CAROLIN STÜWE 25.06.2013
Man kann wieder draußen grillen, auch an öffentlichen Grillplätzen. Dort schaut die Stadt Ulm jetzt genauer hin. Wer mit dem Auto zum Grillgutabladen zu weit vorfährt, muss zahlen. Wer den Rasen ankokelt, auch.

Auf dem Rost brutzeln Hähnchenspieße und „Grillfackeln“ aus Schweinebauch. Vier junge Erwachsene sitzen in der Friedrichsau und grillen – in dem Fall an einem öffentlichen Grillplatz. Denn wildes Grillen ist in der übrigen Au verboten. Wer erwischt wird, darf zwar auf dem Rasen sitzen bleiben, muss aber das Feuer ausmachen und bis zu 100 Euro Bußgeld zahlen.

In Nachbarschaft des Biergartens „Liederkranz“ hat die Stadt Ulm Tische und Bänke fest montiert. Daniela Daidone aus Neu-Ulm hat dort schon mehrmals mit Freunden den Abend verbracht. Wie vorgeschrieben hat sie einen geschlossenen stehenden Grill mitgebracht, damit der Rasen nicht angesengt wird. Flache Einmal-Alu-Grills sind nicht erlaubt. Die Umgebung sei schön ruhig, lobt sie und schaut rüber zur nächsten Baumgruppe.

Dort sitzen Kosovo-Albaner und Türken aus Neu-Ulm und Wiblingen auf Picknickdecken beieinander und unterhalten sich leise. Die Kinder spielen Fußball. Die gegrillten Steaks und Koteletts sind schon verspeist. Familienvater Durmis Djini findet es richtig, dass die Stadt die wilden Griller kontrolliert. „Man kann doch hier nicht alles abfackeln.“ Er kritisiert aber, dass trotzdem sehr viel Müll liegen bleibt, „wenn an einem schönen Sonntag hier wieder die Hölle los war“. Özden Inan, die Mutter zweier Kinder, betont, dass sie trotz vorhandener Abfallkörbe ihren eigenen Müllsack mitgebracht haben.

So halten es auch die jungen Männer der American-Football-Mannschaft „Neu-Ulm-Spartans“. Sechs von ihnen sitzen an der öffentlichen Grillstelle unweit der Fußgängerbrücke rüber nach Offenhausen. Hier, am Rande der Au, stehen drei massive Grills. Die Gitterroste sind zwar teilweise verbogen und schon reichlich verkrustet, „aber dann muss man halt Alufolie mitbringen“, sagt Moritz Glöggler aus Ulm, der zumindest zum Grillmeister der Footballer aufgestiegen ist.

Wenn gerade kein Training ist, fahren die Männer nach einem Schwimmnachmittag im Erbacher Baggersee noch zum Grillen in die Ulmer Friedrichsau. „Wir essen viel Fleisch“, sagt Antonio Petrone. Er und seine Freunde sind begeistert vom Stadtpark. Aber es ärgert sie, „dass uns die Bullen eine halbe Stunde beim Essen zusehen und darauf warten, dass irgendein Fitzelchen Müll runterfällt“, erzählt einer. Außerdem sei bei schönem Wetter so viel los, dass die drei festen Grills bei weitem nicht ausreichen. „Hier sollten noch viel mehr aufgestellt werden“, findet Petrone.

Schlecht sei auch, dass es dort am Rande der Friedrichsau keine öffentlichen Toiletten gibt. Wer nur als Klo-Gast in die nahe gelegenen Biergärten-Gaststätten geht, muss 50 Cent bezahlen. Aber die Gaststätten hätten abends wiederum nicht lange genug geöffnet. Noch einen Wunsch? „Steckdosen wären auch nicht schlecht“, scherzt Glöggler. Mangels Strom schließen die Footballer ihre Musikanlage dann eben an eine ausgebaute Autobatterie an oder drehen das I-Phone auf.

Ist Musik erlaubt? „Musik ist erlaubt, aber nur in vertretbarer Lautstärke“, sagt Rainer Türke von den Ulmer Bürgerdiensten. Strikt verboten in der Friedrichsau sei jedoch das wilde Grillen außerhalb der beiden ausgeschilderten Grillplätze, damit es nicht überall qualmt und der Rasen nicht verbrannt wird.

„Sobald das Wetter gut ist, kontrolliert unser kommunaler Ordnungsdienst in diesem Sommer sehr fleißig“, sagt Türke. Die drei Männer und eine Frau sind dann jeweils als „Doppelstreife“ in dunkelblauen Uniformen oder in Zivil unterwegs in der Au und auf der Blauinsel – „auch in den Nächten von Freitag auf Samstag und von Samstag auf Sonntag“. Durchschnittlich kommt es zu sieben Anzeigen pro Woche, oder es wird nur verwarnt.

Die Spartans wurden nicht verwarnt, als sie „nur mal kurz“ mit ihrem Auto auf dem Rasengitterstein-Radweg vorgefahren waren, um ihr Grillgut auszuladen. Die Ordnungshüter sahen dies sofort: 70 Euro!

„Wir wollen keine Autos in der Friedrichsau“, erklärt Türke.

Hier eine Übersicht der Grillplätze im Stadtgebiet Ulm:


Grillplätze im Stadtgebiet Ulm auf einer größeren Karte anzeigen