Ulm und Neu-Ulm Gegen das Grapschen und Glotzen im Schwimmbad

Die Tattoos sind abwaschbar.
Die Tattoos sind abwaschbar. © Foto: Christine Liebhardt
Ulm / Christine Liebhardt 30.07.2018
Die Aktion in Schwimmbädern geht in die zweite Runde. Sie soll Kinder und Personal sensibilisieren.

Vorweg: Die Fälle von sexuellen Übergriffen auf Kinder und Jugendliche in Schwimmbädern haben nicht zugenommen. Diese Botschaft ist den Vertreterinnen der Aktion „Glotz- und grapschfreie Zone“ wichtig. Die gemeinsame Kampagne des Frauenbüros, des Vereins Frauen helfen Frauen und des Kinderschutzbundes gegen Belästigungen im Schwimmbad findet diesen Sommer zum zweiten Mal statt.

„Das Thema verliert leider nie an Aktualität“, sagt Diana Bayer vom Frauenbüro. Mit Flyern, abwaschbaren Tattoos und Plakaten sollen Kinder und Jugendliche, aber auch Eltern und Schwimmbadpersonal sensibilisiert werden. Denn: „Prävention ist der beste Schutz“, erläutert Bayer. Sonja Fröhlich von Frauen helfen Frauen ergänzt: „Wir wollen es den Tätern schwer machen, zeigen: Wir haben einen Blick drauf.“

Laut werden, Hilfe holen

Die Aktion soll Kinder und Jugendliche ermutigen, sich zu wehren und Hilfe zu holen, wenn ihnen zum Beispiel jemand den Badeanzug herunterzieht, sie an den Beckenrand drängt oder Fotos von ihnen macht. Die Kinder könnten durchaus unterscheiden, was freundschaftliches Spiel und was übergriffiges Verhalten sei, unterstreicht Sonja Kroggel vom Kinderschutzbund. Sie seien aber oft mit der Situation überfordert. Bayer rät: „Werd’ laut, sag: ,Das will ich nicht!’, hol Hilfe beim Personal.“ Viele Bäder haben ihre Mitarbeiter bereits schulen lassen, damit sie wachsam sind, helfen, die Kinder ernst nehmen.

Auch wenn die Zahl der Taten nicht zugenommen hat, so hat sich doch ihre Qualität verändert. „Es gibt zunehmend digitale Gewalt, es wird auch unter Wasser fotografiert“, weiß Fröhlich. Und: Übergriffe unter Kindern und Jugendlichen haben zugenommen. Verstärkte Übergriffe durch muslimische Täter gebe es in Ulmer Bädern aber nicht, sagt Bayer. Gerade geflohene Kinder würden leichter Opfer. Auch, um Sprachbarrieren zu überwinden, arbeitet die Kampagne mit vielen Bildern, erklärt sie. „Wissen nimmt Angst.“

Info Am Mittwoch, 1. August, ist die Aktion von 14 bis 16 Uhr im Donaubad.

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