Ulm Grandioser Orgelabend mit Martin Welzel

Ulm / BURKHARD SCHÄFER 19.04.2016
Der Münchner Organist Martin Welzel hat die diesjährige Reihe der Orgelkonzerte in der Pauluskirche eröffnet: ein geradezu haptisches Erlebnis.

"Die Orgel der Pauluskirche klingt einfach traumhaft, das Instrument ist eine echte Spielwiese." Organist Martin Welzel stand die Begeisterung ins Gesicht geschrieben, als er nach dem rund einstündigen Konzert von der Orgelempore herabkam. Wenige Minuten zuvor hatte er als Zugabe die "Elegy" des australischen Komponisten George Thalben-Ball gespielt. Das Hauptprogramm mit selten zu hörender Orgelmusik vor allem amerikanischer und englischer Komponisten war exquisit und exzeptionell, auch und vor allem in Hinsicht auf die schier unerschöpflichen Klangfarben, die Welzel dem von Orgelbauer Thomas Gaida grundlegend renovierten Instrument entlockte.

Schon die ersten wuchtigen Akkorde von "Prelude and Fugue on ,Union Seminary'" von Gerre Hanock waren nicht nur eine akustische, sondern geradezu haptische Erfahrung - hochkomplexe, dabei sehr sinnliche Musik am Rande der Atonalität, die mächtig unter die Haut ging. Fasslicher und melodischer gaben sich im Anschluss daran drei Werke aus den "Acht Charakterstücken op. 54" von Gerard Bunk, ungefähr zeitgleich zum Bau der Orgel entstanden und schon allein aus diesem Grund wie für das Instrument geschaffen.

Einen Höhepunkt markierte die perkussive, wild zerklüftete "Toccata" des 1938 geborenen Briten Simon Preston. Den gelungenen Kontrapunkt dazu setzte das "Adagio E-Dur" von Frank Bridge. Zum grandiosen Schluss zelebrierte Welzel zwei Werke von George Baker, Jahrgang 1951, zuerst das "Lamento" über den Hymnus "Michael" von Herbert Howells, dann die "Variations on the hymn tune ,Rouen'", ohrenscheinlich eine Hommage an die berühmte Cavaillé-Coll-Orgel von Saint Quen in Rouen. So viel steht fest: Die Link-Orgel der Pauluskirche braucht sich vor diesem Instrument nicht zu verstecken.

Info Der Schweizer Andreas Jetter (7. Mai), Anne Kruwinnus, Astrid Penkert und Andreas Weil (11. Mai), Oliver Scheffels (4. Juni), der Neuseeländer Martin Setchell (9. Juli), Adam J. Brakel aus den USA (2. September) und Joseph Kelemen (8. Oktober) setzen die Reihe von Orgelkonzerten in der Pauluskirche fort.

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