Grab Gräber sollen teurer werden

Urnengräber werden immer beliebter, auch auf dem Ulmer Hauptfriedhof. Die Gebühren sollen nun nach dem Willen der Stadtverwaltung deutlich steigen: von 332 Euro auf 640 Euro.
Urnengräber werden immer beliebter, auch auf dem Ulmer Hauptfriedhof. Die Gebühren sollen nun nach dem Willen der Stadtverwaltung deutlich steigen: von 332 Euro auf 640 Euro. © Foto: Matthias Kessler
Ulm / Chirin Kolb 09.02.2017

Seit 2007 sind Bestattungen auf den Ulmer Friedhöfen nicht mehr teurer geworden. Das soll sich nun ändern. Die Stadtverwaltung hat eine neue Gebührensatzung ausgearbeitet, die zum 1. März in Kraft treten soll. Ob das klappt, ist aber nicht sicher. Denn die Verwaltung muss nach dem Willen der Stadträte noch eine weitere Runde drehen und ihren Gebührenvorschlag überarbeiten.

Dass die Benutzung der Aussegnungshallen und die allgemeine Bestattungsgebühr teurer werden, finden die Stadträte in Ordnung. Gar nicht einverstanden sind sie dagegen mit den deutlichen Gebührensteigerungen für Urnengräber. Ein Urnengrab für einen Erwachsenen würde statt 332 Euro künftig 640 Euro kosten.  „Das sind ja fast 100 Prozent“, staunte Gerhard Bühler (FWG) im Ausschuss für Stadtentwicklung, Bau und Umwelt. Um nachzuschieben: „Das halten wir für schwierig.“ Auch angesichts zunehmender Altersarmut sei eine solche Erhöhung den Bürgern kaum zuzumuten.

Das sehen auch die SPD-Fraktion und Linken-Stadtrat Uwe Peiker so. Er rechnete vor: Eine Witwe mit ein paar hundert Euro Rente konnte bislang die Bestattung ihres Mannes in ein paar Monaten abstottern. Nun aber bekomme sie ein existenzielles Problem: „Sie verliert ihr Liebstes und ist finanziell ruiniert.“

Ganz so dramatisch sehen Baubürgermeister Tim von Winning und Alfred Jüstl, der Abteilungsleiter des Bestattungswesens, die finanziellen Auswirkungen der Gebührenerhöhung nicht. Allerdings, berichtete Jüstl, bitten immer mehr Hinterbliebene die Friedhofsverwaltung um Stundung ihrer Rechnungen.

Trend geht zu Urnengräbern

Die hohen Kosten für eine Bestattung seien ein Grund, weshalb immer mehr Urnengräber und immer weniger Erdbestattungen gewählt werden – ein normales Grab ist ab 1620 Euro zu haben und kann je nach Größe und Lage bis zu 2280 Euro kosten. Außerdem gibt es seit 2014 kein Sterbegeld der gesetzlichen Krankenkassen mehr. Der Trend sei jedenfalls eindeutig: hin zu kleineren und günstigeren Urnengräbern.

Das sorgt nicht nur für leere Flächen auf manchen Friedhöfen, es reißt vor allem ein Loch in die städtische Gebührenkalkulation. Denn das Bestattungswesen soll weitgehend kostendeckend und mit geringen städtischen Zuschüssen arbeiten. Das tut es schon lange nicht mehr. Der Kostendeckungsgrad lag im Jahr 2011 noch bei 73 Prozent und ist 2015 auf 58 Prozent gesunken, sagte von Winning. Mit weiter fallender Tendenz, falls die Gebühren nicht erhöht werden.

Dazu kommt: Bisher werden die Friedhofsgebühren nach Fläche berechnet. Ein großes Grab bedeutete: ein großer Preis. Das sei nicht mehr zeitgemäß – nicht nur wegen des Trends zu kleinen Urnengräbern. Sondern auch, weil in die Friedhofsgebühren etliche Leistungen eingerechnet werden, die für alle Gräber gleich sind, zum Beispiel Schneeräumen auf den Wegen.

Deshalb will die Stadt die Berechnungsgrundlage umstellen und ein kombiniertes flächen- und fallbezogenes Gebührensystem einführen – so kommt die extreme Verteuerung bei den Urnengräbern zustande. Dafür werden Gräber für die Erdbestattung billiger, wenn auch in deutlich geringerem Maß. Ein einfaches Erwachsenengrab  würde dann 1560 Euro kosten statt 1620 Euro.

Die neuen Gebühren sollen nächste Woche vom Gemeinderat beschlossen werden. Ob es dazu kommt, ist noch offen. Denn obwohl sich der Baubürgermeister für den Verwaltungsvorschlag ins Zeug legte, die Stadträte ließen sich nicht erweichen. Die Stadt soll ihren Vorschlag überarbeiten, und ob das bis nächste Woche reicht, ist nicht sicher.

Diese Verzögerung behagt von Winning auch deswegen nicht, weil über die Gebührenerhöhung in der mit Vertretern der Fraktionen besetzten Friedhofskommission schon zweimal beraten wurde. Die Stadträte, sagte Gerhard Bühler, hätten schon in diesen Sitzungen ihr Unbehagen zu den Preisen für Urnengräber geäußert. Offensichtlich aber nicht laut genug, denn beim Baubürgermeister kam davon nichts an.

Was sonst noch mehr Geld kostet

Bestattungen
Die Stadtverwaltung plant nicht nur bei den Gräbern eine Erhöhung der Gebühren, sondern auch bei anderen Leistungen rund um die Bestattung. Einige Beispiele: So soll die Belegung der großen Trauerhalle künftig 290 Euro kosten (bisher 225 Euro), der kleinen 120 Euro (bisher 77 Euro). Die Grundgebühr für Erdbestattungen soll für Erwachsene künftig 1170 Euro (bisher 930 Euro) kosten.