Ulm/Osttirol Graben im Schnee motiviert

Ulm/Osttirol / AMREI GROSS 28.02.2013
Birgit Körner und ihr Hund Nanuk von der Rettungshundestaffel Ulm waren bei einer Lawinen-Ausbildungswoche in den Alpen. Was die Hunde im Schnee lernen, macht sie fit für Trümmereinsätze in der Region.

"Sind Rettungshunde da? Mein Mann ist verschüttet worden", ruft eine Frau im Skianzug, die panisch winkend den Hang heraufgelaufen kommt. "Kommen Sie schnell!" In Minutenfrist sind Birgit Körner und ihr angehender Rettungshund zur Stelle. Nun zählt jede Sekunde. "Such und hilf", fordert sie ihren Hund auf. Nanuk rennt los und verschwindet im Weiß. Aufmerksam verfolgt die Hundeführerin jede seiner Bewegungen. Der dreijährige Rüde, eine Mischung aus Husky, Dalmatiner und Berner Sennenhund, kennt seine Aufgabe genau. Systematisch bahnt er sich den Weg durch den Schnee. Plötzlich schnellt Nanuks Kopf nach oben, er wendet und schnuppert konzentriert. Ist da etwas?

Prüfend bohrt der Hund seine Nase in den Pulverschnee. Schwanzwedelnd beginnt er zu graben, tief und intensiv, immer wieder bellend. In Windeseile ist Birgit Körner auf Schneeschuhen an seine Seite geeilt, sie unterstützt den Hund mit einer Schaufel nach Kräften. Nach gut einem Meter stößt das Team auf eine männliche Person. Der Verschüttete ist gefunden.

"Hey, Nanuk, super", freut sich das vermeintliche Lawinenopfer und zaubert ein quietschendes Hundespielzeug aus seiner Tasche. Ein ausgelassenes Spiel beginnt. Körner nickt zufrieden. Nanuk hat seine Arbeit gut gemacht, die Übung ist gelungen. Heute war alles nur Spaß.

Im Ernstfall aber bleiben den Rettern lediglich 15 Minuten. In dieser Zeitspanne nach einer Verschüttung sind die Überlebenschancen eines Lawinenopfers am höchsten. Danach droht der Tod durch Unterkühlung, Verletzungen, Erschöpfung oder durch Ersticken. Die Uhr tickt. Übungen wie jene mit Birgit Körner und Nanuk stehen in der Rettungshundestaffel der Feuerwehr Ulm im Bundesverband Rettungshunde (BRH) alljährlich auf dem Übungsplan. Regelmäßig reisen Rettungshundeteams aus Ulm in die Alpen, um mit ihren Hunden im Schnee zu arbeiten. Vergangene Woche waren Körner und Nanuk mit Staffelkameraden und weiteren Rettungshundeführern aus ganz Deutschland, Österreich und der Schweiz zu einer Ausbildungswoche in Osttirol. Ulms Ausbildungsleiter Eugen Glocker begrüßt dieses Engagement seiner Hundeführer, obwohl die Lawinensuche nicht zu den eigentlichen Aufgaben seiner Rettungshundestaffel zählt.

"Kommt es in den Bergen zu einem Lawinenabgang, wären unsere Teams von Ulm aus niemals rechtzeitig vor Ort, um Leben retten zu können", gibt Glocker zu. Dennoch liegt ihm die Arbeit in der Lawine am Herzen. "Schnee ist geruchsneutral", erklärt der Ausbilder. Dort kommen selbst junge und unerfahrene Hunde schnell zum Erfolg. Und: Der Hund darf bei einer gefundenen Person graben. "Das motiviert das Tier ungemein", sagt Glocker. Er sieht die Arbeit in der Lawine daher als wunderbaren Einstieg für angehende Lebensretter und als Motivationsschub einsatzfähiger Hunde für die Arbeit auf den Trümmern. Das als "Eindringverhalten" bezeichnete Scharren und Graben am Punkt der stärksten Witterung sei in beiden Sparten erwünscht. Ein Fund wird in beiden Fällen über lautes Bellen angezeigt.

Für Birgit Körner war die Ausbildungswoche in den Alpen eine Bestandsaufnahme. Seit drei Jahren wird Nanuk für die Suche nach vermissten Personen in unwegsamem Gelände ausgebildet. Nun hat er sich auch in den Alpen bewährt. Schon bald wird er sein Können in einer Flächenprüfung für Rettungshunde unter Beweis stellen. Im Frühjahr soll er zusätzlich in die Trümmerarbeit einsteigen. Und irgendwann Menschen retten, die tatsächlich in Not geraten sind - in Ulm und in der Region.