Mehr als drei Milliarden Suchanfragen bearbeitet Google jeden Tag. Dabei sieht Google aber jeden Tag anders aus. Denn die Firma verändert ihre sechs Buchstaben auf der Startseite grafisch. Diese Spielarten des Logos, die zu aktuellen Ereignissen, aber auch zu Jubiläen und Jahrestagen entstehen, heißen Doodles. Was Gekritzel auf Englisch bedeutet.

Mehr als 4000 Doodles wurden bislang in die Welt gesetzt. Ob der Nationalfeiertag der Vereinten Arabischen Emirate oder der Kindertag in Kolumbien: Anlässe für Doodles finden sich überall.

Doodle zu Albert Einstein

Googles Albert-Einstein-Doodle vom 14. März 2003 band das „e“ in die berühmte Formel ein.
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Tatsächlich gibt es auch Doodles mit Ulmer Bezug. Zum ersten Mal war das am 14. März 2003 der Fall: Da war das Doodle dem 124. Geburtstag Albert Einsteins gewidmet. Das erste Google-„o“ wurde dabei grafisch als Kopf für eine Einstein-Karikatur genutzt, das „e“ zur berühmten Formel „e=mc2“ erweitert. Das Einstein-­Doodle erschien allerdings ohne Hinweis auf seine Geburtsstadt Ulm – was sehr schade war, denn es war nahezu weltweit auf den Google-Startseiten.

Doodle zu Sophie Scholl

Die Google-Buchstaben auf Flugblättern: Am 9. Mai 2014 erinnerte ein Doodle an Sophie Scholl.
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Das ist nicht immer so. Denn oft sind die Doodles auf einzelne Länder begrenzt. So gab es das Doodle am 9. Mai 2014 zum 93. Geburtstag von Sophie Scholl lediglich in Deutschland. Die sechs Google-Buchstaben standen dabei auf Flugblättern, die auf dieser Illustration eine von weißen Rosen umkränzte Sophie Scholl umschwebten.

Doodle zu Johannes Kepler

Johannes Kepler wurde auf dem animierten Doodle vom 27. Dezember 2013 von Planeten umkreist.
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Das Doodle zum 442. Geburtstag von Johannes Kepler am 27. Dezember 2013 war immerhin in Deutschland, Großbritannien und Nordafrika zu sehen. Wobei der Gelehrte bekanntlich kein gebürtiger Ulmer war, hier aber 1627 sein letztes großes Werk, die Tabulae Rudolfinae, veröffentlichte. Keplers Doodle war nicht nur ein veränderter Schriftzug, sondern eine Animation: Ein Planet umkreiste Keplers Kopf.

Das erste Doodle entstand bereits im Jahr der Firmengründung Googles, 1998. Die jungen Google-Chefs Larry Page und Sergey Brin fuhren zum Burning-­Man-Festival nach Nevada und schmückten ihr Logo mit einem Burning-Man-Strichmännchen. Das war nicht als Marketing-Gag gedacht, sondern als spielerische Abwesenheitsnotiz. Doch so entstand die Idee, den Schriftzug zu speziellen Anlässen speziell zu gestalten.

Jules Verne und Franz Kafka

Im Jahr 2000 ließen Page und Brin einen Praktikanten namens Dennis Hwang ein Doodle für den französischen Nationalfeiertag designen. Das Ergebnis mit Tricolore und Feuerwerk war so beliebt, dass Hwang Chief-Doodler wurde. Heute gibt es ein stattliches Doodle-Team aus Illustratoren, Programmierern und Projektmanagern, die jedes Jahr aberhunderte Varianten austüfeln. Anregungen kommen aus allen Google-Dependancen, aber auch von Usern. Google findet, dass die Doodles gut zur Unternehmensphilosophie passen: also Technik mit Information zu verbinden.

Und das oft kreativ und unterhaltsam. So wurden an Jules Vernes Geburtstag die Buchstaben zu Bullaugen der Nautilus. Am Ehrentag Franz Kafkas trat ein verwandelter Gregor Samsa durch eine Tür. Und zum Jahrestag der Mondlandung wurden die Buchstaben zu Kratern.

Google agiert politisch zurückhaltend, umso auffälliger war ein Doodle, als während eines Streits um das US-Urheberrecht der Google-Schriftzug von einem Zensurbalken überdeckt wurde. Und während Olympia 2014 in Sotschi leuchtete er in den Regenbogenfarben der Lesben- und Schwulenbewegung.

Doodle zu Samuel Okwaraji

Das nigerianische Doodle vom 19. Mai 2019 war Samuel Okwaraji gewidmet – der einst in Ulm Fußball gespielt hat.
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Im zu Ende gehenden Jahr war ein weiteres Doodle mit Ulmer Bezug zu sehen – das aber nur in Nigeria! Am 19. Mai 2019 gedachte Doodle dort dem 55. Geburtstag Samuel Okwarajis. In einem Erläuterungstext zeichnet Google dessen Lebensgeschichte nach.

1964 geboren, ging Okwaraji 1982 nach Europa, um zu studieren – und Fußball zu spielen. Im Rom machte er einen Abschluss in internationalem Recht, trainierte aber auch beim AS Rom. Nach mehreren Stationen heuerte er 1987 beim SSV Ulm 1846 an. In der Zweiliga-Saison 1987/88 erzielte der offensive Mittelfeldspieler mit den Rastazöpfen in 28 Spielen fünf Tore und wurde Publikumsliebling. Ulms Abstieg konnte er aber nicht verhindern. Okwaraji lief für die nigerianische Nationalmannschaft auf, nahm 1988 an den Olympischen Spielen in Seoul teil.

Am 12. August 1989 erlitt er während eines WM-Qualifikationsspiels gegen Angola einen Herzinfarkt und starb noch im Stadion. Heute erinnert eine Statue vor Nigerias Nationalstadion an Okwa­raji – dem einzigen Ulmer Fußballer, dem ein Doodle gewidmet wurde.

Anregungen für künftige Doodles


Einsendungen Das Doodle-Team freut sich immer über neue Ideen, teilt Google mit. Vorschläge für Google-Doodles können an die E-Mail-Adresse doodleproposals@google.com gesendet werden. Der Internet-Konzert schreibt dazu. „Da wir täglich Hunderte Vorschläge erhalten, können wir leider nicht jedem Nutzer eine Antwort schicken. Aber wir lesen jede E-Mail, die wir bekommen.“