Ulm Gold Ochsen setzt künftig auf Afri Cola und Bluna

Ulm / FRANK KÖNIG 25.02.2015
Die Brauerei Gold Ochsen setzt nach dem Ausstieg von Pepsi bei Softgetränken auf Afri Cola und Bluna. Das soll die Arbeitsplätze am Standort sichern. Mit einem Kommentar von Frank König: Zwei Kultmarken lassen hoffen.

Erleichterung bei Gold Ochsen: Die Brauerei hat nach der Kündigung der Pepsi-Konzession eine Nachfolgemarke in Afri Cola gefunden. Dafür wurde mit dem neuen Lizenzgeber Mineralbrunnen Überkingen-Teinach AG eine Partnerschaft unterzeichnet. Bei der Bekanntgabe auf dem Werksgelände in Ulm sagte Brauereichefin Ulrike Freund mit Blick auf die Kündigung durch den US-Konzern 2013: "Wir haben ein sehr hartes Jahr hinter uns." Nun sei man aber zuversichtlich, die 200 Arbeitsplätze bei dem 1597 gegründeten Traditionsunternehmen halten zu können. Mit Afri übernimmt Gold Ochsen bei Softgetränken aus Bad Überkingen außerdem eine zweite Kultmarke: Bluna.

Außer Gold Ochsen steigen drei weitere Konzessionäre mit ein, so dass Afri Cola und Bluna bundesweit in die Distribution kommen. Die Konzessionärsgruppe erhofft sich wegen des hohen Bekanntheitsgrads beider Marken in Deutschland, dass sie 60 bis 80 Prozent des Pepsi-Volumens halten können.

Gold Ochsen füllt im Veitsbrunnenweg noch bis Ende 2016 jährlich 400.000 Hektoliter für Pepsi ab, mit Bier sind es 660.000 Hektoliter. Ulrike Freund machte klar, dass die beiden neuen Marken nach Auslaufen der Pepsi-Konzession 2017 definitiv in allen brauereigebundenen Gaststätten eingeführt werden. Außerdem signalisierten bei der Präsentation gestern die führenden regionalen Getränkehändler Finkbeiner und Göbel ihre Unterstützung.

Gabriele Finkbeiner zeigte sich vor allem erfreut, dass die regionalen Partner im Gegensatz zu den US-Cola-Marken in erster Linie auf Mehrweg setzen. Dr. Karl Tack vom Nordrhein-Westfalen-Konzessionär Rhodius sieht außerdem eine große Chance in Mehrweg-Gebinden für Schankanlagen in Gaststätten, aus denen sich die anderen Cola-Marken im Zuge ihrer Einweg-Strategie ebenfalls zurückziehen wollten.

Als einer der großen Vertriebspartner in der Kooperation hat Anheuser Busch Inbev Deutschland in München Afri Cola und Bluna ausführlich getestet. Das Paket war aus Sicht von Softgetränke-Manager Josef Pointvogl ohne Alternative, vor allem wegen der bekannten Cola-Marke. In den meisten gastronomischen Betrieben - von der Discothek bis zur Pizzeria - verlangten die Kunden eben häufig ein Cola. Daher seien reine Limonaden-Marken nicht in Frage gekommen. Allerdings hat der nordöstliche Konzessionär Vivaris zu Sinalco gewechselt und wurde durch die Überkingen-Tochter Niehoffs Vaihinger ersetzt.

Das Gebiet von Gold Ochsen mit der Firmentochter Ulmer Getränkevertrieb reicht bis in den Schwarzwald, zum Bodensee und ins Hohenloher Land. Ulrike Freund macht im Nachhinein immer noch zu schaffen, dass Pepsi die 1966 begonnene Kooperation nicht fortgesetzt hat - die letztlich auch dazu führte, dass sich Afri Cola in der Region bisher nicht durchsetzen konnte. Ihre Reaktion: "Wir können keine Rücksicht mehr nehmen." Sie würde auch vorzeitig bei Pepsi aussteigen.

Kommentar von Frank König: Zwei Kultmarken lassen hoffen

Gold-Ochsen-Chefin Ulrike Freund ist eine beherzte Frau, die das traditionsreiche Ulmer Familienunternehmen in einem schwierigen Markt mit internationalen Playern auf Kurs hält. Der Umgang mit dem US-Getränkekonzern Pepsico, der eine fast 50-jährige Partnerschaft plötzlich beendete, bedeutete für sie aber trotz harter Bandagen in der Geschäftswelt anscheinend eine neue, schmerzhafte Lektion.

Auch die anderen Pepsi-Konzessionäre waren sich in Ulm einig: Sie setzen mit dem Partner in Überkingen auf eine inländische Lösung, um nicht zuletzt den Anwälten der Amerikaner aus dem Weg zu gehen. Vielleicht doch Anschauungsmaterial für die Kammer-Lobby, die unbeirrt das Handelsabkommen TTIP propagiert.

Mit Afri Cola und Bluna haben Gold Ochsen und die anderen Konzessionäre vermutlich die einzige echte Alternative zu Pepsi gefunden. Es handelt sich um zwei deutsche Marken mit Kultcharakter, die außerdem im Bekanntheitsgrad nur knapp hinter Spitzenreiter Coca Cola rangieren.

Es ist klar, dass die Partner die beiden Softgetränke im kompletten Distributionsnetz platzieren. Gold Ochsen kann dabei schon mal die brauereigebundenen Gaststätten heranziehen. Die Getränkehändler steigen ebenfalls mit ein, so dass das Projekt echte Erfolgschancen hat. Dennoch durchleuchtet Gold Ochsen den gesamten Betrieb, um Effizienzreserven zu heben. Vorerst gibt es jedoch durchaus eine Perspektive für die Arbeitsplätze.

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