Wahlsieg Gönner: "Gehet hin und feiert"

Ulm / SWP 30.11.2015
Es war ein charmanter Versuch, die Leute rauszuschmeißen. Aber er misslang. "Gehet hin und feiert", hatte OB Ivo Gönner den sich im ersten Stock des Rathauses drängelnden Bürgern gegen 19 Uhr nach Verkündung des vorläufigen Wahlergebnisses zugerufen. Wo doch alles gesagt war.

Es war ein charmanter Versuch, die Leute rauszuschmeißen. Aber er misslang. "Gehet hin und feiert", hatte OB Ivo Gönner den sich im ersten Stock des Rathauses drängelnden Bürgern gegen 19 Uhr nach Verkündung des vorläufigen Wahlergebnisses zugerufen. Wo doch alles gesagt war. Wo doch zur Genüge gratuliert war. Aber das scherte das Wahlvolk nicht. Die größte Wahlparty fand alsdann im Rathaus statt, zumindest was die Ulmer Nomenklatura betrifft. Hände schütteln hier, Küsschen da, fix ein Handyfoto mit dem Sieger gemacht und noch ein Schlückchen vom mäßig schmackhaften Roten. Ging ja aufs Haus.

Andernorts Katzenjammer. Im Oberstübchen der "Zill" im Fischerviertel hatten sich die Genossen zur Wahlparty versammelt. Dass man das Wörtchen "beschissen" häufig hörte, lag nicht an Martin Rivoir. Im Gegenteil. Der Unterlegene bemühte sich redlich, seine Unterstützer aufzumuntern. Mit ihm und Gunter Czisch seien zwei völlig unterschiedliche Typen gegeneinander angetreten. "Die Wähler wollten eben einen anderen Typen als mich." Jetzt heiße es: weitermachen. "Durchstehen, den Rüssel nicht hängen lassen und immer an die Ulmer Hütte denken", ulkte er. "Wenigstens behaltet ihr euren örtlichen Alpenvereinsvorsitzenden." Pathos folgte doch noch. Die Zeit zwischen 18 und 19 Uhr "war die eine Stunde, in der sich mein Lebensweg entschieden hat", sagte Rivoir. "Ich bin traurig, das dauert ein paar Tage." Dann fiel er seiner Lebensgefährtin um den Hals. "Ich bin froh, dass ich dich hab."

Zwei hatten sich auch in der "Krone". Die Wahlparty der Grünen war, zumindest gegen 20 Uhr, eine Duo-Veranstaltung. Die Stadträte Michael Joukov und Lena Schwelling, auch privat verbandelt, übten sich bei Bier (Joukov) und Wein (Schwelling) in Zuversicht. "Kein Weltuntergang", sagte Joukov angesichts der mageren 7,8 Prozent von Birgit Schäfer-Oelmayer. Wenn man die Wahlkampfbudgets der Kandidaten vergleiche, zeige sich aber: "Alle haben den gleichen Betrag pro Stimme ausgegeben." Womöglich hätten die Grünen mit einem auswärtigen Zugpferd mehr reißen können. "Aber mit unserem Etat war es unmöglich, jemanden nach Ulm zu bekommen."

Im Ratskeller feierte die CDU - erstmal ohne Czisch, der oben Hände schütteln musste. Dafür war Bayerns Europaministerin Beate Merk mit von der Partie. Und die Jungs von der Jungen Union bestellten Schnitzel mit Kartoffelsalat.