Glosse Glosse: Der blinde Fleck der Musik

Selten lustig: die Warteschleife.
Selten lustig: die Warteschleife. © Foto: Zivica Kerkez/Shutterstock.com
Ulm / lgh 17.08.2018
Die Warteschleife ist als Langweiler verpönt. Was soll man sagen: Es stimmt. Zumindest meistens.

Zu den schöneren Seiten des journalistischen Berufs gehört die Erkenntnis, dass fast alles interessant ist, wenn man sich nur gründlich genug damit auseinandersetzt und gut zuhört. Machen wir es kurz: Für die Warteschleife gilt das nicht. Die Warteschleife ist in der Regel „langweilig bis unterirdisch“, um eine Informantin zu zitieren, die lieber anonym bleiben möchte. Die Warteschleife, zumal in der Gema-freien Variante, ist so etwas wie der blinde Fleck der Musik.

Warteschleifenmusik in der Region

Weite Teile der regionalen Arbeitnehmerschaft, so zeigen stichprobenartige Recherchen, kennen offenbar nicht einmal die Warteschleifenmusik des eigenen Betriebs. „Ich höre die ja selber nie“, verlautet aus der IHK. „Auch die IT weiß nicht, wie das Lied heißt“, meldet das Edwin-Scharff-Museum. „Vermutlich namenlos“, sei ihre Melodie, erklärt die Stadt Ulm. In der Uniklinik löst die Nachfrage einen Lachkrampf aus und im evangelischen Dekanat setzt man ohnehin auf den direkten Draht. Wenn nicht nach ganz oben, so doch zu Dekan Gohl, der sofort den Hörer abnimmt, Gott sei’s gedankt.

Fast will einen Mitleid anwandeln mit der armen Warteschleife. Und so greift man, einem Insider-Tipp folgend, doch noch mal zum Hörer und wird prompt belehrt: Die Ehrenrettung der Warteschleife liegt beim Tierarzt, der besorgte Klienten mit deutschem Retro-Schlager besänftigt. „Mein Hund beißt jede hübsche Frau ins Bein. Und ich, ich lad’ sie dann zum Kaffee ein“, lautet der kesse Text.

Und welche Warteschleifenmusik hört man bei der SWP?

Sehr beliebt sei diese Warteschleife, erfährt man auf Nachfrage: „Wenn man die Leute warten lässt, bis der Hund die Frau ins Bein beißt, bekommen sie alle gute Laune.“ Was Rückschlüsse auf die zweifelhafte Moral von Kleintierhaltern zulässt, doch mit Rücksicht auf die Ohren wollen wir ausnahmsweise ein Auge zudrücken. Ach so, was man in der Warteschleife der SÜDWEST PRESSE hört? Woher um Himmels willen sollen wir denn das wissen!

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