Menschenrechte Gleich an Würde und Rechten geboren

Am Tag der Menschenrechte wird auch über Flüchtlinge in Ulm diskutiert - ein Foto von 2016.
Am Tag der Menschenrechte wird auch über Flüchtlinge in Ulm diskutiert - ein Foto von 2016. © Foto: dpa
Ulm / Hans-Uli Mayer 08.12.2018

Vor genau 70 Jahren, am kommenden Montag, 10. Dezember, wurden im Palais de Chaillot in Paris auf einer Sitzung der Generalversammlung der Vereinten Nationen die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte verkündet. „Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren“, heißt es in Artikel 1 der Grundrechteerklärung, die 1948 nicht zuletzt aufgrund der Erfahrungen der beiden zurückliegenden Weltkriege gefasst wurde. Aus diesem Anlass gibt es in der kommenden Woche gleich drei hochkarätig besetzte Veranstaltungen zu dem Thema. Der Höhepunkt dürfte am Freitag, 14. Dezember, die Kundgebung auf dem Marktplatz werden, zu der drei Dutzend Persönlichkeiten der Stadtgesellschaft aufrufen.

Montag (Haus der Begegnung) Den Auftakt macht eine Veranstaltung am Montag, 10. Dezember, im Haus der Begegnung (Beginn: 19 Uhr; 18.30 Uhr interreligiöser Gottesdienst). Amnesty international, der evangelische Diakonieverband, der Flüchtlingsrat und der Verein Menschlichkeit informieren hauptsächlich über die Situation der Flüchtlinge auf der griechischen Insel Lesbos, wo der Ulmer Chirurg Christian Bialas das Projekt „Hope Lesbos“ betreibt: „In dem für 3000 Menschen ausgelegten Lager leben 10 000 Menschen. Es besteht aus Plastikplanen, Dreck und Fäkalien und spottet jeder Beschreibung. So etwas darf es in Europa einfach nicht gehen.“ Dieter Lang vom Flüchtlingsrat fügt an, dass dort „wahrscheinlich alle Artikel der Menschenrechte missachtet werden.“ Ihnen zur Seite steht der Ulmer Gastronom Niko Sapunas von der Neuen Welt, der von Lesbos stammt, und ebenso von unmenschlichen Zuständen berichtet: „Die Menschen werden zwischen Europa und Griechenland auf der einen und der Türkei auf der anderen Seite zerrieben.“ Sergio Vesely wird den musikalischen Part des Abends übernehmen.

Dienstag (Stadthaus) Nur einen Tag später haben am Dienstag, 11. Dezember, das Dokumentationszentrum Fort Oberer Kuhberg (DZOK) gemeinsam mit der Stiftung Erinnerung Mesale Tolu zu Gast – und zwar im Gespräch mit dem Buchautor und Publizisten Imran Ayata. Die Einführung zu diesem Gesprächsabend im Stadthaus wird Hansjörg Greimel vom DZOK halten, das Grußwort spricht OB Gunter Czisch. Die Ulmer Journalistin Tolu war unter Angabe von fadenscheinigen Gründen fast acht Monate lang in der Türkei im Gefängnis festgehalten worden. Ihr Gesprächspartner Ayata hat wie sie am Anna-Essinger-Gymnasium in Ulm Abitur gemacht und schreibt für „Die Zeit“, die „taz“ und „Spiegel online“. Er hat sich maßgeblich für Tolus Freilassung, aber auch für Deniz Yücel eingesetzt.

Freitag (Marktplatz) Höhepunkt und Abschluss der Themenwoche bildet am Freitag, 14. Dezember, eine Kundgebung auf dem Ulmer Marktplatz (Beginn: 17 Uhr). 34 Ulmerinnen und Ulmer haben einen von Peter Langer und Lothar Heusohn initiierten Aufruf unterzeichnet, um ein „klares Signal für Menschenrechte und Solidarität“ zu setzen. Als Redner konnten die Verantwortlichen ebenfalls Mesale Tolu gewinnen, außerdem haben zugesagt der Landesvorsitzende Deutscher Sinti und Roma, Daniel Strauß, und Heribert Prantl, Kommentator und Mitglied der Chefredaktion der Süddeutschen Zeitung. Joo Kraus und Maria Rosendorffsky werden Musik machen.

Zu den Unterzeichnern des überparteilichen Aufrufs gehören unter anderem OB Gunter Czisch, Alt-OB Ivo Gönner, die Dekane Ulrich Kloos und Ernst-Wilhelm Gohl, Rabbi Shneur Trebnik und zahlreiche Personen aus dem Ulmer Stadtleben. Für die Parteien haben sich Martin Rivoir (SPD), Jürgen Filius (Grüne), Thomas Kienle (CDU) und Erik Wischmann (FDP) angeschlossen.

Völkerrechtlich nicht bindend

Empfehlung Das Regelwerk zählt 30 Artikel, die grundlegende Ansichten über die Rechte eines jeden einzelnen Menschen beinhalten – und zwar ohne irgendeinen Unterschied zu machen bei Rasse, Herkunft, Geschlecht, Religion, Hautfarbe, Sprache oder etwa politischer Überzeugungen. Der Text wurde in 460 Sprachen und Dialekte übersetzt und gilt als der meistübersetzte Text der Welt. Dennoch sind die Menschenrechte nicht einklagbar, sie sind völkerrechtlich nicht bindend. Allerdings wurde der Inhalt einiger Artikel in internationale Abkommen aufgenommen, die rechtsverbindlich sind („Zivilpakt“ und „Sozialpakt“, beide 1966 beschlossen, 1976 in Kraft).

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