Ulm Glänzend besuchte Tagung zu Felix Fabri

Gudrun Litz berichtete heiter über Fabris Ulm.
Gudrun Litz berichtete heiter über Fabris Ulm. © Foto: Lars Schwerdtfeger Foto: Lars Schwerdtfeger
Ulm / JAKOB RESCH 12.09.2016
Die Tagung der Stadtbibliothek zu Felix Fabri, den Dominikanerbruder, fand großen Anklang. Insbesondere natürlich die Auseinandersetzung mit seinem Ulm-Traktat.

Tja, damit muss Ulm leider passen: Es liegt nicht am Meer. Dazu später mehr. Doch sonst: Alles super! So könnte man das Urteil Felix Fabris zusammenfassen, der mit einem Traktat 1488/89 nicht nur das erste Ulm-Porträt, sondern überhaupt die erste geordnete Stadtbeschreibung nördlich der Alpen liefert. Das war das Thema von Gudrun Litz vom Stadtarchiv auf der Fabri-Tagung, die die Stadtbibliothek jetzt zu ihrem 500-jährigen Bestehen ausrichtete.

Der Ort atmete Authentizität: So wurde im Chorraum im Haus der Begegnung über „Die Welt des Frater Felix Fabri“ disputiert. Er selbst wirkte dort von 1468 bis zu seinem Tode 1502 als Bruder im Dominikanerkloster, das es einstmals war. Und nicht nur das. Ulm wurde seine, ja: hochgeschätzte Wahlheimat, wie ihn die Historikerin zitierte: „Du herrlicher Ort glücklichen Gedankens.“

Fabri sagt, er habe keine Stadt gesehen, in der sich die Menschen so gerne aufhielten – und er war dabei ganz schön herumgekommen. Im Übrigen meinte er damit Arme wie Reiche gleichermaßen, ganz im Sinne der berühmten Ulmer Schwörformel sozusagen. Eine ideale Stadt also, „wären da nicht die Schweine“, die das saubere Bild auf den Straßen einigermaßen besudelten.

So hinterfragte Gudrun Litz denn auch die Aussagen Fabris. Er fand die Stadt zurück von seinen Pilgerreisen nach Palästina 1480 und 1483 total verändert und notierte ganz aktuell: „Sie erschien mir im neuen Glanz.“ Da war gerade die Stadtmauer in der Donau errichtet worden, was für „Staunen und Bewunderung“ sorgte und Spaziergänge am Ufer beendete.

Alle späteren Ulmer Stadtchronisten nahmen Bezug auf Fabri. Er selbst konnte nicht auf  Vorlagen zurückgreifen und wurde somit zum Quellenforscher, der folglich die Ursprünge Ulms nolens volens ziemlich phantasiebegabt wiedergab. Umso genauer die Beschreibung der Entwicklung, Erweiterung und Emanzipation zur freien Stadt, gipfelnd in der Beschreibung der neuen Pfarrkirche, dem Ulmer Münster, dessen Grundsteinlegung 1377 er derart lebhaft wiedergibt, „als wäre er dabeigewesen“, so Gudrun Litz.

Das Münster, das bis 1488 immer weiterwuchs, wieder „zum Staunen und der Bewunderung“ der Zeitgenossen, hat es ihm richtig angetan, wie er an zehn „Einzigartigkeiten“ dieser Kirche festmacht. Sie sei „von größerer Schönheit als alle anderen im Glanz des Lichts“, von mehr Menschen besucht als alle anderen der Christenheit (15 000 sollen zur Osterzeit die Kommunion empfangen haben) und „an Spendern reicher als alle anderen“, was gewissermaßen bis heute so geblieben ist. Überhaupt gehört zu den Einzigartigkeiten auch die „Zuneigung und Liebe“ der Ulmer zu ihrer Pfarrkirche.

Fabri beschreibt Ulm ohnehin als geistliches Zentrum seiner Zeit. Dieser „religiöse Aspekt“ des Traktats ist für Gudrun Litz noch näher auszuloten. Als der Ordensbruder aber 1484 von seiner zweiten Pilgerreise aus dem Heiligen Land zurückkehrt, da sehnt er sich bloß danach, „dass sich das Meer doch bis zu den Mauern Ulms erstrecken würde“. Um ihm die beschwerliche letzte Etappe über die Alpen zu ersparen.

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