Konzert Gismo Graf Trio plus Rosenberg im Pfleghof

Erfahrung und Dynamik: Stochelo Rosenberg.
Erfahrung und Dynamik: Stochelo Rosenberg. © Foto: Albert Hefele
Langenau / Albert Hefele 21.08.2018

Respekt: Die Langenauer wissen, wie man feiert. 30 Jahre Pfleghof, und man scheut keine Mühen und Kosten. Zuerst die Weltklasseleute Till Brönner und Dieter Ilg und nun das Gismo Graf Trio plus Stochelo Rosenberg, auch nicht gerade musikalische Laufkundschaft. Und das alles auf der Bühne im Innenhof des Pfleghofs bei idealem Sommerabendwetter.

Es war also angerichtet für eine große Portion Gipsy Swing. Hier wie da: der gleichzeitig entspannt und stoisch vor sich hinköchelnde Groove und die verzwickten harmonischen Auflösungen. Ganz anders – und für die Musik der Gipsy typisch und offenbar auch zentral wichtig: die mit unglaublicher Geschwindigkeit und Präzision abgefeuerten Soli.

Das hat immer etwas von einem Wettkampf. In diesem Falle zwischen Stochelo Rosenberg und dem jungen Gismo Graf, der sich mittlerweile mit seinem Trio (Vater Joschi Graf und Bassist Joel Locher) einen gewaltigen Ruf in der Szene erarbeitet hat. Rosenberg hat ihm ein paar Jahre an Erfahrung voraus und das damit verbundene gesteigerte Renomee. Und ein paar dieser Winzigkeiten, die wirklich nur der wahrnimmt, der sehr genau zuhört.

Die rasend schnellen Läufe kann man – so utopisch sich das für die meisten „normalen“ Musiker liest – üben. Der interessantere Teil der Gitarrenarbeit passiert jedoch in der rhythmischen Begleitung. Damit ist im aktuellen Fall nicht der Part von Gismos Vater Joschi Graf gemeint. Seine Aufgabe ist eine andere. Er ist eine Art von lebendigem Metronom, ein Taktgeber mit todsicherem Timing. Er legt – zusammen mit Joel Locher – den Teppich, die Basis, auf der die Virtuosen wie Graf und Rosenberg sich tummeln können.

Dessen Rhythmusarbeit ist etwas ganz Besonderes. Er verfügt über einen Kosmos von Varianten. Ihm dabei zuzusehen und zuzuhören ist ein Fest – vor allem für Gitarristen, aber auch alle anderen hat diese Musik irgendwann am Wickel. Musik, der traditionellen Variation. Von „China Boy“ und „Joseph, Joseph“ bis „I’ll See You In My Dreams“ von Django Reinhardt. An ihm, dem Gottvater dieser Musik führt im Bereich des Gipsy Swing kein Weg vorbei.

Die Legende des Hot Club de France war und ist sowohl für Gismo Graf, als auch für Stochelo Rosenberg das Vorbild. An Nummern wie „Minor Blues“ zeigte Locher, dass man auch auf sehr dicken Saiten federleicht phrasieren kann und sich vor den Gitarristen, was Tempo angeht, in keiner Weise verstecken muss: fulminant!

Eine Anmerkung: Solche Konzerte sind nichts für sensible Hobby-Gitarrenspieler! Sie könnten anschließend spontan Hand an ihr Instrument legen und es aus Verzweiflung zu einem exotischen Blumenkübel oder Nistkasten umfunktionieren.

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