Musical Girard Rhodens Musical „Love is“ im Podium

Erlebte im Podium seine szenische Uraufführung: Girard Rhodens Musical „Love is“.
Erlebte im Podium seine szenische Uraufführung: Girard Rhodens Musical „Love is“. © Foto: Matthias Kessler
Ulm / Petra Lehmann 03.07.2018
Musik, die unter die Haut geht: Zum ersten Mal wird Girard Rhodens „Love is“ im Podium in Ulm gezeigt.

Ganz schön viel Aufwand für eine einzige Aufführung, die zugleich eine Uraufführung war! Gi­rard Rhoden, Sänger am Theater Ulm, hat am Sonntagabend sein Debüt als Autor und Komponist eines Musicals gegeben, das den Titel „Love is“ trägt. Zusammen mit dem Ulmer Trompeter Joo Kraus, dem Dramaturgen Max Rechtsreiner, Musikern und Schauspielern des Theaters sowie dem Hope-Chor hatte er im ausverkauften Podium eine Art Radio-Show inszeniert. Die 180 Zuschauer konnten sich also wie ­Beobachter einer Hörspielproduktion fühlen. Während die fünfköpfige Band, das Streichquartett und der Chor die ganze Zeit auf der Bühne platziert waren, hatten die Schauspieler wechselnde Auftritte. Ihre Skripte legten sie auf Notenständern ab und nahmen dann auf Barhockern Platz.

Das Stück handelt von der amerikanischen Durchschnittfamilie Wilson, die den Irrungen und Wirrungen der Liebe in all ihren Facetten unterliegt. Wegen einiger Missverständnisse, an denen die besten Freunde der Eltern, Emily und Jack, nicht ganz unschuldig sind, denkt Vater Ron, dass Mutter Nora lesbisch ist, und Nora glaubt, dass Ron schwul ist. Dabei ist es Nora und Rons Sohn Ray, der sich jedoch vor seinem Coming Out fürchtet.

Am Ende löst sich alles in Wohlgefallen auf. Ray outet sich und gibt zu, dass er in seinen besten Freund Theo verliebt ist. Eine typische Verwechslungskomödie also, die gespickt ist mit spritzigen und witzigen Dialogen sowie amerikanisch angehauchtem Humor, der im Publikum immer wieder Lachsalven hervorrief.

Nilufar Münzing als Nora, Timo Ben Schöfer als Ron, Florian Stern als Ray und Jakob Egger als Theo spielten ihre Rollen als Hörspieldarsteller super. Ebenso Claudia Vetter und Michael Burow-Geier als Freunde der Familie. Im Gesang ragte Nilufar Münzing deutlich unter ihren Mitstreitern hervor.

Déjà-vu-Erlebnisse

Ganz klasse auch die von Emanuel Pichler gespielte Partie des SAHM: Er stellte eine Art Fusion aus Data, dem Androiden aus „Raumschiff Enterprise – Das nächste Jahrhundert“ und dem Sprachassistenten Alexa dar. SAHM schien nicht nur die gute Fee im Haus, Anrufbeantworter und -vermittler zu sein, sondern gab auch die Regieanweisungen.

Die vom gebürtigen Amerikaner Rhoden komponierte und von Joo Kraus arrangierte Musik ging unter die Haut. Bei vielen Stücken hatte der Zuhörer eine Art Déjà­-vu-Erlebnis. Denn die ersten Takte erinnerten oft an Musicals und Musikfilme der 50er bis 70er Jahre, allen voran an „West Side Story“ und die „Rocky Horror Picture Show“. Die Stilrichtungen von der lyrischen Ballade über Jazz und Gospel Rock bis hin zur Rocknummer gingen auf die Stimmung der Charaktere ein.

Die Musiker unter der Leitung von Joo Kraus harmonierten hervorragend. Die Einsätze saßen, die Höhepunkte stimmten. Trotz mancher Längen war das Publikum nach drei Stunden aus dem Häuschen. Wer weiß, vielleicht schafft „Love is“ bald den Sprung vom Podium ins große Haus.

Werbung in eigener Sache

Musical Showcase heißt es, wenn eine Band als Werbung für Veranstalter und Plattenfirmen ein Konzert gibt. Die Aufführung von Girard Rhodens Musical „Love is“ im Podium des Theaters, war so eine Art Showcase. Denn Rhoden hatte dafür Vertreter verschiedener Theater eingeladen.

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