Underdogs hatten ja schon immer die besseren Karten, zumindest beim Publikum. Das war am Sonntag beim Fischerstechen nicht anders: Dem Großwesir Florian Frey, der beim ersten Turnier am vorigen Sonntag aufgrund einer Panne nicht korrekt vom Schiedsgericht gewertet worden war, flogen Applaus, Jubel und Herzen nur so zu.

Den letztlich verdienten Gesamtsieg musste er sich allerdings hart erkämpfen: Im Hauptfinale stießen sich der Sieger der Vorwoche, der Schwarz-Weiße Narr, und der Großwesir dreimal gegenseitig in die Donau, im vierten Durchgang blieb Florian Frey trocken. Kurz nach 17 Uhr stand er als Gewinner fest. Und war „einfach nur megahappy“, wie er nach der Siegerehrung sagte. Einen guten Stand habe er gehabt und einen Supergegner. „Ich hab’ überhaupt nicht damit gerechnet. Es ist ein Wahnsinns-Gefühl, vor so vielen Leuten die Familientradition weiterzuführen.“

Der Großwesir ist der heutige Tagessieger. #fischerstechen #swplive #ulm

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„Ein richtig heißes Finale“, befand Ministerpräsident Winfried Kretschmann, der mit Ehefrau Gerlinde auf dem Kirchweih-Schiff zugesehen hatte. „Es war diesmal spannend, weil es so lange gedauert hat.“ Dabei schien es in der Zwischenrunde bereits vorbei zu sein für die Figur im goldenen Gewand: Im K.O.-Verfahren waren im Duell Zunftmeister versus Großwesir beide nass geworden und wären eigentlich auch beide ausgeschieden.

„An dieser Stelle greifen wir als Schiedsgericht ein“, verkündete Susanne Grimmeiß, Vorsitzende des Ulmer Schiffervereins, über die Lautsprecher. „Der Großwesir bekommt ein Freilos und gilt ausnahmsweise als trocken, weil wir ihn letzte Woche fälschlicherweise als nass gewertet haben.“ So schaffte Frey es ins Halbfinale, wo er gegen den Kuhhirten (Marco Schwender) zwar stark wackelte, aber trocken blieb. Ebenfalls verdient ins Tagesfinale hatte es der Spatzameez (Joachim Selig) geschafft, der im Turnier ordentliche Standfestigkeit bewiesen hatte – im letzten Duell aber zwei Mal nacheinander vom Großwesir von seiner Zille gestochen wurde. Was das Publikum mit kräftigem Applaus belohnte.

Von denen wenigen freien Plätzen am Sonntag zuvor war beim zweiten Stechen nichts mehr zu sehen. Bei 12.300 und damit allen belegten Plätzen zeigte sich Sabine Gauß, Chefin der städtischen Repräsentation, hochzufrieden: „Das war eine super Zusammenarbeit mit dem Schifferverein.“

Frühes Aus für Favoriten

Was dessen Vorsitzende ebenso empfand. Die war nach dem Ende des Turniers noch „total perplex“ über das frühe Ausscheiden der beiden Favoriten. Der König von Württemberg – verkörpert vom dreimaligen Fischerstechen-Sieger Holger Beranek – sowie der König von Bayern (Johannes Deininger) hatten sich bereits im ersten Durchgang gegenseitig nass gemacht und damit ins Aus manövriert. Dass Florian Frey nur dank seines Freiloses das Stechen gewinnen konnte, trübte Grimmeiß’ Freude über seinen Sieg nicht: „Er hat das verdient. Der Großwesir hat sich letztes Mal unglaublich sportlich verhalten und ist sehr gut gestanden.“

Zufrieden war Susanne Grimmeiß auch, weil die Nachfahren der Schiffer und Fischer so „ein hochengagiertes Publikum“ hatten. „Auch bei den Tänzen auf den Plätzen war super Stimmung. Das macht einfach Spaß, wenn der Funke überspringt.“ Wie gesagt: Jubel, Applaus, Herzen.