Unternehmen Gewerbeflächen sind knapp

Der Containerbahnhof sorgt im Ulmer Norden seit zehn Jahren für eine rasante Entwicklung.
Der Containerbahnhof sorgt im Ulmer Norden seit zehn Jahren für eine rasante Entwicklung. © Foto: Matthias Kessler
Ulm/Neu-Ulm / CHIRIN KOLB 15.08.2016
Der Wirtschaftsraum Ulm/Neu-Ulm ist attraktiv für Unternehmen. Die Nachfrage nach Flächen kann allerdings kaum mehr befriedigt werden.<i>Mit einem Kommentar von Chirin Kolb</i>

Die Wirtschaft brummt, die Arbeitslosenquote in der Region ist sehr niedrig, und der Wirtschaftsraum Ulm/Neu-Ulm ist bei Unternehmen, die sich ansiedeln oder erweitern wollen, ausgesprochen gefragt. Lauter gute Nachrichten also, die Ulrich Soldner und Peter Stamm, die Geschäftsführer des Stadtentwicklungsverbands Ulm/Neu-Ulm (SUN), verkünden können. Die positive Entwicklung hat aber auch eine Schattenseite. Wegen der großen Nachfrage nach Gewerbegrundstücken sind die Flächen mittlerweile äußerst knapp. Soldner formuliert es so: „Der Erfolg verursacht zugleich auch das Defizit.“

Am begehrtesten sind die Grundstücke im Ulmer Norden: wegen des Containerbahnhofs, der Nähe zur Autobahn und der geplanten weiteren Autobahnauffahrt. Gerade im Ulmer Norden aber stößt der SUN, der als städtische Tochter alle kommunalen Ulmer und Neu-Ulmer Gewerbeflächen vermarktet, an die Grenze. „Derzeit gibt es nur noch ein unbebautes Gewerbegrundstück“, berichtet Soldner. Es ist allerdings nicht wirklich frei, sondern bereits als Erweiterungsfläche für ein bestehendes Unternehmen verplant.

Eine gewisse Entlastung bringt im Ulmer Norden die Zusammenarbeit mit Dornstadt. Die Gemeinde ist wie Elchingen, Blaustein und Nersingen einer der Kooperationspartner des SUN. Auf Dornstadter Gemarkung wird das Gewerbegebiet Himmelweiler erweitert. Knapp 5 Hektar werden dadurch verfügbar.

Ausgangspunkt für die rasante Entwicklung im Ulmer Norden war die Verlagerung des Containerbahnhofs vor zehn Jahren. Am alten Standort in der Neu-Ulmer Innenstadt wurden nach Angaben des SUN zuletzt 60 000 Einheiten jährlich umgeschlagen. Im Gewerbegebiet Ulmer Norden sind es mittlerweile 100 000 pro Jahr.

Der Containerbahnhof und die gute Anbindung an die A 8 zogen weitere Firmen an, aus der Logistikbranche, aber nicht nur. Die Stadt Ulm hat im Ulmer Norden rund 60 Hektar Gewerbeflächen verkauft. Zwischen 1997 und 2015 haben sich dort laut SUN 77 Unternehmen angesiedelt. Sie bieten rund 3600 Arbeitsplätze.

Die Stadt Ulm versucht, im Ulmer Norden weitere Grundstücke für die Erweiterung des Gewerbegebiets zu kaufen. „Wir sind ständig im Gespräch mit Eigentümern“, berichtet Soldner. Die Verhandlungen sind jedoch nicht einfach: Die Niedrigstzinsphase bietet Eigentümern wenig Anreiz, Grundstücke zu verkaufen und das Geld anzulegen.

Auf Neu-Ulmer Seite sieht es ähnlich schwierig aus. In den Gewerbegebieten Nelson, Edison-Allee, Pfuhler Ried und Burlafingen Nord stehen nur noch wenige Grundstücke zur Verfügung.

Trotz der Grundstücksknappheit gelang dem SUN im vergangenen Jahr die Ansiedlung von 20 Unternehmen: 9 in Ulm, 4 in Neu-Ulm und 7 in Dornstadt. „Damit gehört 2015 zu den guten Jahren seit Bestehen des SUN.“ In diesen 15 Jahren lag die Zahl der Ansiedlungen bei durchschnittlich 16 pro Jahr. Die meisten Grundstücke (6) wurden im Industriegebiet Donautal und im Gewerbegebiet Einsingen vergeben.

Interesse an internationalem Netzwerk

Fachkräftemangel Ulm will attraktiver werden für Fachkräfte aus dem Ausland und die internationalen Beziehungen in Wirtschaft und Wissenschaft ausbauen. Deshalb planen die städtische Wirtschaftsförderung und die Koordinierungsstelle Internationale Stadt den Aufbau eines internationalen Netzwerks. Es soll unter anderem bereits zugezogenen Fachkräften die Teilnahme am sozialen, kulturellen und gesellschaftlichen Leben erleichtern.

In einer Umfrage gaben 87 Prozent der 121 befragten ausländischen Fachkräfte an, dass sie Interesse an einem solchen internationalen Netzwerk haben, berichtet der Stadtentwicklungsverband. Die Mehrzahl der Antwortenden arbeitet in der Automobil- und in der IT-Branche. 41 Prozent von ihnen leben mit ihrer Familie in Ulm oder der Region. Die Beschäftigten stammen aus China, Finnland, Indien, Italien, Rumänien, Russland, Spanien, aus der Türkei und aus den USA.

Ein Kommentar von Chirin Kolb: Große Herausforderung

Die Städte Ulm und Neu-Ulm stehen vor enormen Herausforderungen. Sie müssen Wohnraum,  gerade günstigen, schaffen für immer mehr Einwohner. Der stetige Zuzug bedeutet für die Städte auch: Schulen und Kindertagesstätten bauen. Eine große Aufgabe ist es zudem, Gewerbeflächen bereitzustellen. Gelingt das nicht, steht die Zukunft der ganzen Region auf dem Spiel. Dass Ulm und Neu-Ulm attraktiv sind als Wirtschaftsstandort für Unternehmen und als Lebensraum für Arbeitnehmer und ihre Familien, hat nicht nur mit der guten Infrastruktur zu tun, die noch besser wird mit der schnellen Bahnstrecke und der neuen Straßenbahnlinie. Kinderbetreuungs- und Bildungsmöglichkeiten gehören ebenso dazu wie die Vielfalt an Freizeitaktivitäten.

Alles steht und fällt mit der Wirtschaft. Geht es den Unternehmen gut, profitieren die Städte, nicht nur über hohe Gewerbesteuereinnahmen. Die Städte können helfen, gute Rahmenbedingungen für Unternehmen zu schaffen, egal ob Industrie, Handwerk, Dienstleistung oder Wissenschaft. Dazu gehört natürlich in erster Linie, Flächen zur Verfügung zu stellen. Der Ulm/Neu-Ulmer Stadtentwicklungsverband, eine Erfolgsgeschichte seit 15 Jahren, will darüber hinaus den Unternehmen ein Rundum-sorglos-Paket bieten und die Mitarbeiter beispielsweise  bei der Wohnungssuche und in Fragen der Kinderbetreuung beraten. Ein weites Feld, aber sicher ein guter Ansatz im Werben um Firmen und Fachkräfte.

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