Neu-Ulm, Dietrich-Theater, Kino-Saal 8, Reihe 2, Platz 13. Dort saß am Samstagabend in der 20-Uhr-Vorstellung der 25-jährige Mann aus Göppingen, bei dem eine Infektion mit dem Coronavirus festgestellt worden ist. Weitere 137 Menschen besuchten ebenfalls die Vorstellung von „Bad Boys“: „Die Möglichkeit einer Ansteckung mit dem neuartigen Coronavirus besteht für Personen, die mindestens 15 Minuten in Gesicht-zu-Gesicht-Kontakt mit dem Erkrankten waren“, schreibt das Landratsamt Neu-Ulm in einer Mitteilung. Daher komme überhaupt nur ein Bruchteil der Kino-Besucher in Frage, sich bei dem 25-Jährigen mit dem Virus angesteckt zu haben, sagte Dr. Martin Küfer, Leiter des Öffentlichen Gesundheitsdienstes am Mittwoch in einer Pressekonferenz.

Dennoch bittet die Behörde Besucher der Filmvorstellung vorsichtshalber, in den kommenden zehn Tagen auf Krankheitssymptome wie Fieber, Husten und Schnupfen zu achten. Sollten diese auftreten, sei es sinnvoll, den Kontakt mit anderen Menschen möglichst einzuschränken und sich zunächst telefonisch mit dem Hausarzt oder Gesundheitsamt in Verbindung zu setzen. Mithilfe eines Abstrichs aus Mund oder Rachen könne der Arzt durch eine Laboruntersuchung klären, ob es sich tatsächlich um eine Infektion mit dem Coronavirus handelt. Zu beachten gelte hier allerdings die Inkubationszeit von 14 Tagen, also die Zeit von der Ansteckung bis zum tatsächlichen Ausbruch einer Krankheit. Werde eine Infektion nachgewiesen, ohne dass die Person krank wird, müsse diese dennoch 14 Tage lang in „häusliche Absonderung“, damit sie keine weiteren Menschen anstecken kann. Denn letztlich sei das Ziel aller Maßnahmen: „Wir wollen die weitere Ausbreitung eindämmen“, sagte Küfer.

Krankenhäuser sind auf Coronavirus vorbereitet

Wird jemand tatsächlich krank, schwer krank, sind nach Worten des Experten alle drei Kliniken im Kreis, in Neu-Ulm, Weißenhorn und Illertissen, auf die Situation vorbereitet: „Die Patienten können isoliert werden, die Ärzte und Pflegekräfte wissen, was zu tun ist“, sagte Küfer.

Er betonte, dass die Symptome einer Coronavirus-Infektion sehr „unspezifisch“ sind. So merkten junge, gesunde Menschen zum Teil gar nicht, dass sie das Virus haben. Bei Älteren oder gesundheitlich Angeschlagenen dagegen könne die Krankheit heftig oder gar tödlich verlaufen. „Und es macht die Sache nicht einfacher, dass gerade Grippe-Zeit ist.“ Eine Influenza äußere sich ähnlich. „Und wir haben bereits 300 Meldungen über die Grippe im Landkreis.“

Besuch des Dietrich-Theaters stellt kein Risiko dar

Nachdem am Mittwoch die Nachricht bekannt geworden war, dass der Göppinger Corona-Infizierte im Dietrich-Theater war, haben schon etliche Leute bei der Gesundheitsbehörde des Kreises angerufen, berichtete Stefanie Kurz, stellvertretende Leiterin des Gesundheitsdienstes. „Die Leute haben sich ganz normal erkundigt“, von Panik keine Spur – die sei auch nicht angebracht, betonte Kurz. Auch sei kein Anrufer dabei gewesen, der Symptome aufweise.

Roland Sailer, Geschäftsführer des Dietrich-Theaters in Neu-Ulm, antwortete per Mail auf eine Anfrage der SÜDWEST PRESSE: „Laut der Behörde stellt der Kinobesuch kein gesundheitliches Risiko dar.“ Das unterschreibt auch der Leiter des Öffentlichen Gesundheitsdienstes: Ob er sich auf Platz 13 in der zweiten Reihe von Kinosaal 8 setzen würde? „Ja klar“, sagte Küfer. „Überhaupt keine Frage.“