Die Sache mit der Nachverdichtung ist auch abseits der Innenstadt ein hartes Brot. Das weiß auch die UWS – spätestens seit sie in der Kemptener Straße in Wiblingen neue Wohnungen bauen will. Diese Pläne finden die Anwohner allerdings weniger erbaulich. Seit der Standort bekannt ist, gibt es lautstarken Protest. Aber es hilft ja nichts: Ulm ist zu schön, zu wohlhabend, zieht zu viele Menschen an, und das heißt: gebaut werden muss trotzdem – und ohne Nachverdichtung ist das kaum möglich.

Weil das Thema aber ein so sensibles ist, hat die Ulmer Wohnbaugesellschaft vorsichtshalber schon jetzt ihre Pläne dem Gestaltungsbeirat der Stadt vorgestellt. Eines steht für die Experten fest: „Grundsätzlich halten wir es für absolut angemessen und richtig, dort zu bauen“, urteilte der Freiburger Architekt Detlef Sacker. Auch wenn es schwierig ist, „die Nachbarschaft positiv mitzunehmen“, wie Markus Neppl, Vorsitzender des Beirats, sagte.

Parkdeck nicht ausgelastet

Die neuen Wohnungen sollen anstelle eines Parkdecks entstehen. Die Parkplätze dort seien ohnehin oft nicht ganz belegt, erklärte Neppl. Was UWS-Geschäftsführer Frank Pinsler bestätigte: Vor Ort sind 23 Stellplätze nicht belegt – ein Leerstand von etwa 30 Prozent, schätzt er. Und räumt ein: Der gefühlte Parkdruck der Anwohner sei oft ein anderer.

Kein Zweifel am Standort also. Kritik gab es aber dann doch, und zwar an der ursprünglichen Gestaltung der beiden quadratisch geplanten, rund 17 Meter langen Gebäude, in denen 31 Wohnungen untergebracht werden sollen. Mit ihnen wollte die UWS möglichst weit von den Nachbarn wegrücken.

„Das ist ein sehr tiefes Gebäude mit langen Kanten“, analysierte Städtebauer Neppl die Pläne im Gestaltungsbeirat. „Das sind ganz andere Dimensionen und eine ganz andere Logik als im Bestand mit seinem wilden Vor und Zurück.“ Sacker schloss sich dem Urteil an an: „Es ist zwar überall Abstand gehalten, aber es gibt keinen Raum mehr.“

Besser länglich als quadratisch

Den Vorschlag des Gremiums, besser mit länglichen Gebäuden zu planen, will Pinsler umsetzen. „Damit kann ich sehr gut leben.“ Mehr Widerstand leistete er bei der Geschosszahl: Vier waren als Rahmenbedingung ausgegeben, die UWS wollte eines der Häuser fünfstöckig bauen. Sacker sprach sich deutlich dagegen aus: „Die Gebäude müssen gleich hoch und dürfen nicht fünfgeschossig sein.“

Was Pinsler allerdings nicht versprechen kann: Dass alle Bäume stehen bleiben. Ob sie erhalten werden können, hänge auch davon ab, wie tief die Tiefgarage wird. Pinsler: „Das wäre leichter, wenn sich die Politik dazu durchringen könnte, auf 30 Stellplätze zu verzichten. Damit wird man kein Parkplatzproblem erzeugen.“ Landschaftsarchitektin Doris Grabner ist davon überzeugt: „Die nachbarschaftliche Akzeptanz wird sich extrem steigern, wenn das Grün erhalten bleibt.“