Morgens um kurz nach 7 Uhr ist das Wetter noch nicht in Ordnung. Dafür sind die Anfahrtswege frei, die Straßenbahnen relativ leer. An der Messe wird letzte Hand an den Start-Bereich gelegt.

7.32 Uhr.   Langsam wird die Schlange derer, die sich zu Fuß Richtung Donauhalle aufmachen größer. Am Parkplatz beim Stadion steht Alina Reh. Einer hat sie erkannt. Gewisper in der Runde: Ob die Top-Läuferin Marathon läuft? Tut sie nicht. Dafür Halbmarathon und natürlich wird sie gewinnen. Wie immer in Ulm, egal auf welcher Strecke.

7.43 Uhr. An der Messe fahren sich die ersten Skater warm. Heinz Knehr ist der erste auf der Strecke. Vom Rand aus werden seine großen 125-Millimeter-Rollen bestaunt. „Die sind ganz schön dick, Mann“, ruft einer. Gekicher im nervösen Feld. Der Startblock füllt sich. Die Busse aus Aalen kommen an mit der großen, grünen „Lauf geht’s“-Gruppe. Die meisten haben sich den Halbmarathon als Ziel gesetzt. Die Sonne ist längst da.

8.40 Uhr. Der erste Startschuss, die Handbiker werden auf die Strecke geschickt. Fünf Minuten später folgen mehr als 300 Skater. Vorne wird Tempo gemacht, hinten geht’s mit Gemütlichkeit voran. Die ersten Fans stehen in Thalfingen und machen schon mächtig Betrieb.

9.10 Uhr. Ortseinfahrt Pfuhl. Tatsächlich ist dieses Mal ist auch für die rollenden Sportler schon jede Menge Publikum da. Es mag am Wetter liegen, denn von Nebel ist längst keine Spur mehr. Die Sonne scheint, die Welle wird gemacht und der erste Biertisch grüßt mit einem „Ein Prosit...“. Von hinten nähern sich die ersten Läufer. Und vorne? Vorne ist Ulm und der Nebel. Nix mehr Sonne.

10.29 Uhr. Die Marathon-Läufer erreichen Wiblingen. Hier kommt es zu Konflikten am Streckenrand: Die Kirchgänger fühlen sich auf ihrem Weg zur Klosterkirche behindert. Tatsächlich ist es ein Hindernislauf. Doch das Feld der Marathonläufer ist auch schon weit auseinandergezogen.

11.05 Uhr. Jetzt setzt sich die Sonne auch in der Stadt endlich durch. Schön für die Zuschauer und diejenigen, die schon im Ziel sind. Wer noch schwitzt, der mag das nicht unbedingt so gerne. Im Ziel spurten die Sanitäter. Einer ist umgekippt. Erstversorgung, ab ins Zelt, die besorgte Freundin hinterher.

13.04 Uhr. Siegerehrung der Schulwertung. Die meisten und die schnellsten Grundschüler kommen aus Pfuhl. Bei den weiterführenden Schulen heißen die Sieger Anna-Essinger-Gymnasium (die schnellsten) und Kolleg Illertissen (die meisten). Einige Lehrer, so heißt es, sollen sich noch auf der Strecke befinden.

13.15 Uhr. Die Kurzen kommen. Die Fünf-Kilometer-Läufer rauschen als erste vorbei, biegen bei der Synagoge ab in Richtung Altstadt. Die Schlange der Läufer scheint gar kein Ende mehr zu nehmen. Auf dem Münsterplatz sucht mal wieder eine Frau ihren verloren gegangenen Gatten: „Robert möchte bitte zur Bühne kommen...“. Sie wartet lange, bis Robert endlich kommt auf wackligen Beinen. Blutige Blasen haben ihm zu schaffen gemacht.

13.32 Uhr. Die erste Gruppe der Zehn-Kilometer-Läufer erreicht die Gänstorbrücke. Es wird eng, ganz eng. Da wird geschimpft und geschoben. Die Helfer reagieren schnell: Es wird eine weitere Autospur okkupiert. Ist sowieso kein Verkehr. Jetzt reicht der Platz und die nächsten haben freie Bahn. Am Straßenrand sitzt eine Frau auf ihrem Rollator und klatscht: „Wenn’s das zu meiner Zeit schon gegeben hätte!“ Neben ihr hält Timo ein Schild nach oben. „Opa wir sind stolz auf dich“, steht drauf.

14.23 Uhr. Im Zelt von Engineering People, direkt am Münsterplatz, knallen die Korken. Wie jedes Jahr war das Team wieder mit den Walkern der Lebenshilfe unterwegs – es herrscht glänzende Stimmung. Auf dem Münsterplatz werden Nüsschen gesammelt, Ergebnisse gesucht und Erfahrungen ausgetauscht. Getränke fließen in Strömen und wer keinen Sonnenschutz dabei hat, der ist schlecht beraten.

15.04 Uhr. Der letzten Marathonläufer erreicht das Ziel. Dort, wo vor kurzem noch das „Liquid“ seine Gäste empfangen hat, spielt ein Straßenmusiker. Drei ältere Damen lauschen dem Gitarrenklang und schlürfen auf einer Fensterbank sitzend ihr isotonisches Getränk.

15.23 Uhr. In den Firmenzelten, die rund ums Münster verteilt sind, herrscht jetzt langsam aber sicher Aufbruchstimmung. Bei Wieland werden noch einige verspannte Nackenmuskeln massiert, nebenan packen sie bei Häussler die sieben Sachen zusammen.

16.16 Uhr. Die blauen Laster, welche die Kleiderbeutel der Sportler aufbewahrt oder vom Start zum Ziel transportiert haben, sind alle weg. Was tun, wenn man zu langsam war und die Klamotten jetzt weg sind? Bei den freundlichen Damen am Infostand wird den verzweifelt Suchenden geholfen. Dort sind die letzten Überbleibsel gelagert. Startnummer gezeigt, Beutel bekommen, alles klar.

16.35 Uhr. Der Abbau ist in vollem Gange. Der 12. Einstein-Marathon ist Geschichte. Auf den Bierbänken und in Straßencafés wird noch weiter gefeiert, während die Gabelstapler unterwegs sind. Die Entsorgungsbetriebe machen sich auf den Weg. Entlang der Strecken sind tausende Plastikbecher längst wieder eingesammelt. Auf ein Neues 2017, am letzten September-Wochenende.