Forschung Geschichte des Elchinger Klosters erforscht

Anton Aubele an einem Modell der Klosteranlage in Oberelchingen. Deren Geschichte fasziniert ihn seit vielen Jahren.
Anton Aubele an einem Modell der Klosteranlage in Oberelchingen. Deren Geschichte fasziniert ihn seit vielen Jahren. © Foto: Barbara Hinzpeter
Elchingen / Barbara Hinzpeter 14.07.2018

Im Ruhestand kann „man kann ja viel Blödsinn anstellen“, sagt Anton Aubele aus Straß und schmunzelt. Der pensionierte Gymnasiallehrer für Deutsch und katholische Religion hat sich in den vergangenen Jahren vor allem auf eine Sache konzentriert: Er intensivierte seine jahrzehntelangen Forschungen über die Reichsabtei Elchingen und verfasste seine Doktorarbeit. Der akademische Titel ist dem 77-Jährigen nicht so wichtig, die wissenschaftliche Absicherung seines Werkes schon.

Es erhellt die Geschichte der Abtei in all ihren Facetten vom Ende des Dreißigjährigen Krieges 1648 bis zur Säkularisation 1802/03 – die letzten 150 Jahre der fast 700-jährigen Geschichte des Klosters. Dessen herausragende Bedeutung sei nur wenigen Elchingern bewusst, bedauert Aubele. Sein Werk könnte dazu beitragen, dass sich das ändert. Vorausgesetzt, er kann es in Buchform einer breiten Öffentlichkeit zugänglich machen.

Auf Primärquellen gestützt

Anton Aubele stammt aus Straß und hat sich von Kindesbeinen an für die Geschehnisse am Ort und dessen Geschichte interessiert. Seit seinem 13. Lebensjahr sammelt er alle Zeitungsartikel über sein Heimatdorf, das einst zum Kloster Elchingen gehört hat. Deshalb lag es für ihn nahe, sich auch mit dessen Historie zu beschäftigen. „Außerdem sieht man es ja von hier aus“, sagt der Straßer. Viele Jahre lang hat er sich durch Berge von alten Schriften und Dokumenten gearbeitet und sich bei seinen Studien vor allem auf Primärquellen gestützt. Denn über Elchingen sei Manches im Umlauf, „was nicht ganz stimmt“.

Und Vieles war bisher wenig bekannt, wie zum Beispiel die große Bedeutung von Theater, Musik und Wissenschaft im Elchinger Kloster. Mitglieder des Konvents lehrten an Hochschulen und Schulen in Salzburg und Freising, betätigten sich als Schriftsteller. Eine wahre Fundgrube für die Beschreibung des klösterlichen Lebens waren für Aubele die Tagebücher der Mönche, darunter die Aufzeichnungen von Pater Benedikt Baader, die mehr als 2000 Seiten in fünf Bänden umfassen und über die Jahre 1785 bis 1808 reichen.

Aubele hat sie komplett durchgearbeitet, ebenso Baaders historischen Rückblick auf die Jahre 1600 bis 1784. Viele Erkenntnisse verdankt er seinen Biografie-Forschungen über die Konventsmitglieder. „Er kennt jeden Mönch persönlich“, scherzt Aubeles Ehefrau Klara. Unter den Gelehrten ragt Abt Meinrad Hummel heraus, den Aubele als „Pionier der Feldmesskunst“ bezeichnet. Sein erstaunlich genaues und mit gezeichneten Ortsansichten bereichertes Kartenwerk datiert aus dem Jahr 1697 und regte offenbar spätere Klosterbrüder an, sich ebenfalls dieses Themas anzunehmen.

So habe Pater Columban Luz (1713 bis 1778) „einen Bestseller“ verfasst, in dem er den „einfachen Landmann“ anleitete, Grundstücke zu vermessen. Das war laut Aubele ganz im Sinne der Aufklärung, die im Kloster jedoch – beispielsweise in Meinrad Widmann – auch heftige Gegner fand. Aubele untersuchte nicht nur die geistigen und geistlichen, sondern auch die territorialen und ökonomischen Entwicklungen sowie die politische Bedeutung der Reichsabtei.

Ihm ging es auch darum, das Verhältnis zu den Untertanen zu beleuchten. Aubeles Vorarbeiten reichen „weit ins letzte Jahrtausend“ zurück. Doch neben Beruf und Familie habe er es nicht geschafft, die Ergebnisse zusammenzuführen. Daher hat er sich im Ruhestand zu einem Promotionsstudium an der Universität Stuttgart entschlossen.

Buchprojekt geplant

Als „Quereinsteiger“  bei den Historikern musste er zuerst eine Art Magisterarbeit abliefern und eine einstündige  Prüfung ablegen, bevor er sich 2010 einschreiben konnte. Vor seiner ersten Vorlesung an der Universität Stuttgart – zur Mittagszeit im 500 Menschen fassenden größten Hörsaal – war er darauf vorbereitet, dass er dort „als alter Nele“ auffallen würde. Umso erstaunter war er, als sich der Raum nach und nach füllte – „hauptsächlich mit älteren Herrschaften“. Mit schätzungsweise 80 Prozent seien die klar in der Überzahl gewesen.

Aufgefallen seien da eher die jugendlichen Studierenden. Jetzt hofft Aubele, dass er seine Arbeit, die „wunderschön zu illustrieren wäre“, als Buch herausbringen kann. Ohne Sponsoren und Zuschüsse – beispielsweise von der Gemeinde Elchingen – wäre das allerdings nicht zu stemmen, sagt der Historiker aus dem ehemaligen Klosterdorf Straß.

Bis heute Wallfahrtskirche

Tradition Bis heute ist die ehemalige Klosterkirche in Oberelchingen Wallfahrtskirche geblieben. Das Hauptfest, der „Hohe Umgang“, wird jährlich am dritten Sonntag nach Pfingsten mit einer großen Prozession feierlich begangen, heißt es auf der Internetseite des Landkreises Neu-Ulm. Dabei führt der geschichtlich festgelegte Weg weiträumig um die äußere Klostermauer. Im September 2015 wurde der Prozessionsweg im Klostergarten geweiht, mit Skulpturen des renommierten Bildhauers Waldemar Otto aus Worpswede.

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