Laupheim Geplatzter Traum von der Goldmedaille

Laupheim / RUDOLF KÜBLER 15.07.2016
Berlin 1936. Gretel Bergmann hätte eine Goldmedaille gewinnen können. Die Nazis ließ die Hochspringerin, die aus Laupheim stammt, aber nicht starten.

Der Herr Reichsportführer hat es nicht vermocht, Sie in die Mannschaft, die Deutschland vom 1. bis 9. August im Olympia-Stadion vertreten wird, einzureihen. Sie werden aufgrund der in den letzten Tagen gezeigten Leistungen wohl selbst nicht mit einer Aufstellung gerechnet haben.“

Ja, Hans von Tschammer und Osten hat es nicht vermocht. Warum, das war Gretel Bergmann klar, als sie Mitte Juli 1936 das perfide Schreiben des Nazi-Funktionärs erhielt. Noch Wochen vor den Olympischen Spielen in Berlin hatte die gebürtige Laupheimerin, die einige Jahre für den Ulmer Fußball-Verein (UFV) 1894 an den Start ging, den deutschen Hochsprung-Rekord mit 1,60 Meter eingestellt. Bergmann war nicht nur gut, sie war sehr gut. In ihren Memoiren mit dem Titel „Ich war die große jüdische Hoffnung“ erinnert sie sich: „Verdammt noch mal, ich zählte zu den besten vier Hochspringerinnen der Welt, und nur weil ich zufällig als Jüdin zur Welt gekommen war, hatte man mich weggeworfen wie einen alten Schuh.“

Gretel Bergmanns Geschichte wird jetzt noch einmal aufgerollt, und zwar in dem 90-minütigen Dokudrama „Der Traum von Olympia – die Nazi-Spiele von 1936“. Der Anlass: Die Berliner Spiele, die am 1. August vor 80 Jahren begannen und den Nationalsozialisten eine Bühne für ein „Weltfriedensfest“ boten. Besser gesagt: eine Fassade des Friedens und der Gastfreundschaft, die mit der Realität nichts zu tun hatte. Denn während die NS-Propaganda die Athleten und die Sportstätten feierte, „entstand nahe Berlin das Konzentrationslager Sachsenhausen“, so ARD-Programmdirektor Volker Herres im Begleittext zum Film.

Der Film erzählt aber nicht nur die Geschichte der Ulmer Sportlerin, die im März 1933 aus dem UFV ausgeschlossen wurde und die nach ihrer Emigration heute noch 102-jährig in New York lebt. Die andere Perspektive bietet Wolfgang Fürstner, NSDAP-Mitglied und begeisterter Sportfunktionär. Er, der für das Olympische Dorf verantwortlich war, wurde noch vor Beginn der Spiele degradiert. Der Grund: Er hatte jüdische Vorfahren. Fürstner erschoss sich nach Ende der Spiele.

Wie sollte Gretel Bergmann später im Rückblick sagen: Ich habe eine Goldmedaille verloren, andere ihr Leben.

Info Der Traum von Olympia läuft am Samstag, 16, Juli, auf Arte (20.15 Uhr) und am Montag, 18. Juli, im Ersten (21.45 Uhr)

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