Unternehmen Genuss auf drei Rädern

Ulm / cst 19.10.2018

Street Food ist aus deutschen Straßen nicht mehr wegzudenken. Es muss aber kein großer Foodtruck sein. Kleine Speisen, frisch zubereitet, können genauso auf einem Kastenwagen oder einem Lastenfahrrad ausgegeben werden.

Pizzamobil Hackfleisch (500 g) in eine Schüssel geben, Parmesan (4 EL), Knoblauch, Paniermehl (4 EL), Eier (2), Petersilie und wenig Salz hinzufügen und gut vermengen. Mit der Masse pflaumengroße Bällchen (Polpette) formen, in heißem Olivenöl frittieren und beiseite stellen. In einem separaten Topf die gehackte halbe Zwiebel im Olivenöl anschwitzen, Tomatensauce (Menge nach Belieben) und Basilikum (gehackt) dazugeben, abschmecken und diese Sugo (Soße) etwas ziehen lassen. Die Polpette in die Sauce geben, wieder ziehen lassen bei schwacher Hitze. Das typisch neapolitanische Gericht Polpette al Sugo schmeckt zu al dente gegarter Pasta oder auch mit Bruschettabrot. Polpette al Sugo ist ideal für ein Picknick – oder fürs italienische Street Food.

Francesco Contino (39 Jahre) und sein Bruder Marco Contino (24) sind in Neapel aufgewachsen und kamen mit ihren Eltern bereits 1997 nach Deutschland. Francesco hat noch ganz jung in Neapel drei Jahre lang eine Kochschule besucht und arbeitete dann einige Zeit in der Ulmer Region in der Gastronomie. Seit drei Jahren bereitet er in zwei Kiosken (ohne Verkauf) vor dem Haus Augsburger Straße 58, also quasi zwischen Sexshop und Straßenverkehr vor dem Augsburger Tor-Ring, Italienisches Street Food vor. Seit anderthalb Jahren werden die Fleischbällchen, die Spinat-Lasagne oder das Kartoffel-Zwiebelgemüse mit Lorbeerblatt auf neapolitanische Art im Ape zu den Gästen gebracht.

Eine Ape (italienisch Biene) wird auch als Vespa-Car bezeichnet und ist ein Kleintransporter beziehungsweise ein dreirädriges Rollermobil, das mit Benzin betrieben wird. Drei weitere Ape hat Francesco Contino als Pizzamobile in Betrieb, zwei mit Elektroofen und eine mit einem Steinbackofen. Die fünfte Ape ist nur im Sommer unterwegs: als Eiswagen. Die Ladeflächen sind jeweils entsprechend ausgestattet mit Kühlschrank, Warmhalteboxen, Wassertank, Waschbecken, Tellern, Besteck und Servietten – ganz wie es der Kunde verlangt etwa für Hochzeiten, Firmenfeiern oder private Gartenfeste. Denn eine Ape kommt durch jedes Hoftor. „Wir haben in Neapel nur ganz enge Gassen, da kann  man nicht mit einem Foodtruck angeben“, sagt Francesco Contino. Da sein Einzugsgebiet bis Stuttgart reicht, hat er auch einen Autoanhänger für die Apes.

Am Pizzamobil können die Gäste dann zuschauen, wie die Brüder Contino aus „mindestens 40 Stunden lang gereiftem Hefeteig“ blitzschnell kleine Pizzen ziehen und diese mit Tomatensoße – „nur aus Neapel, weil die Tomaten dort in der Sonne reifen“ – , Ricotta und Basilikum belegen. Der Belag soll einfach und bodenständig sein, etwa mit Rapsblätterspitzen statt Trüffelraspeln. „Aber stets mit echtem Mozarella, nicht mit Edamer aus dem Supermarkt“, betont Marco Contino.  Er hilft nur abends und am Wochenende aus, denn er geht noch zur Berufsschule. Will er ebenso Koch werden auf der Ape? „Nein. Pilot!“ Darauf einen neapolitanischen Espresso, denn solch eine Maschine findet auch noch Platz auf der Ladefläche.

Coffee-Bike Kaffee in allen Variationen, salziges Finger-Food und süßes Gebäck. Das alles bekommt man am Coffee-Bike von Fabian Baur (27) und Michael Ott (41). Die beiden studierten Betriebswirte aus Senden haben sich nebenberuflich bei einem Franchise-Unternehmen mit Sitz in Osnabrück zu einem Barista ausbilden lassen oder besser, zu Baristi. Barista ist das italienische Wort für Barkeeper, der allerdings in einer Espressobar oder einem Café  oder eben auf einem Coffee-Bike für die Zubereitung des Kaffees verantwortlich ist.

Laut Baur hat das Franchise-Unternehmen in 18 Ländern inzwischen mehr als 250 Coffee-Bikes im Einsatz – mit steigender Tendenz. In Ulm gebe es bislang nur eines in dieser nostalgisch angehauchten und handgefertigten Bauweise auf drei Rädern. Vorne wird die Bestellung aufgenommen. Auf der Ladefläche werden dann Espresso, Kaffee, Latte Macchiato, Latte Schwarzwälder Kirsch oder Cappuccino stets aus frisch gemahlenen und fair gehandelten Kaffeebohnen zubereitet. „Und hinten am so genannten Zuckerbrett, wo Zucker und biozertifizierte Milch stehen, werden die heißen Getränke und Säfte ausgegeben“, sagt Baur.

Der Nebenjob am Wochenende auf Straßenfesten, Firmenfeiern oder Hochzeiten mache ihm großen Spaß, „denn von den Gästen kommt so viel zurück“. Bei einer Modenschau etwa radelt er mit dem absolut fahrtüchtigen Coffee-Bike in die Firmenhalle und sofort bilden sich Grüppchen, kommen die Gäste beim Kaffeegenießen ins Gespräch.

Bei anspruchsvollen Terminen wird das frisch Gebrühte in Porzellantassen serviert, bei lockeren Events in „biologisch vollständig abbaubaren Pappbechern“. Und woher kommt der Strom? Wärme werde über eine CO2-neutrale Hybridtechnik erzeugt. Mehr will Baur nicht verraten. Wenigstens arbeiten die beiden Baristi noch selbst mit Muskelkraft  und schaffen zu zweit bis zu 200 Getränke pro Stunde. Darauf einen doppelten Espresso!

Kontakte für Firmen und Privatleute

Pizzamobil Marco und Francesco Contino haben ihren Firmensitz „Portico“ in Neu-Ulm, Augsburger Straße 58, Tel. 0157 76 15 77 47 oder ciao.portico@gmail.com

Coffee-Bike Die Betreiber Fabian Baur und Michael Ott sind erreichbar unter Fabian.Baur@coffee-bike.com oder Michael.Ott@coffee-bike.com

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