Ulm Gentleman im Roxy: Reggae-Party mit ernster Botschaft

CORINNA SCHARNAGL 24.10.2013
Der deutsche Reggae-Künstler Gentleman machte Halt in Ulm. 1100 Fans pilgerten ins Roxy, um ihn und seine Band The Evolution live zu erleben.

Wahre Jamaika-Clubatmosphäre herrschte im Roxy, als Gentleman die Bühne betrat. Dafür hatten seine beiden Sängerinnen gesorgt, denen er zu Anfang des Konzerts - ganz gentlemanlike - für ganze fünf Songs die Bühne überlassen hatte. Begleitet von der Band The Evolution brachten sie Jamaika-Feeling in die Werkhalle. Da konnte keiner stillstehen. Die Menge tanzte schon vom ersten Takt an begeistert mit.

Gentleman, der eigentlich als Tilmann Otto geboren wurde, ist Sohn eines Pastors. Ihm liegt die Mischung aus Inhalten und Party einfach. Sicher, Gentleman brachte mit seinen Songs das Publikum zum Tanzen, Springen und Feiern. Und trotzdem schaffte er es, mit viel Gefühl auch ernste Botschaften zu vermitteln. Ob er nun die Kraft der Liebe oder den Aufstand der Armen beschwor, ob er sich mit den Menschen auf dem Tahrir-Platz in Kairo solidarisierte oder auch mit den aktuellen Ereignissen vor Lampedusa auseinandersetzte. Wahre Gänsehautmomente gab es vor allem, wenn er dann ein langsames Lied zum Nachdenken hinterherschob.

Als dann auch noch der jamaikanische MC Daddy Rings die Bühne betrat, war das Publikum überhaupt nicht mehr zu halten. Alle tobten, sangen textsicher die neuen aber auch alten Gentleman-Songs mit und - schwitzten. Auch das kann Jamaika-Feeling bedeuten. Aber nicht nur das Publikum, sondern auch alle Beteiligten auf der Bühne schonten sich nicht. Da brauchte selbst der erfahrene Reggae-Künstler ein Handtuch, um dem Schweiß Herr zu werden.

Mit aktuellen Songs wie "The Journey" und "You Remember" von seinem sechsten Studioalbum "New Day Dawn", aber auch mit älteren Hits wie "Superior" bot er die ganze Reggae-Bandbreite vom basslastigen Dancehall-Hit bis hin zu ruhigen Balladen. Ja, selbst bei einer Reggae-Party-Größe wie Gentleman gibt es Momente, in denen das Publikum einfach mal die Feuerzeuge rausholt.