Gemeinsam einen Klang bauen

SUSANNE RUDOLPH 11.07.2013
Wieder einmal überwältigte die Sinfonietta des Humboldt-Gymnasiums mit ihrem außergewöhnlichen Niveau. Christoph Kächele dirigierte in der Luther-Kirche auch Dvoraks Sinfonie "Aus der Neuen Welt".

Es gab bei diesem Konzert in der fast voll besetzten Martin Luther-Kirche Passagen, die einem den Atem raubten. Passagen von solch packender Intensität, ruhevoller Zartheit und frappierender Klangschönheit, dass man vergaß, vor einem Schülerorchester zu sitzen. Doch die Sinfonietta des Humboldt-Gymnasiums und der Musikschule Ulm ist geradezu ein Eliteorchester im Jugendbereich, kein Wunder, dass sie vor einem Jahr den 1. Bundespreis beim Deutschen Orchesterwettbewerb gewann.

Das Largo in Antonin Dvoraks populärster Sinfonie "Aus der Neuen Welt" geriet den 36 jungen Musikerinnen und 17 (!) Musikern mit berückend weicher Tongebung, samtenem Streicherklang und staunenswerter Legatokultur zu einem ergreifenden Trauergesang: zweifellos der Höhepunkt des Abends, zu dem auch die viel geforderten Bläser (extragroßes Kompliment dem Englischhorn) mit fein nuancierter Phrasierung beitrugen. Natürlich ließ Dirigent Christoph Kächele seine Meisterschüler auch kraftstrotzend, himmelstürmend und funkensprühend auftrumpfen - Dvoraks "Neunte" verträgt das bestens! -, aber immer band er die klangliche Wucht ein in die Fähigkeit zum Innehalten, zur Stille. Man merkte, wie sehr ihm daran liegt, seinen Schützlingen beizubringen, aufeinander zu hören und gemeinsam einen Klang zu bauen. Welche Schule auch fürs Leben!

Bereits zu Beginn, bei Mozarts feuriger wie auch zart besaiteter "Serail"-Ouvertüre, hatte man eine Ahnung von der Differenzierungskunst der Sinfonietta bekommen. Das folgende melodisch ausdrucksvolle g-Moll-Konzert für Violoncello und Streicher von Georg Matthias Monn (1717-1750), wohl einem der entscheidenden Wegbereiter der Wiener Klassik, wurde zur kostbaren Entdeckung. Solistin Claudia Merkle überzeugte mit kraftvollem Ton und beachtenswerter Virtuosität. Und Sophie Schweitzer, unüberhörbar Schülerin von Bernhard Veil, leuchtete Mozarts Seelenregungen in seinem Klarinettenkonzert mit klangrednerischer Musikalität und farbenreichem Ton aus: heiter und spritzig im Allegro-Kopfsatz, berührend innig im Adagio.

Riesenbeifall, Küsschen und Blumen für die beiden Solistinnen. Dann, am Ende nach Dvoraks Sinfonie, purer Jubel. Schulleiter Klaus-Michael Zinneckers Prophezeihung, "mit Glücksgefühlen nach Hause zu gehen", erfüllte sich.

Info Die Sinfonietta spielt das Programm heute, Donnerstag, 19.30 Uhr, noch einmal in der Martin-Luther-Kirche.