Söflingen Gemeindeplatzfest in Söflingen: Tausche Blumenladen gegen Apotheke

Söflinger im Einsatz: Wolfgang Braun war am Samstag beim Gemeindeplatzfest für die Zubereitung der Schupfnudeln zuständig.
Söflinger im Einsatz: Wolfgang Braun war am Samstag beim Gemeindeplatzfest für die Zubereitung der Schupfnudeln zuständig. © Foto: Lars Schwerdtfeger
LISA MARIA SPORRER 12.09.2016
Die Gemeindeplatzfest-Familie wächst stetig: Aus einer kleinen Hockete ist das wohl beliebteste Stadtteilfest in Ulm entstanden. Das bewies der vergangene Samstag.

Nicht nur Kinder drängten sich zu später Stunde dicht an dicht im Halbkreis vor der Bühne auf dem Gemeindeplatz. Ganz Söflingen schien auf den Beinen zu sein und wippte rhythmisch zur Musik mit, als Melanie Ott mit brennenden Stäben jonglierte und anschließend einen flammenden Reifen ästhetisch um ihre Hüften schwang. Dabei war die Feuershow der Blausteinerin nur eines von mehreren Highlights, die auf dem diesjährigen bereits fünften Söflinger Gemeindeplatzfest geboten wurden.

Ob ein vielfältiges Kinderangebot inklusive Lego-Pavillon der Klötzlesbauer, leckere Speisen, bei denen auch der original Söflinger Rettich nicht fehlen durfte, oder facettenreiche Unterhaltung – „das bedeutet wahnsinnig viel für unser Gemeinschaftsgefühl“, sagte die Organisatorin des Festes, Helena Tajbl. „Wir haben hier keine kommerzielle Veranstaltung“, fügte die junge Mutter an, die das Fest als ihr zweites Kind bezeichnet. „Wir schöpfen hier aus dem Pool“, erklärte sie.

Der Pool – das sind die zahlreichen Unterstützer, Ehrenamtlichen, Freunde und Ladeninhaber, die seit früh morgens beim Aufbau halfen, bei der Bewirtung, bei der Unterhaltung. So stand nicht nur der Kinderarzt Dr. Jochen Steinmacher, obwohl grade erst aus dem Urlaub zurückgekehrt, stundenlang an der Zapfsäule für die Getränke.

„Das gibt es nur bei uns, das nachts der Professor mit dem Kebap-Chef die Tische zusammenklappt“, sagte Tajbl. „Das läuft hier alles Hand in Hand.“ Auch Hans-Peter Grünvogel, der das Tabak- und Schreibwarengeschäft am Gemeindeplatz führt, rührte unentwegt Schupfnudeln um.

Grünvogel gilt als Ideengeber des Fests. Denn als vor fünf Jahren der Gemeindeplatz neu gestaltet wurde, wollte man mit ein paar Bierbänken und etwas Musik die Fertigstellung feiern. „Schon das erste Mal war absoluter Wahnsinn“, erinnerte sich Grünvogel am Samstag. Denn anstatt der angedachten rund tausend Besucher, kamen fünftausend. Schon im zweiten Jahr musste die Straße für das Gemeindefest abgesperrt werden. „Es gibt mittlerweile kein Geschäft hier, das nicht sponsert oder mithilft“, berichtete Tajbl.

„Das Fest hier ist nicht mehr wegzudenken“, sagte auch Ulrike Roßberg, Inhaberin der Raumkultur und zweite Vorsitzende des Handels- und Gewerbevereins, der das Fest offiziell ausrichtet. „Besonders die Tombola kommt gut an“, berichtete sie. Als Neuheit gab es bei der Tombola in diesem Jahr Gutscheine von ansässigen Läden zu gewinnen. „Ich habe schon Leute heute sagen hören: Tausche Blumenladen gegen Apotheke“, freute sich Roßberg über den Austausch, der so zwischen den Menschen stattfinde.

„Und von Anfang an haben wir gesagt, wenn es etwas Größeres wird, brauchen wir auch einen Zweck dafür“, sagte Tajbl. So geht der Erlös des Gemeindeplatzfests an die Aktion 100 000 und Ulmer helft der SÜDWEST PRESSE, die wiederum damit Söflinger Projekte unterstützt. Etwa das Aufschanufhaus, die Schule oder die Nachbarschaftshilfe. Insgesamt 150 Söflinger Familien kam in den vergangenen fünf Jahren schon ein Anteil des Geldes zugute, berichtete Tajbl. Ob dieses vielfältigen Angebots, füllte sich trotz des heißen Wetters ab 15 Uhr der Gemeindeplatz mit Besuchern. Und erst nachdem die Band „Be Rott n Hank“ gegen 22 Uhr ihre Instrumente verstummen ließ, leerte sich der Platz langsam wieder. „Ich hätte nie geglaubt, dass es mal solche Ausmaße annimmt“, sagte die Apothekerfrau Tajbl mit leuchtenden Augen.

Und auch Maßstäbe hat das Fest schon gesetzt: So hat sich, nach der großen Resonanz im vergangenen Jahr, eine Taiko-Trommler-Jugendgruppe gebildet, die am Nachmittag ihr Können zum Besten gab.