Nach Unfall auf A8 Entspannte Stimmung im Bürgerhaus

Menschen warten auf Neuigkeiten im Bürgerhaus Temmenhausen
Menschen warten auf Neuigkeiten im Bürgerhaus Temmenhausen © Foto: Tobias Herrmann
Temmenhausen / Tobias Herrmann 16.02.2018
Freitag morgen im Bürgerhaus Temmenhausen: Etwa 100 Personen harren der Dinge und warten darauf, in ihre Autos zurückzukehren. Die Stimmung lassen sich aber nur die wenigsten vermiesen.

Unter den Gestrandeten im Bürgerhaus Temmenhausen befinden sich Anna und Jan. Die beiden 22-jährigen kamen aus Reutlingen und waren auf dem Weg nach Österreich, als sie mit ihrem Fahrzeug etwa 200 Meter vor dem Tanklaster zum Stehen gekommen sind. Jan schildert die Lage unmittelbar nach dem Unfall so: „Wir haben eigentlich nichts gewusst. Und vorne ist viel Öl und Benzin ausgelaufen.“ Danach sei lange Zeit erst mal nichts passiert. Nach etwa einer Stunde wurden sie dann aufgefordert, ihren Motor abzustellen, „wegen Brand und Explosionsgefahr“, wie Anna erzählt. Wiederum eine Stunde später wurden sie schließlich nach Temmenhausen gebracht. Dort fühlen sie sich aber gut versorgt: “Sehr freundlich die Leute hier. Direkt wurde Essen besorgt“. Die beiden akzeptierten ihr Schicksal und suchten die Schuld bei sich selbst: “Man kann ja auch nichts anderes machen.“, meint Jan, „Wir wollten eigentlich um fünfe los, sind aber erst um viertel nach fünf losgekommen. Das haben wir nun davon.“

„Freiheitsberaubung“

Deutlich kritischer äußert sich dagegen ein Betreuer der Fußballmannschaft TSV Malmsheim, circa 20 Kilometer westlich von Stuttgart. Er war mit einigen Spielern auf dem Weg zum Skifahren ins Pitz-Tal. Den Unfall selbst beschreibt er dabei sehr pragmatisch: „Drei Autos vor uns. Ein Auto hat es geschafft, und wir stehen 100 Meter vor der Unfallstelle.“ Etwas schockiert habe ihn hingegen die Art und Weise, wie sie darüber unterrichtet wurden, dass sie ihr Fahrzeug verlassen müssen. „Sachen nehmen, aussteigen, hier her“. So schildert der Betreuer die Aufforderung durch die Rettungskräfte und spricht von „Freiheitsberaubung“. Generell wünsche er sich eine bessere Kommunikation seitens der Verantwortlichen. „Da könnte sich ja auch mal einer hochbemühen und uns sagen, jetzt dauert es noch zwei Stunden. Dann kann man sich darauf einstellen.“ Seine Spieler dagegen nahmen die Sache etwas gelassener. Inwieweit der angebrochene Kasten Bier eine Rolle spielte, ist dabei ungeklärt.

„Soweit alles in Ordnung“

Ebenfalls zum Skifahren wollten Johannes, Daniel, Eugen und Maik. Die vier Jungs aus Heilbronn und Stuttgart waren auf dem Weg nach Garmisch-Partenkirchen, als sie in den Stau gerieten.
Johannes hat einige sehr interessante Details zu berichten. So seien sie bereits minutenlang in ihrem Wagen gestanden, als ein Jeep aus der Rettungsgasse kam und rechts am Tanklaster die Böschung entlang fuhr. Hinter dem Tanklaster blieb er zunächst kurz stehen. „Vermutlich Splitter in den Reifen, da lag ja jede Menge Zeug rum“, sagt Johannes lapidar. Dann sei der Jeep aber weiter gefahren. Dazu konnten er und seine Freunde auch die Bergung des Tanklasterfahrers verfolgen. Demnach wurde dieser rausgezogen und musste gestützt werden, konnte aber noch laufen. „Soweit alles in Ordnung“, so die Einschätzung von Johannes.

„Die Verantwortlichen wissen selbst nicht, wann es weiter geht“

Einer der bei der Bergung des verunglückten Fahrers geholfen hat ist Thomas aus der Nähe von Karlsruhe. Der 27-jährige ausgebildete Rettungsassistent und Medizinstudent war mit einem Freund auf dem Weg nach Linz, als der Verkehr plötzlich stockte. Vom Unfall haben die beiden zunächst nichts mitbekommen. Da sie aber einen Aufkleber des Roten Kreuzes am Auto hatten, wurden sie von anderen Autofahrern darauf aufmerksam gemacht, dass ein Tanklaster umgekippt war. Daraufhin halfen sie bei der Erstversorgung des Fahrers und sperrten den Unfallort provisorisch ab. Nach Eintreffen des Rettungsdienstes wurden sie später ins Bürgerhaus Temmenhaus gebracht. Thomas äußert Verständnis für die undurchsichtige Lage. „Die Verantwortlichen wissen doch selbst nicht, wann es weiter geht“. Er kenne die Situation aus seiner Zeit als Rettungsassistent und wisse, wie schwierig eine Zeitangabe in solchen Fällen sei.

Große Hilfsbereitschaft

Insgesamt wirkt die Stimmung im Bürgerhaus an diesem Freitagmittag sehr entspannt, wie auch Günther Vetter, der Ortsvorsteher von Temmenhausen, bestätigt. „Wir haben keine Klagen gehört bis jetzt. Die Leute sind alle gut bei Laune“. Dies läge sicherlich an der guten Versorgung, meint Vetter. Er habe am frühen Morgen von der geplanten Evakuierung erfahren und sofort alles in die Wege geleitet. Dafür wurden von der Feuerwehr Dornstadt „Wurstsemmeln und Brezeln“ von einer nahegelegenen Bäckerei in Scharenstetten besorgt, Vetter selbst habe „Kaffee, Milch, Zucker und das Zeug“ ins Bürgerhaus gebracht. Dazu lobt er eine Gruppe freiwilliger Helfer, die ebenfalls ihre PKWs zurücklassen mussten und als erstes im Bürgerhaus angekommen sind. Sie hätten tatkräftig mitangepackt, Tische und Stühle aufgestellt und Brötchen geschmiert. Darüber hinaus sei das Bürgerhaus nicht nur wegen der Verpflegung ideal als Evakuierungsort, wie Vetter mit einem Schmunzeln sagt. Man könne hier schließlich auch „etwas laufen, im Wald spazieren gehen oder Fußball spielen“

Freiwillige helfen bei der Verpflegung
Freiwillige helfen bei der Verpflegung © Foto: Tobias Herrmann

Insgesamt fällt sein Fazit daher sehr positiv aus: „Funktioniert recht gut. Wir haben unser Bestes getan. Und jetzt warten wir halt bis das Ding voll behoben ist und dann geht es weiter.“

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel