Geklöppelt, gehämmert, gezupft

Im Duo: Alena Lipka (links) und Martina Fischer von der Münchner Hochschule für Musik und Theater. Foto: Sophie Krauss
Im Duo: Alena Lipka (links) und Martina Fischer von der Münchner Hochschule für Musik und Theater. Foto: Sophie Krauss
CHRISTA KANAND 12.11.2012
Von Bach bis Piazzolla: Das Festival "Hackbrett.12" bot in Söflingen Workshops, Ausstellung und sechs Konzerte mit diversen Ensembles.

Hackbrett? Das klingt nach Stubenmusi und volkstümlichen Weisen. Vorurteile hin, Gemeinplätze her: Das seit 2006 alle zwei Jahre stattfindende Musikfestival "Hackbrett.12" setzt sich für das verkannte Saiteninstrument ein. Die sechs Konzerte am Samstag waren ein echtes Erlebnis: Etwa 250 Besucher staunten im Saal des katholischen Gemeindezentrums St. Maria in Söflingen über die hohe Kunstfertigkeit und Virtuosität der Musiker, aber auch über die Vielfalt des unverbrauchten Klangkörpers, der vielleicht gerade deshalb bei Jungtalenten hoch im Kurs steht.

Mit Hackbrett.12 scheint das eintägige Festival unter Jörg Lanzingers Leitung - ein Projekt des Landfrauenvereins Weidach, des Hackbrettorchesters Gelbe Saiten und des Vereins Hackbrettforum - alle Klischees abstreifen zu wollen. Das Instrument, dessen Versionen vom kleinen Hackbrett bis zum Kontrabasshackbrett, von der Schweizer bis zur Salzburger Bauart ins Spiel kamen, bietet Möglichkeiten, die die Musikschulen Weidach und Syrgenstein, das Duo Inflagranti oder das Schwäbische Hackbrett-Jugend-Orchester mit der Gruppe Saitenflitzer kurzweilig zu nutzen wussten.

Geklöppelt, gehämmert, gezupft oder aufs Holz geschlagen wurde in Paarungen mit Harfe, Bass oder Gitarre, der Bogen reichte von Alter zu Neuer Musik, von Folklore über Pop zum Jazz. Das Lanzinger Trio mit Komalé Akakpo (Tenorhackbrett), Jörg Lanzinger (Zither) und Reinhard Schelzig (Gitarre) präsentierte brillant gespielte, gewitzte Eigenkompositionen. Erstklassig zwischen Bach und Piazzolla unterwegs waren die Studenten der Münchner Musikhochschule unter Birgit Stolzenburg, der atemberaubend virtuosen Solistin in Enjott Schneiders "Ciacconna mista". Zeitgenössische Horizonte eröffneten Thomas Zollers "automorph Sequenzen" für Quintett und das "Herbst"-Quartett von Piazzolla.

Ergänzt wurden die Konzerte von Instrumentenausstellung, Noten-, CD- und Zubehör-Angebot sowie von Günter Ebels Workshop-Einheiten. Zum Abschluss begeisterten noch einmal die Gastgeber "Gelbe Saiten" mit neuem Programm.

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