Ulm Geht es wirklich nur um Gewinnmaximierung?

Ulm / CHRISTOPH MAYER 16.03.2015
Vertragen sich ethische Grundsätze mit dem Streben nach Gewinnmaximierung? Um die Frage der Verantwortung in Unternehmen und Wirtschaft ging es am letzten Tag der "Ulmer Denkanstöße".

Unternehmen wollen nur eins: fette Gewinne machen. Unternehmen und Verantwortung - geht das also zusammen? Offenbar ja. Das zumindest ist der verhalten positive Eindruck, den man als Zuhörer von den "Ulmer Denkanstößen" im Stadthaus mitnehmen kann. Am Schlusstag der von Stadt, Universität und Sparda-Bank-Stiftung organisierten dreitägigen Veranstaltung zum Thema "Verantwortung" beleuchteten zwei Manager und ein Wirtschaftswissenschaftler das Thema "Verantwortung in der Wirtschaft" - trotz unterschiedlicher Perspektive kamen sie zu einem ähnlichen Fazit.

Auf eine makroökonomische Reise nahm Franz Fehrenbach das Publikum mit. Wen wundert's. Der Aufsichtsratsvorsitzende der Robert Bosch GmbH steht einem Global Player mit weltweit 360.000 Beschäftigten und 65 Milliarden Euro Jahresumsatz vor. Die langfristigen Trends sind klar, sagt der 65-Jährige, der bei Bosch seiner ökologischen Ausrichtung wegen auch gerne mal "der grüne Franz" genannt wird. Die Globalisierung geht munter weiter, Europas (wirtschaftlicher) Einfluss schwindet, die Ökosysteme sind an den Grenzen ihrer Belastbarkeit angelangt. Unternehmerische Verantwortung bedeute, das hektische Tagesgeschäft so zu beherrschen, "dass noch genug Luft bleibt, um die langfristige Entwicklung zu gestalten". Fehrenbach warnte die deutsche Wirtschaft vor Selbstgefälligkeit. Viele glaubten, die Finanz- und Wirtschaftskrise sei ausgestanden, weil es hierzulande gerade brumme. Ein Trugschluss. "Wir müssen Europa insgesamt wirtschaftlicher machen, und das heißt auch: Wir müssen für Europas Entwicklung mithaften. Denn ohne Haftung gibt es keine Verantwortung." Das gelte freilich für alle Beteiligten. Auch für die Griechen. Also bloß kein Schuldenschnitt.

Das Bekenntnis des Familienunternehmers Hans-Werner Utz lautet: "Verantwortungsbewusstes Handeln geht immer vom einzelnen Menschen aus." Deshalb, so glaubt der Vorstandsvorsitzende der Uzin Utz AG, falle es Familienunternehmen auch leichter als Großkonzernen, verantwortlich zu handeln. Mit den vier P's "People", "Planet", "Passion", "Profit" umschreibt der Chef des einzigen börsennotierten Ulmer Unternehmens seine Philosophie. "Gerade weil wir umweltfreundlich und sozial handeln, gewinnen wir Vertrauen und Wirtschaftlichkeit."

Den theoretischen Rahmen lieferte schließlich Prof. Martin Müller, der an der Universität Ulm einen Stiftungslehrstuhl für nachhaltiges Wirtschaften innehat. Sein Vorschlag für eine unternehmerische "Minimalethik", wie er es nannte: Profitmaximierung ist okay, aber nur, wenn ein Unternehmen bereit ist, diese ethisch zu ergänzen. Das setze zum einen die absolute und nicht hinterfragbare Einhaltung der Menschenrechte voraus - also den Verzicht auf Kinderarbeit, Ausbeutung, Umweltschweinereien und Co. Zum anderen müsse jeder im Unternehmen Spielräume für sein Handeln zugestanden bekommen. "Mitarbeiter müssen ethisch verantwortlich handeln dürfen, ohne dafür benachteiligt zu werden."

Kultur nicht nur für Reiche

Spende Der Eintritt zu den Veranstaltungen war frei. Dennoch sind bei den "Ulmer Denkanstößen" 6000 Euro zusammengekommen: 2400 Euro davon aus Spenden, den Rest hat die Sparda Bank draufgelegt. Das Geld kommt dem Verein "Kulturloge" zugute. Er bietet Menschen mit geringem Einkommen kostenlose Karten für Kulturveranstaltungen an.

Infos: www.kulturloge-ulm.de

 

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