Demo Schülermarsch in Ulm: Gegen Hass, für Frieden

Ulm / Beate Rose 12.07.2018
Vom Kuhberg bis zum Marktplatz: Am Donnerstag sind rund 2000 Schüler durch Ulm gelaufen, um ein Zeichen gegen Rassismus zu setzen.

Polizisten, ein Traktor und viele Schüler. Sie alle trafen am Donnerstag um 10.30 Uhr vor dem Scholl-Gymnasium aufeinander. Die Scholl-Schüler wurden zum Schülermarsch unter dem Motto „Ulmer Schüler bewegen (sich) – Gemeinsam gegen Rassismus“ abgeholt. Am Essinger-Gymnasium ist der Marsch gestartet und endete auf dem Marktplatz. Die Essinger-Schüler holten Schüler ab, deren Schulen auf dem Weg lagen, wie die Waldorfschulen, Berblinger-Gemeinschaftsschule, Heuss-Realschule, Hildegard-Schulen, Schubart-Gymnasium.

Die Idee zum Schülermarsch stammt von Schülern des Essinger-Gymnasiums, die sich zu Politikmentoren weitergebildet haben. Eine Truppe von 17 Leuten hat die Demo organisiert, einer von ihnen ist Richard Langer, der gerade seine Abiprüfungen hinter sich hat. Die Organisatoren schrieben alle Ulmer Schulen an, mitlaufen sollten Schüler von der achten Klasse aufwärts. Nicht jeder Schulleiter konnte überzeugt werden. Mit dem Marsch soll ein friedliches Zeichen gesetzt werden gegen Rassismus und gegen „den Hass überall und den Ton der Politiker“, sagt Langer. Der Marsch sollte ohne Trillerpfeifen und nicht aggressiv sein, wünschte er sich im Vorfeld. „Wir sind kein Verdi-Streik.“

Bunte Transparente, Konfetti-Kanonen, die in die Luft gefeuert wurden – so zogen die Schüler am Donnerstag zum Marktplatz. Relativ leise war es auch, abgesehen von jenem Schüler mit Megaphon, der vor jeder Schule die Schüler begrüßte mit „Cool, dass ihr da seid“. Unter Polizeischutz liefen die jungen Leute über die große Kreuzung Ehinger Tor. Hinter dem Schubart-Gymnasium erwies sich der Bahnhofssteg als Nadelöhr, hunderte Schüler kämpften sich mit Transparenten die Treppe hoch.

Zwei, die sich mit einem Transparent abschleppten, waren Mira und Emely, beide 16 und Schülerinnen des Hildegard-Gymnasiums. „We are one“, stand auf dem Transparent. „Das trag’ ich trotz Rückenschmerzen“, sagte Mira. Zu wichtig ist ihr die Botschaft von „Frieden und so“.

Auf dem Marktplatz liefen die Schüler, mittlerweile rund 2000,  kurz nach 11 Uhr ein, unter Musik der Band „ninghteen market place“. Auf der Bühne griffen junge Leute zum Mikrofon, die sich darauf vorbereitet hatten wie auch spontane Redner.

Richard Langer hatte sich vorbereitet. Er prangerte die Sprache des bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder an, der von „Asyltouristen“ spricht. „Es ist respektlos, Asylsuchende mit Urlaubern gleichzustellen.“ Die Teilnehmer des Schülermarschs „wollen zeigen, dass wir nicht so denken“. Applaus für Langer. Viel Beifall erhielt auch Omar Jouini (22), Schüler der Valckenburgschule. Für ihn ist Rassismus mehr als „der ostdeutsche Ronny, der Angst um seinen Arbeitsplatz hat. Rassismus ist auch, wenn Lehrer sagen, Hatice sollte besser auf die Realschule gehen statt aufs Gymnasium.“

Unter anderem war den Schülern der Valckenburgschule die Teilnahme am Marsch nicht genehmigt worden. Eine Stellungnahme von der Schulleitung war am Donnerstag nicht zu bekommen.

Warum läufst du mit?

Yassine Haoud, Schüler des Anna-Essinger-Gymnasiums mit deutschen und algerischen Wurzeln: „Rassismus ist ein Thema das mich persönlich betrifft. Ich bin begeistert, wie viele hier mitlaufen.“

Duran Enkas, Schüler der Fachoberschule Neu-Ulm mit türkischen und kurdischen Wurzeln: „Die Rechten werden mehr und stärker, dagegen kämpfen wir. Geht es um Antirassismus, bin ich dabei.“

Richard Langer, Schüler des Essinger-Gymnasiums und Mitorganisator des Marschs: „Wir zeigen, dass wir besser miteinander umgehen als Politiker, die in ihren Reden nur Hass thematisieren.“

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