Ulm Gefährlicher Keim: Klinikpersonal als Überträger?

CHRISTOPH MAYER 18.06.2016
Die Ausbreitung des hochgefährlichen Keims"Acinetobacter baumannii" am Uni-Klinikum scheint gestoppt. Bis auf drei in Quarantäne liegende Patienten sind keine weiteren befallen. Ihre Lage bezeichnete das Klinikum als stabil.

Bei der vom hochresistenten Keim „Acinetobacter baumannii“ heimgesuchten Station des Uni-Klinikums (wir berichteten) handelt es sich um die Intensivstation der Inneren Medizin auf dem Oberen Eselsberg mit zwölf Betten. Erstmals festgestellt wurde der Keim am 29. Mai bei einem Patienten, der aufgrund seiner Erkrankungen als Risikofall galt und daher, wie in solchen Fällen üblich, getestet wurde, sagte der Leitende Ärztliche Direktor des Klinikums, Prof. Udo Kaisers gestern anlässlich einer Pressekonferenz.

Obwohl der Patient sofort isoliert worden sei, gab es Anfang Juni zwei weitere Übertragungsfälle – es wurde der selbe Erregerstamm nachgewiesen. Die drei seither auf einer abgeriegelten Station in Quarantäne liegenden Patienten seien zwar mit dem Keim besiedelt, nicht aber daran erkrankt, betonte Kaisers. Doch selbst wenn der Keim bei einem Patienten direkt keine Krankheit auslöse, sorge er doch dafür, dass andere Erreger resistent werden, so dass sie mit Medikamenten nicht mehr behandelt werden können.

Die übrigen neun Patienten der Intensivstation seien mehrfach auf den Keim untersucht worden, mit stets negativem Ergebnis. Erst als am Donnerstag festgestanden habe, dass keiner den Keim in sich trage, habe man diese Patienten auf andere Stationen verlegt. Die leergeräumte Intensivstation der Inneren Medizin wird nun grundgereinigt. Nächste Woche soll sie wieder geöffnet werden. Kaisers versicherte: „Keine andere Station des Klinikums ist betroffen, die Versorgung läuft ungestört.“

Auch wenn offen ist, wie sich der zweite und dritte Patient anstecken konnten, spreche einiges dafür, dass die Übertragung durch Klinikpersonal stattgefunden habe, sagte die Chefin der Klinikhygiene, Prof. Heike von Baum. Trotz hoher Hygienestandards seien solche Übertragungen gerade auf Intensivstationen, wo viel parallel gearbeitet werde, nicht zu hundert Prozent vermeidbar.

Das überall vorkommende Bakterium “baumannii“ kann auch ausgetrocknet wochenlang überleben und ist gegen fast alle Antibiotika resistent. Für Gesunde ist der Keim ungefährlich. In deutschen Kliniken werden jährlich bis zu 14 Fälle angezeigt. In Ulm war es der erste Fall.