Dass der mittelalterliche Italiener auch dem modernen Ulmer noch einiges zu sagen hat, dies zu beweisen übernahm dann Stefana Sabin. "Dante auf 100 Seiten" heißt das kleine Büchlein, das die Autorin bei Reclam herausgebracht hat (5 Euro, 103 Seiten). In sieben Kapiteln widmet sie sich Leben, Bedeutung und Wirkung Dantes und seines großen Werks, der "Göttlichen Komödie".

Dass der Dichter auf der Flucht gewesen sei, dass jemand schon im 14. Jahrhundert von einer Volkssprache träumte, das habe sie fasziniert, sagt Sabin: "Die Geschichte der italienischen Sprache beginnt mit der Komödie." Sogar unser deutscher Ausdruck "Muttersprache" geht auf Dante zurück; denn sein berühmtes Werk fasste er eben nicht in gelehrtem Latein ab.

"Göttlich" sei diese Komödie allerdings höchstens im modernen, aber sicher nicht im theologischen Sinne, so die Autorin. Verantwortlich für das irreführende Adjektiv ist niemand anderer als Boccaccio, der wie viele andere Fans dafür sorgte, dass das Werk vervielfältigt wurde und wirken konnte. Das nämlich tut es bis heute: Unsere Vorstellung von der Hölle etwa sei wesentlich von der "Komödie" geprägt, sagte Sabin, die gerne mal gefragt wird, ob man nicht auch ohne Dante leben könne. "Vielleicht kann man - aber wozu?"