Ulm / Matthias Stelzer

Öffentlicher Raum, Grünanlagen,  Schattenbänke oder gar freie Stühle sind für Aufenthaltsqualität und den Erlebniswert einer Stadt im Sommerhalbjahr von großer Bedeutung. Sie geben ihr idealerweise ein freundliches Gesicht, der Innenstadt ihre Identität. Als Markenzeichen nach innen und außen.

In Ulm und anderswo ist der städtische Raum heute aber undenkbar ohne ausreichend Außengastronomie. Cappuccino im Freien, das Feierabendbier am Straßenrand. Ein bisschen mediterranes Flair muss schon sein. Ulm wird bei Temperaturen von 15 Grad aufwärts längst von öffentlichen und privaten Akteuren geprägt. Kurz: Der Sommer in der Stadt ist eine Koproduktion. Und somit eine Frage der Balance.

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Gastronomen müssen im Sommer Außensitzplätze anbieten können. Das ist für sie eine Frage der Wirtschaftlichkeit. Dennoch braucht die Stadt auch noch ruhige Ecken, die ohne den Zwang zum Konsum für alle Ulmer und ihre Gäste zugänglich sind. Orte, an denen man das von Zuhause mitgebrachte Vesper essen, einfach mal ein Buch zur Hand nehmen oder am Abend auch mal ein Wegbier trinken kann.

Konsum und Freiraum

Nur so kann eine – zugegebenermaßen kleine – Großstadt ihrem sozialen Auftrag nachkommen. Ulm muss den Ausgleich zwischen Konsum und Freiraum finden. Muss Ordnung schaffen und Unordnung ertragen. Das erfordert die Urbanität – gerade im Herzen der Stadt. Deshalb ist es richtig, dass die Stadtverwaltung sich aufgemacht hat, am südlichen Münsterplatz für das ausgewogene Zusammenspiel zwischen Freiraum und Gastro-Interessen zu kämpfen. In Ulm gibt es inzwischen fast 300 Betriebe, die ihren Teil am öffentlichen Raum beanspruchen. Tendenz steigend. Da kann und darf die Stadt nicht alle Wünsche erfüllen. Zumal Verwaltung und Gemeinderat nicht im Verdacht stehen, bisher besonders rigide zu sein. Das zeigt schon der Blick auf die Gebührenordnung. Im Vergleich zu anderen baden-württembergischen Großstädten sind die Außenbestuhlungs-Kosten (360 bis 1800 Euro je 50 Quadratmeter und Lage für sieben Monate) sehr verträglich.

Das ist mehr als fair. Und eine gute Grundlage, um den Sommer in der Stadt so zu gestalten, dass die Gastronomen nicht Hunger leiden und Bewohner Ulms nicht zwischen Stuhl- und Tischbeinen umherstolpern müssen.

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