Er hat in den vergangenen Wochen viele existenziellen Notlagen gesehen. Oberbürgermeister Gunter Czisch ist seit Beginn des Shutdowns auch Ober-Verordnungsempfänger des Landes und oberster Kummerkasten für all jene, die in der Corona-Krise um ihre wirtschaftliche Zukunft strampeln. Besonders hart hat es die Tourismuswirtschaft, Hotels und Gastronomie getroffen. „Da reden wir von existenziellen Notlagen, vom sprichwörtlichen Überlebenskampf“, sagt Czisch.

Es muss eine klare Perspektive für die Wirte her

Eine Situation, die der Oberbürgermeister nun verbessern will. „Für uns als Stadt Ulm ist es wichtig, dass es da weitergeht.“ Es drehe sich letztlich auch „um die Aufenthaltsqualität in der Stadt und um das urbane Leben, wie wir es kennen und schätzen.“ Deshalb hält Czisch es für dringend erforderlich, dass dem Gastgewerbe am Mittwoch bei der nächsten Absprache von Bundeskanzlerin Angela Merkel mit den Ministerpräsidenten eine „klare Perspektive“ eröffnet wird.

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Oberbürgermeister fordert einen Schulterschluss

Da die Gastronomie aber allenfalls kontrolliert öffnen darf und die Beschränkung der Gästezahl bei kleinen Betrieben weiterhin die Wirtschaftlichkeit gefährdet, will Czisch einen Runden Tisch einrichten. Vertreter von Gastronomie, Hotellerie und Tourismusbranche sollen dort gemeinsamen mit Gesandten der Gemeinderatsfraktionen um den Weg zurück und „Perspektiven für eine Normalität der Branche“ ringen. „Wir brauchen da jetzt einen Schulterschluss“, sagt der OB.

Mehr Sitzplätze im Freien sollen Umsätze stützen

Er meint damit nicht nur die Gemeinsamkeit von Gastronomie und Verwaltung, sondern auch ein Commitment der Stadtgesellschaft. Denn Czisch hält die Außengastronomie für einen „wichtigen Schlüssel zur Unterstützung der Branche“. Sein Vorschlag: Die Gastrobetriebe sollen für einen bestimmten Zeitraum ihre Sitzplätze im Freien aufstocken dürfen, um Umsatzeinbußen in den Lokalen zu kompensieren. „Mehr Plätze im öffentlichen Raum heißt mehr Umsatz. So können wir helfen“, sagt der Oberbürgermeister. Und warnt zugleich vor unbegrenzten Erwartungen. „Das hängt dann immer auch von örtlichen Begebenheiten ab und ist im Einzelfall zu prüfen.“ Davon unabhängig mahnt Czisch die Unterstützung der Stadtbürger an: „Ich setze da auf die Solidarität der Anwohner, Fußgänger und Radfahrer.

Dehoga-Vorsitzende freut sich über Initiative Czischs

Bei Karin Krings, der Vorsitzenden des Ortsverbands des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands, rennt der OB offene Türen ein. „Ich sage ja schon eine Weile, dass es möglich sein müsste, Biergärten aufzumachen“, sagt sie. Die Idee der vorübergehenden Ausdehnung der Außengastronomie findet die Hotelbesitzerin deshalb richtig. Ebenso wie einen Runden Tisch, den sie nun „möglichst breit gefächert“ besetzt und dennoch effektiv sehen will.

Der Zustand der Gastronomie wird langsam ein Alptraum

Letzteres ist auch Lino Reccia wichtig, für den der Zustand der Kneipenlandschaft „so langsam ein Alptraum“ ist. Der Gastronom koordiniert in Ulm die Aktion „Leere Stühle“, mit der die Wirte auf ihre Situation aufmerksam machen. Die Idee des Oberbürgermeisters findet er „super geil“. Eine Einladung zum Runden Tisch hat er bereits angenommen.

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Am Freitag wieder leere Stühle vor dem Münster


Aktion Wer sich ein Bild der Situation der Ulmer Gastronomen machen will, kann das am Freitag auf dem Münsterplatz tun. Von 11 Uhr an werden dort die etliche Wirte wieder mit ihren leeren Stühlen aufkreuzen. Organisator Lino Reccia kündigt an: „Es werden sicher über 40 Betriebe da sein.“