Ulm Gary Clark jr. und Band im Ulmer Zelt

Ein Klasse-Gitarrist, der nicht nur im Blues neue Wege sucht: Gary Clark bei seinem Gastspiel in der Friedrichsau.
Ein Klasse-Gitarrist, der nicht nur im Blues neue Wege sucht: Gary Clark bei seinem Gastspiel in der Friedrichsau. © Foto: Martina Dach
HELMUT PUSCH 13.06.2016
Eric Clapton lädt ihn zu seinem Crossroads-Festival, Barack Obama ins Weiße Haus. Im Ulmer Zelt spielte er vor 800 Zuhörern: Gary Clark.

Texas-Gitarren-Legende Jimmie Vaughan förderte das Talent, Eric Clapton lädt den Musiker gerne zu seinen Crossroads-Festivals, die Rolling Stones, Paul McCartney, Jay-Z, Jimmy Page, Alicia Keys,  Dave Matthews, Roger Waters, Sheryl Crow und Jeff Beck, teilen mit ihm die Bühne und das Studio, Und als US-Präsident Barak Obama Gary Clark zusammen mit Mick Jagger, Beck, B.B. King und Buddy Guy beim Konzert zum 100. Geburtstag des Jazz im Weißen Haus gehört hatte, prophezeite er: „Er ist die Zukunft des Blues.“

Jetzt machte diese Zukunft des Blues Station im kleinen Ulmer Zelt, das allerdings nicht ausverkauft war. Und pünktlich kamen Clark und seine drei Mitmusiker auf die Bühne und starteten mit „Bright Lights“, „Travis Country“, dem „Next Door Neighbour Blues“ und „Cold „Blooded“. Erst danach gab’s ein kurzes Hallo. War das jetzt cool oder lustlos? Die Frage sollte auch im Laufe des Abends nicht so richtig beantwortet werden. Ebenso wenig wie jene, warum Clarks Gitarren-Gegenpart Eric Zapata beim Gastspiel im Ulmer Zelt ganz offensichtlich etwas indisponiert war, in Sachen Timing einiges verschluderte, das aber mit zwei brachial aufgedrehten Fender Twin-Reverb-Verstärkern (!) tun musste.

Trotz des manchmal grenzwertigen Sounds demonstrierte Gary Clark, was ihm so viel Anerkennung einbringt, und das ist jede Menge: Der Mann ist zum einen ein hervorragender Sänger, der auch im Falsett ein wunderbares Vibrato hat. Und Clark ist ein Gitarrist, der auch jenseits der Pentatonik des Blues zuhause ist. Wobei das mit der Zukunft des Blues so eine Sache ist, denn Clark lebt musikalisch eigentlich in der Vergangenheit. Was heute nach Aufbruch klingt, klang auch schon vor 40 Jahren so – allerdings nicht im Blues, sondern im Rock, der damals noch seine Grenzen auslotete, auch mal experimentell klang, mit dem Jazz kungelte und solche Gitarrengrenzgänger wie Larry Coryell, Philip Catherine, Al De Meola oder John McLaughlin hervorbrachte. In diesen Gewässern wirft auch Clark seine Netze aus, wenn er auf der Basis seiner Blues und Funk-Titel zur Improvisation schreitet.

Nach 80 Minuten war zunächst Mal Schluss im Zelt, doch das begeisterte Publikum erklatschte sich noch weitere 20 Minuten Zugaben. Und da gab es mit „Healing“ am Schluss doch noch ein richtiges Bonbon mit einem wirklich mitreißenden Solo, bei dem sich Meister Gary Clark noch einmal richtig reinkniete. Auch cool.