Von einem Experiment sprach Henning Wehland zum Start seines Konzerts im Fiddler's Green in Pfaffenhofen. Ein Experiment, das für ihn nicht weniger bedeutet als runter von den großen Bühnen, weg von den lautstarken Gigs mit H-Blockx oder der wohligen Gemeinschaft bei den Söhnen Mannheims. Dafür mit minimalistischer Begleitung rein in die Kneipe, ganz nah an die Fans. Fast wie einst zu Beginn mit H-Blockx bei den ersten Gigs in Jugendzentren.

Und das Experiment funktionierte schon beim ersten Stück. Bei "Tausend und eine Umdrehung" sangen die Kneipenbesucher auf Anhieb den Refrain mit. Als wären die Lieder schon immer da gewesen. Eingängige Songs, lässige Grooves, wie aus dem Ärmel geschüttelt. Das klang mal nach französischem Chanson, mal nach einem schleppenden Südstaaten-Riff, oder endete in wildem Balkan-Beat mit der Aufforderung "Tanz um dein Leben". Alles Songs von seinem Soloalbum "Der Letzte an der Bar", das im Frühjahr 2016 erscheinen wird.

Die Idee eines Soloalbums hatte Wehland schon zu Zeiten, als die H-Blockx noch das große Ding waren. So richtig ernst waren die Pläne aber nie, erzählt er. Immer wenn es zu stressig wurde, dachte er sich: "Dann mach ich es halt alleine!" Außerdem seien seine Songs und die Texte damals ganz andere gewesen. Jetzt, so meint Wehland, stehe er in der Mitte seines Lebens. Ein guter Zeitpunkt, um etwas Neues zu beginnen. Denn umtriebig war der Mann schon immer. Barbesitzer, Management-Agentur, Produzent, Musikberatung und Juror bei der Casting Show "The Voice Kids".

Irgendwann wurde selbst ihm das alles zuviel und er nahm sich eine Auszeit in den USA. Dort reifte die Idee zu etwas Eigenem: Geschichten zu erzählen mit deutschen Texten.Ihm war klar - wenn erste Soloauftritte, dann eine richtige Kneipentour. Dass es beim Tour-Auftakt auf Anhieb so gut klappte, lag auch an seinen Mitmusikern. Pascal Kravetz glänzte an Keyboards, Gitarre und Gesang gleichermaßen, Jörg Dartmann agierte variationsreich an den Drums. Musikalische Unterstützung kam vom Kassler Hip-Hop-Duo Unterwegs und dem 13-jährigen Schlagzeugtalent Nico Kolb aus dem Westallgäu, den Wehland bei einer Casting Show entdeckt hatte. Alle zusammen machten das Fiddler's Green Pub mit Montell Jordans 90er-Klassiker "This Is How We Do It" zur Partyzone.

Bereits während seiner Zeit als Juror der "Voice Kids" sei er beeindruckt gewesen, mit welcher Selbstverständlichkeit viele junge Leute auf die Bühne gingen, sagte Wehland. Er selbst habe sich das in diesem Alter nie getraut. Im Gegenteil, mit 13 habe er unter Tränen seine erste Band verlassen, weil er glaubte, nicht gut genug zu sein. Er habe seinen Eltern immer beweisen wollen, dass er es auch ohne Studium zu etwas bringen kann. Sorgen um seine Solokarriere muss sich Wehland heute nicht machen, nicht nach seinem bejubelten Auftritt in Pfaffenhofen.