Ulm/Neu-Ulm Ganz großes Kino - Die Kinoszene in Ulm und Neu-Ulm

MAGDI ABOUL-KHEIR 11.12.2013
Mit dem Xinedome wurde vor zehn Jahren ein zweites Multiplex in der Doppelstadt eröffnet. Die Kinoszene hat sich seitdem geordnet: Außer dem Xinedome werden alle Filmtheater von Roland Sailer betrieben.

"Findet Nemo" war der Abräumer in den Kinos, als am 12. Dezember 2003 das Xinedome als zweites Multiplex in der Doppelstadt eröffnete. Mit gleich sechs Kopien lief der Animationsfilm damals in Ulm und Neu-Ulm: in drei Sälen des Dietrich, dazu im Xinedome, in der Lichtburg und den Kammerlichtspielen. Geht so viel Kino gut? Das wurde damals gefragt. Es ist letztlich gut gegangen, aber in den zehn Jahren hat sich in der hiesigen Kinoszene einiges verändert.

Außer den oben genannten Lichtspielhäusern gab es vor zehn Jahren auch bereits das Mephisto und das Obscura mit jeweils zwei Sälen. 2007 gingen dann in den Kammerlichtspielen die Projektoren aus, so wie in Jahrzehnten davor schon Namen wie Capitol, Gloria, Bambi und Gloriette, Scala, Roxy, City und Central aus der Ulmer Kinogeschichte verschwunden waren. Dafür vergrößerte sich das Dietrich weiter, auf elf Säle; das Xinedome hat acht.

Ebenso bedeutsam waren die Betreiberwechsel. Neben der Münchner Union Filmtheater GmbH der Familie Englberth (Xinedome) und der Sailer GbR (Dietrich, Obscura) mischte zuletzt noch das Kinobüro Augsburg in Ulm mit. Doch übernahm Roland Sailer 2011 zunächst die Lichtburg und in diesem Sommer auch noch das Mephisto von den Augsburgern, sodass sich jetzt nur noch zwei Betreiber den Markt in Ulm und Neu-Ulm teilen. Insgesamt gibt es derzeit 24 Kinosäle mit knapp 5500 Plätzen.

Die Marktbereinigung hat für den Kinogänger Folgen. Denn neben der Konkurrenz der Multiplexe Dietrich und Xinedome in Sachen Blockbusterfilme mischte früher auch das Kinobüro Augsburg mit der Lichtburg zuweilen auf dem Markt mit (etwa bei "Harry Potter" oder "Sex in the City"). Zudem beharkten sich die Augsburger und Sailer auf der Arthouse-Schiene, also im Sektor anspruchsvoller Werke. Die Folge: Manche Filme wurden in der Doppelstadt auf zu vielen Leinwänden gespielt, der Markt kannibalisierte sich selbst, und andere, kleinere Filme hatten überhaupt keine Chance, gezeigt zu werden.

Diese Situation hat sich jetzt etwas verändert. Seit Roland Sailer Lichtburg und Mephisto übernommen und das Dietrich erweitert hat, besitzt er im wahrsten Sinn des Wortes mehr Spielräume: "Die Auswertung läuft entspannter und besser. Die Arbeit in der Disposition ist für uns angenehmer geworden." Auch die "Doppelspielerei" im Arthouse-Sektor gehöre weitgehend der Vergangenheit an.

Wenn Sailer nun den zweiten "Hobbit"-Film wegen der vielen Fassungen - HFR, 3D, 2D, Originalsprache - in drei bis vier Sälen spielt, "tut mir das nicht weh", und er macht sich natürlich nicht noch selbst Konkurrenz durch die Lichtburg. Der Wettbewerb mit dem Xinedome bleibt freilich bestehen - dort wird der "Hobbit" ebenfalls in drei bis vier Sälen laufen.

Denn Absprachen zwischen den Multiplexen sind nicht denkbar. Sailer sieht das mit der Gelassenheit desjenigen, der 16 von 24 Sälen in der Doppelstadt betreibt: "Wir wollen und werden alles spielen, und das Xinedome kann mitspielen." Julia Uchtmann, Theaterleiterin des Xinedome, hat auch wenig Lust auf Nettigkeiten und spricht von "einem Nebeneinander, keinem Miteinander" mit dem Dietrich.

Der Markt sei in der Region aber "groß genug für uns beide", sagt Julia Uchtmann. Sie rechnet für 2013 mit an die 450.000 Besuchern im Xinedome und sieht das als Beleg dafür, dass sich ihr Haus in den zehn Jahren etabliert hat: "Wir sind ein Name in Ulm." Aufgrund der zentralen Lage am Hauptbahnhof werde das Xinedome besonders von Schülern und Teenagern geschätzt. Während das Xinedome, was das weitere Einzugsgebiet betrifft, viel Kundschaft aus dem Alb-Donau-Kreis hat, fahren Kinofans aus dem bayrischen Umland zahlreich nach Neu-Ulm ins Dietrich.

Roland Sailer geht davon aus, dass das Dietrich, dessen 20-jähriges Bestehen im Juli gefeiert wurde, 2013 wieder eine gute halbe Million Besucher zählen wird. Insgesamt kommen Ulm und Neu-Ulm damit auf mehr als eine Million verkaufter Kinotickets pro Jahr.

Kommentar: Kinos in Ulm und Neu-Ulm: Nachfrage ist da