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Bahnhofstraße
Ulm / Julia Kling  Uhr
Das Sparprogramm der Warenhauskette Galeria Karstadt Kaufhof wirkt sich auch am Standort Ulm aus. 24 Mitarbeiter müssen das Unternehmen verlassen. Der Betriebsrat mahnt eine Zukunftsstrategie an.

Wut, Ohnmacht, Enttäuschung, Zukunftsangst. Diese Worte kommen Claudia Bender, Betriebsratsvorsitzende der Ulmer Galeria Kaufhof-Filiale, als erstes in den Sinn, wenn sie über die derzeitige Stimmungslage der Belegschaft spricht. Der Grund: Im Rahmen eines „Restrukturierungsprogramms“ sollen innerhalb des Konzerns Galeria Karstadt Kaufhof, dem Vernehmen nach mehr als 2000 Stellen abgebaut werden. Am Standort in der Hirschstraße müssen 24 Mitarbeiter gehen. Die verbleibenden müssen laut Bender mit Lohnkürzungen rechnen. „Dieser Sparkurs ist existenzgefährdend“, sagt sie.

Kündigungen ab Juli

Von dem geplanten Stellenabbau haben die 148 Angestellten Mitte Mai während einer Betriebsversammlung erfahren. Noch bis Ende Juni können sich Kollegen melden, die das Unternehmen freiwillig verlassen und dafür eine Abfindung erhalten. „Das ist nicht mehr als ein Taschengeld“, sagt Bender. Finden sich nicht genügend Mitarbeiter, müsse der Betriebsrat gemeinsam mit der Geschäftsführung nach einem Sozialplan entscheiden, wem betriebsbedingt gekündigt wird. „Ab Mitte Juli werden dann Kündigungen ausgesprochen.“

Der Schritt sei aufgrund der wirtschaftlichen Situation notwendig, heiße es von Seiten des Konzerns. Betroffen sind in Ulm alle Ebenen, erklärt Bender. „Von den Führungskräften bis zu den normalen Mitarbeitern.“ Eine Hie­rarchieebene werde komplett abgeschafft. „Die vier Kollegen sind alle über 55 und seit über 30 Jahren im Unternehmen“, berichtet Bender, die selbst seit 41 Jahren bei Kaufhof arbeitet.

Unsicherheit belastet

Das lasse auch sie und ihre Kollegen im Betriebsrat nicht kalt. „Wir als Gremium sind hilflos. Du kannst für deine Leute nichts mehr tun.“ Am Standort habe man sich immer als Familie verstanden. „Ich bin stolz, wie unsere Leute bisher zu dem Laden stehen.“ Die derzeit herrschende Unsicherheit sei jedoch zur Belastung geworden. „Die Leute müssen die Zeche zahlen für Fehler, die das Management verantwortet.“

Im Rahmen des Restrukturierungsprogramms sollen künftig auch die Arbeitsbereiche Verkauf, Kasse und Warenservice strikt getrennt werden, berichtet Bender. „Bislang konnte jeder überall arbeiten, je nach Bedarf.“ In Zukunft solle jeder Mitarbeiter einem Bereich zugeteilt sein. „So geht Flexibilität verloren, und der Kunde muss sich darauf einstellen, dass nicht mehr auf jedem Stockwerk eine Kasse steht.“

Online-Handel größte Konkurrenz

Bender sieht wohl, dass gerade der Online-Handel zur größten Konkurrenz der Kaufhauskette geworden ist. „Aber ich kann doch nur mit Service und Beratung dagegen ankommen.“ Wie der Konzern der Konkurrenz aus dem Internet künftig begegnen und Umsatz generieren wolle, sei nicht bekannt, erklärt Bender, die auch Mitglied des Gesamtbetriebsrats ist. „Eine Antwort steht immer noch aus.“

Filialleiter Kevin Manski macht keine Aussagen zur aktuellen Lage und verweist an die Pressestelle des Konzerns, die sich jedoch auch ausschweigt.

Die Ursachen für die Probleme der Kaufhauskette sieht die Betriebsratsvorsitzende zum einen in Mieterhöhungen, die der ehemalige Inhaber HBC, dem auch die Immobilien gehörten, von den eigenen Filialen einforderte. Zum anderen macht sie eine verfehlte Sortiments- und Rabattpolitik aus. „Es kann nicht sein, dass bei uns im Regal die Ware fehlt, aber der Kunde sie in unserem Online-Shop bestellen kann.“ Die vergangene Woche bekannt gewordene Aufkündigung der Kooperation mit dem Bonussystem Payback sei ein weiterer Fehler. „Viele Kunden kommen auch deshalb zu uns“, erklärt eine Kollegin aus dem Betriebsrat.

Auch Gewerkschaftssekretär Rainer Dacke ist überzeugt, dass die Beschäftigten, die Folgen der „desaströsen Unternehmenspolitik der Eigner mitbezahlen“. Es dränge sich der Verdacht auf, dass es den Investoren lediglich um die Innenstadt-Immobilien und nicht um den Erhalt der Warenhäuser gehe.

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Übernahme in Etappen

Fusion: Im November 2018 schlossen sich die Ketten Karstadt und Kaufhof zusammen. Seither hielt der österreichische Immobilieninvestor und Karstadt-Eigentümer René Benko mit der Signa-Gruppe 50,01 Prozent der Anteile, 49,99 Prozent die kanadische Hudson’s Bay Company. (HBC). Anfang der Woche teilte Benko mit, die HBC-Anteile zu übernehmen.