Ulmer Zelt Gästetreffen von Patrick Wieland im Ulmer Zelt begeistert

Ulm / Udo Eberl 12.06.2017

Da ist ein großer Traum wahr geworden. Ich bin der glücklichste Mensch auf Erden“, sagt der Ulmer Gitarrist Patrick Wieland und schaut noch immer etwas ungläubig.

Aber ja, Wieland stand gerade eben noch als Gastgeber mit einem Andrew Roachford gemeinsam auf der Bühne des Ulmer Zelts. Einem echten Star des britischen Soul und Pop, einem, der in Deutschland vielleicht immer nur auf seine Hits reduziert wurde und doch viel mehr ist. Für Patrick Wieland gehört Roachfords 94er-Album „Permanent Shade of Blue“ noch immer zur persönlichen Top Ten. „Ich kam gerade nach Ulm, als die Platte veröffentlicht wurde und hörte sie wirklich jeden Tag“, erinnert sich der überzeugte Soul-Mann, der ein Dauerstrahlen aufsetzte, nachdem er Roachfords Zusage für dieses einmalige Gästetreffen in der Tasche hatte.

Ein einziger Probentag

Natürlich weiß einer wie Wieland, dass eine Stunde Konzert mit nur einem Probentag im Vorfeld „immer auch ein Drahtseilakt ist“. Die Musiker der Gästetreffen-Band – allesamt gestandene Profis – hatten sich einzeln auf die von Roachford ausgesuchten Songs vorbereitet, doch bei den Proben in der Ulmer Kradhalle sollte schon bald alles wie aus einem Guss klingen. „Wir fühlten uns wie beim Gottesdienst in einer Gospelkirche. Da war so viel Spirit zu spüren, und diese Art der Black Music setzt in mir so viele Emotionen frei“, sagt Wieland, der sich vom extremen Lob des 52-jährigen Sängers für die deutschen Musiker mehr als geehrt fühlte. Flo Mega, der mit der Band bereits donnerstags seine Lieder einstudiert hatte, war nach der Roachford-Probe auch mehr als baff.

Beim Konzert im Zelt dann allerdings nicht mehr. Nach einem „musikalisch meditativen Mantra“ mit herrlich singender Gitarre enterte Flo Mega die Bühne. „Endlich wieder Zuhause“, artikulierte er seine Bühnenlust und sollte fortan nicht nur mit besonderem deutschsprachigen Soul, sondern auch mit reichlich abgefahrenen, schräg gelegten Ansagen für Aufmerksamkeit sorgen.

„Flo ist so ein sensibler und besonderer Typ. Er wird niemals den leichten Weg gehen, um erfolgreich sein zu können. Vielleicht schätze ich ihn deshalb so sehr“, erklärte Patrick Wieland, der gerade Megas drittes Album produziert. „Er ist im deutschen Soul eine Stimme, die wir unbedingt brauchen.“

Live gab’s zunächst einen musikalischen „Filmriss“, die Aufforderung „Wer mich mag, kommt mit“  und Frequenzsprünge in unsicheren Zeiten, in denen man sich nur noch auf sein Bauchgefühl verlassen könne. Und natürlich auf „gute Energie, Kraft und gutes Leitungswasser“.

Davon gab’s im und am Zelt reichlich, deshalb wurde auch schon ein neues Stück vom „streng geheimen“ künftigen Album serviert. Alles nicht durch die Blume, sondern direkt. Der prähistorisch denkende Weltempfänger und fluffige Hotel-Minibar-Leerer machte auch mit Rub-a-Dub, extrem flottem Dancehall, richtig Party, und prophezeite, dass „Hinter dem Burnout“ das Paradies liegt. „Zurück“ war er allemal – polarisierend zudem.

Keinerlei geteilte Meinungen gab’s nach dem Auftritt von Roachford. Da ging die Sonne auf. Der Mann, der mit seinem Bruder im Sprinter von der Insel angereist war, legte keinerlei Müdigkeit vor, solierte cool am Keyboard und zeigte, wie unschlagbar gut er bei Stimme ist. Das war im Konzert nicht weniger als ein Quantensprung.

Die Band zog so befeuert noch einmal richtig an, der Frontmann spürte schnell, dass er sich im Live-Modus nicht eine Sekunde um seine Lieblingssongs und Hits sorgen musste. Die waren beim „Voice of Germany“-Gitarristen Patrick Wieland, dem Keyboarder Martin Meixner, Drummer Hendrik Smock und Bassist Martin Stumpf in besten Händen. Die überzeugten Roachford-Fans spielten auf Soul-Wolke 7, immer angetrieben vom breiten Strahlen des Sängers.

Nur die eigenen Songs

Andrew Roachford steht bekanntlich auch als singender Dienstleister am Mikrofon der Band „Mike and the Mechanics“ mit dem Genesis-Bassisten Mike Rutherford. Hier ging’s fast nur um seine Songs. „I Get High“ und „The Way I Feel“, ganz stark die Interpretation von „Family Affair“, ganz am Ende natürlich auch Hit-Knaller wie das ewig junge „This Generation“ oder Roachfords erster großer Hit „Cuddly Toy“ und final „Only To Be With You“.

Er genoss das sichtlich und fühlbar. So voll hatte er seinen Konzert-Part gestopft, dass wegen der Nachbarn das Konzert leider ohne Zugabe enden musste. Aber man hatte bei diesem zweiten Gästetreffen im Ulmer Zelt auch wahrlich genug gehört, vor allem einen sensationellen Andrew Roachford. Auf seine Rückkehr würde man sich genauso freuen wie auf ein drittes Treffen dieser Art. Für Patrick Wieland geht’s übrigens Mitte der Woche bereits in Berlin weiter: mit den Aufzeichnungen der Blind Auditions von „The Voice of Germany“.

Das Zelt in dieser Woche

Programm Morgen, Dienstag, gibt es im Ulmer Zelt Bluesrock mit Ana Popovic, am Mittwoch Fado mit Gisela João. Am Donnerstag bringt Helgi Jonsson isländischen Pop mit und dazu Tina Dico, Marianne Lewandowski & Dennis Ahlgren. Freitags gibt’s Soulfunk mit Seven, samstags Die Happy.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel