Es ist nichts mehr zu machen: Die Gänstorbrücke muss ersetzt werden. Die Schäden sind so gravierend, dass sie nicht zu beheben sind, „die Brücke ist am Ende“. Das machte der für die Verkehrsinfrastruktur zuständige Abteilungsleiter Gerhard Fraidel den Stadträten im Ulmer Bauausschuss deutlich. Sie hatten nach den bisherigen Untersuchungen damit bereits gerechnet.

Eines ist freilich doch noch zu machen: Es gilt, die Brücke so herzurichten, dass sie weiter genutzt werden kann, wenngleich mit Einschränkungen. Im besten Fall hält sie bis zum Abbruch. Das ist eine Frage der Sicherheit, betonte Baubürgermeister Tim von Winning. Die wichtige Verbindung zwischen Ulm und Neu-Ulm soll weiter befahrbar bleiben, aber Sicherheit habe oberste Priorität: „Ulm ist glücklicherweise nicht Genua.“

Ein Merkmal einer Spannbetonbrücke wie dieser sei: Sie stürze nicht plötzlich ein, sondern sie verforme sich. Deshalb gilt es nun zu beobachten, wie sich die Schäden entwickeln. Dazu wird eine Monitoring-Anlage eingebaut. Sie besteht vereinfacht gesagt aus Sensoren und Messinstrumenten, die Aufschluss über den Zustand des Bauwerks geben. Mit einer solchen Monitoring-Anlage wird bereits seit Jahren die Ludwig-Erhard-Brücke überwacht.

Fraidel hat die 420 000 Euro teure Monitoring-Anlage bereits vor Wochen bestellt – finanziell gesehen zum Glück, denn nach dem Brückeneinsturz von Genua habe die steigende Nachfrage den Preis verdreifacht.

Fraidel und Hauptabteilungsleiter Michael Jung skizzierten das weitere Vorgehen:

Schäden Das Beste an der Brücke ist die Asphaltdecke. Sie ist relativ intakt. An allen wesentlichen Teilen aber nagt der Zahn der Zeit, vor allem in Form von eindringendem Salzwasser, das zu Korrosion führte. Dabei spielt auch das Alter eine Rolle. Vor 70 Jahren gab es noch nicht die technischen Möglichkeiten beim Bau wie heute. Die Gänstorbrücke habe ihre Lebenserwartung erreicht. Zu diesem Schluss kamen auch die zuständigen Ministerien in Stuttgart und München.

Bauunterhalt An eine Sanierung ist also nicht mehr zu denken. Mit möglichst geringem Aufwand soll die Befahrbarkeit sichergestellt werden. Dazu gehört die „Reduzierung der Verkehrslasten“, wie Fraidel sagte. Es geht auch künftig also nur einspurig in jede Richtung. Verkehrszählungen vor und nach der Einschränkung haben laut von Winning ergeben, dass sich die Zahl der Fahrzeuge auf der Gänstorbrücke nicht verändert hat. Ein Belastungstest steht voraussichtlich in der Nacht zum 18. November an.

Neubau Als Zeithorizont für einen Neubau nennt die Stadt Ulm die Jahre 2022 bis 2024. So lange dauert es, bis Planung, Beschlussfassung, Planfeststellungsverfahren durch sind. „Wir gehen sobald wie möglich an die Planung“, sagte von Winning.

Kooperation Der Neubau der Gäns­torbrücke wird eine gemeinsame Ulm/Neu-Ulmer Sache. Die Stadtverwaltungen setzen sich zusammen und wollen den Stadträten in einer gemeinsamen Sitzung voraussichtlich am 19. November konkretere Ergebnisse vorstellen. Jede der Städte soll die Hälfte der Kosten tragen.

Umleitungen Die Umleitungen während der Bauzeit sind jetzt schon klar: die verbleibenden Brücken. Da die Gänstorbrücke eigentlich aus zwei miteinander verbundenen Brücken bestehe, gebe es vielleicht die Möglichkeit, erst eine Hälfte zu ersetzen und danach die andere.

Auch Adenauerbrücke wird neu gebaut


Donaubrücken Drei Brücken verbinden Ulm und Neu-Ulm, zwei davon sind marode und müssen ersetzt werden. Für die Ulmer Bauverwaltung ist klar: Die Gänstorbrücke hat Priorität. Deren Neubau muss stehen und voll leistungsfähig sein, bevor die Adenauerbrücke angegangen wird, machte Baubürgermeister Tim von Winning im Bauausschuss deutlich. Die Adenauerbrücke wird also nicht vor Mitte des nächsten Jahrzehnts ersetzt.

Finanzen Beim Neubau der Adenauerbrücke (B 10/B 28) geht es auch darum, wer die Kosten trägt. Die Brücke gehört zwar dem Bund, die so genannte Baulast lag bisher aber bei der Stadt Ulm. Der Bund hat bereits zugesagt, die Baulast zu übernehmen. Die Verhandlungen über den genauen Zeitpunkt laufen laut von Winning aber noch.