Dieter Kleemann staunte nicht schlecht, als er am Freitagabend um kurz vor 22 Uhr mit dem Auto Richtung Gänstorbrücke fuhr. Obwohl die marode Brücke für den Schwerverkehr gesperrt ist, sah er vor sich einen Reisebus. Schnell erkannte er, dass es der Mannschaftsbus der TSG Balingen war.

Die Fußballmannschaft war am Freitag zu Gast beim SSV Ulm 1846 Fußball (3:1) im Donaustadion. „Da haben sie uns schon drei Punkte geklaut und dann sowas“, empörte sich Kleemann. Weil er früher lange bei Kässbohrer beschäftigt war, kennt er die Verkehrsregeln, an die sich Busfahrer halten müssen. Das Gewicht des Busses schätzt er auf 15 Tonnen, das ist deutlich zu schwer für die Gänstorbrücke.

Gänstorbrücke: „Da beschloss ich, den Bus zu filmen“

Kurz vor der Brücke habe der Bus angehalten. Kleemann vermutete, dass der Busfahrer seinen Fehler bemerkt hatte und dann überlegte, wie er weiterfährt. „Da beschloss ich, den Bus zu filmen“, sagte Kleemann. Kaum habe er die Dashcam seines Autos eingeschaltet, habe der Bus die Höhenbegrenzung umfahren und passierte die Brücke.

Uwe Haußmann, Abteilungsleiter Fußball bei der TSG Balingen, wusste auch mehrere Tage danach nichts von dem Vorfall. Das sei Sache des Busfahrers. Dennoch muss der Verein vorerst keine Konsequenzen befürchten.

Stadt Ulm hatte Blitzeranlage wieder abgebaut

Denn die Ende August installierte Blitzeranlage, die verbotene Überfahrten dokumentieren soll, stand am Freitagabend schon nicht mehr auf der Brücke. „Die semi-stationäre Anlage wurde am 3. September wieder abgebaut. Sie ist ohnehin nicht für Busse und LKWs ausgelegt“, sagte Rainer Türke, Abteilungsleiter Sicherheit, Ordnung und Gewerbe bei der Stadt Ulm. Die mobile Blitzeranlage sei eine von zwei, die die Stadt besitze. Da eine derzeit aufgrund von Vandalismus defekt sei, musste die Überwachung an der Gänstorbrücke beendet werden. Dennoch ist geplant, in den nächsten Tagen dort wieder eine Anlage aufzustellen, sagte Türke.

Wegen der Schäden ist die Brücke seit Mitte August für Fahrzeuge mit einem Gewicht von mehr als 3,5 Tonnen gesperrt. Das soll durch eine Höhenbeschränkung von 3,20 Metern gewährleistet werden. Linienbusse sind ausgenommen. Dennoch haben in den letzten Woche immer wieder LKWs und andere schwere Fahrzeuge das Verbot missachtet.

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