Die FWG-Fraktion bot zuletzt Anlass für Verwirrung. Soll die Fußgängerzone möglichst schnell oder langsam neu gestaltet werden? Ist der Verkehrsversuch an der Herdbruckerstraße mit Durchfahrtsverbot am Marktplatz sinnvoll oder nicht? Im Umlauf waren verschiedene Meinungen. Beispiel Fußgängerzone: „Noch eine Baustelle wäre totaler Quatsch“, schimpfte Helga Malischewski Mitte Februar im Hauptausschuss. Nicht einmal eine Woche später forderte ihr Fraktionskollege Gerhard Bühler im Gemeinderat, noch in diesem Jahr in einen Gestaltungswettbewerb einzusteigen.

Beispiel Herdbruckerstraße: Der Verkehrsversuch, einstimmig beschlossen von den Stadträten, kam auf Drängen der FWG-Fraktion zustande, die sich an die Spitze der Anwohnerbewegung gesetzt hatte. Stadtrat Timo Ried und einige Mitstreiter der Kern-FWG monierten bei der Vorstellung ihrer Gemeinderatsliste dagegen, die neue Verkehrsführung sei Unfug. Lauter Widersprüche innerhalb der FWG? Nein, sagt Gerhard Bühler mit einem Lachen, „das ist die Vielfalt der Freien Wähler“. Doch so weit auseinander sei man gar nicht. Das betonen auf Nachfrage auch alle anderen. Sie geben sich Mühe, das Gemeinsame herauszuarbeiten.

Fußgängerzone

Helga Malischewski bleibt dabei: „Wir können nicht übermorgen eine neue Baustelle aufmachen.“ Aber auch sie wolle eine sinnvolle Planung für die Bahnhof- und Hirschstraße. Ein Wettbewerb brauche seine Zeit, weshalb es sinnvoll sei, jetzt einzusteigen. Gerhard Bühler treiben auch taktische Erwägungen an. SPD und CDU seien für die Neugestaltung, was in einem gemeinsamen Antrag der drei Fraktionen gipfelte. „Wenn alle dafür sind, wollen wir nicht als Verweigerer dastehen.“

Timo Ried, der die innenstädtische Kern-FWG ohnehin als Unterstützerin des Handels sieht, ist mit diesem Schwenk zufrieden. „Wir brauchen den Vorlauf. Das heißt ja nicht, dass ad hoc die Bagger auffahren.“ Er hat durchaus Zweifel, ob die Begeisterung des Handels für eine Baustelle in der größten Fußgängerzone anhält, wenn Pläne, Zeitrahmen und Kosten erst einmal feststehen. „Da werden verschiedene Interessenlagen auf den Tisch kommen“, vermutet er. Der Umbau der Fußgängerzone mit Kanalsanierung werde ein großer Eingriff. Ried rechnet mit 18 Monaten Bauzeit und einem Umsatzrückgang von 30 Prozent für angrenzende Häuser.

Die Stadtverwaltung denkt, zum Ärger der IHK, über eine Kostenbeteiligung der Grundstückseigentümer nach. Ried hält das für überlegenswert. Zwar könne die Kommune nicht die Sanierungskosten im Straßenraum auf die Anwohner abwälzen. Eine Kostenbeteiligung aber findet er angemessen. „Es ist im Interesse aller, dass die Leute Lust haben, in die Stadt zu kommen. Davon profitieren alle.“ Auch die Grundstückseigentümer und der Handel. Er wäre gut beraten, den Geldbeutel ein Stück weit zu öffnen, meint Ried, der selbst Apotheken in der Innenstadt führt.

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Ulm

Herdbruckerstraße

Malischewski, Bühler und Ried demonstrieren Einigkeit. Die Anwohner der Herdbruckerstraße seien vom Verkehr geplagt. Lieferwagen parkten in der zweiten Reihe, balzende junge Männer röhrten durch die Gasse, Autofahrer auf dem Weg nach Neu-Ulm kürzen ab, Abgase vernebelten die Sinne. Das alles sei schon in den ersten Wochen des Versuchs viel besser geworden. „Der Marktplatz ist wieder ein wunderschöner Platz“, sagt Malischewski.

Allerdings gebe es ein Problem. Wer aus Richtung Maritim kommt, darf an der Kreuzung Donaustraße nicht nach links zur Herdbrücke abbiegen. Die nächste Möglichkeit, nach Neu-Ulm zu kommen, bietet sich erst am Ehinger Tor – „am anderen Ende von Ulm“, wie FWG-Kandidat Marcus Bühler bei der Kandidatenvorstellung geätzt hatte. Ried formuliert es so: „Wir fahren mit der Kirche ums Dorf.“ Bühler räumt ein: „Das war nicht so durchdacht.“

Den Verkehrsversuch deswegen aber abbrechen, wie es die CDU schon am zweiten Tag gefordert hat? Auf gar keinen Fall, sagen die drei FWG-Räte. Der Versuch soll wie geplant weiterlaufen, ausgewertet werden, und dann werde endgültig entschieden. Der CDU-Vorstoß sei „eine Lachnummer“, findet Ried. Auch Malischewski meint: „Das geht gar nicht.“ Als Kommunalpolitiker müsse man schon mal Standfestigkeit zeigen. Im Übrigen sei die Entscheidung für den Versuch einstimmig gefallen, auch die CDU habe dafür gestimmt.

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Projekte: Die Sedelhöfe sollen im Frühjahr 2020 eröffnen, zusammen mit dem Neubau am Bahnhofplatz 7, in den zu großen Teilen ein Hotel einzieht. Der McDonald’s- Container mitten in der Bahnhofstraße verschwindet dann, denn die Imbisskette kommt in den Sedelhöfen unter. Es stehen in unmittelbarer Nachbarschaft weitere Projekte an. Am Eckgrundstück Bahnhofstraße 13 mit der Apotheke im Erdgeschoss entsteht ein Neubau, und Peek & Cloppenburg hat Pläne für einen Umbau mit Neugestaltung der Fassade vorgelegt.